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Do, 11. Oktober 2018, 13:32

Gesellschaft::Politik/Recht

Kritische Stimmen zum Beitritt von Microsoft zum Open Invention Network

Der Beitritt von Microsoft zum Open Invention Network wird in der freien Software als bei weitem nicht ausreichend angesehen. Patente, die das Dateisystem exfat betreffen, sind ebensowenig Bestandteil des Beitritts wie Multimedia-Patente.

FSF

Während ein Großteil der Presse wenig tiefschürfend den Beitritt von Microsoft zum Open Invention Network als außerordentliches Ereignis oder gar mit Aussagen wie »Microsoft schützt Open Source« bejubelt und auch das OIN selbst und Red Hat den Beitritt begrüßen, sehen die FSF und andere Vertreter freier Software die Sache nüchterner.

Die Free Software Foundation bezeichnet den erst jüngst erfolgten Beitritt von Microsoft zum LOT-Netzwerk und zu OIN als Schritt in die richtige Richtung. Sie hofft darauf, dass damit die Erpressung von Milliarden von US-Dollar von den Distributoren freier Software ein Ende finden könnte. Als problematisch sieht sie es an, dass erstens Software-Patente weiter bestehen und zweitens die Mitgliedschaft im OIN mit 30 Tagen Frist jederzeit gekündigt werden kann. Eine wichtige, zu beachtende Einschränkung ist auch, dass das OIN das »Linux-System« durch eine explizite, begrenzte Liste von Paketen definiert. Insbesondere aktuelle Multimedia-Codecs sind weiterhin ungeschützt.

Die FSF erhebt daher drei Forderungen an Microsoft: Eine klare Bestätigung, dass alle Patentklagen gegen Hersteller von Android-Geräten eingestellt werden, die Erweiterung der Linux-Systemdefinition auf Multimedia-Pakete und mehr, sowie die Verwendung der Einnahmen aus den Patenten für eine Kampagne, die Software-Patente vollständig abschafft.

Auch der Entwickler Bradley M. Kuhn von der Software Freedom Conservancy stößt ins gleiche Horn. Die langjährige Erpressung der Hersteller von Android-Geräten geschah hauptsächlich auf der Grundlage von Patenten auf das Dateisystem exfat. Vielfach traten dabei nicht Microsoft selbst, sondern von Microsoft unterstützte Patentverwerter auf, was von der Seite TechRights, die gegen Software-Patente kämpft, ausführlich dokumentiert wurde. Der Software Freedom Conservancy war es vor fünf Jahren gelungen, von Samsung eine unter der GPL stehende Implementation von exfat zu erhalten, doch dieser Code wurde bisher nicht in Linux integriert, weil klar war, dass er Microsoft-Patente berührt.

Kuhn fordert nun von Microsoft, den exfat-Code selbst unter der Lizenz »GPLv2 oder neuer« in den Kernel einzubringen. Damit würden alle zu exfat gehörenden Patente unter einer kostenlosen Lizenz nutzbar und die Patentaggression von Microsoft hätte ein Ende.

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