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Fr, 1. März 2019, 10:50

Software::Entwicklung

Genode 19.02 ermöglicht Java unter Sculpt OS

Das freie Betriebssystem-Framework Genode bringt in Version 19.02 eine Vielzahl von Verbesserungen. Das darauf aufsetzende Betriebssystem Sculpt OS kann jetzt Java ausführen und Software aus verteilten Quellen beziehen.

Integration neuer Software mittels Routen in Sculpt OS CE

Genode

Integration neuer Software mittels Routen in Sculpt OS CE

Genode beschreibt kein ganzes Betriebssystem, sondern eine Architektur, wie Prozesse aufbauend auf einem Mikrokernel strukturiert sein können, um in sicherer Art und Weise zusammenzuarbeiten. Die Entwickler haben dazu ein hierarchisches Modell entwickelt und sorgen dafür, dass die einzelnen Komponenten nur innerhalb der Hierarchie in einem vorgegebenen Bereich, »trusted computing base« genannt, kommunizieren können. Genode kann als Kernel unter anderem Linux, verschiedene Varianten des Mikrokernels L4 oder auch eine Weiterentwicklung des Mikro-Hypervisors NOVA nutzen.

Seit zehn Jahren wird Genode bereits entwickelt, wobei der Schwerpunkt stets darauf lag, das Mikrokernel-Konzept noch weiter zu auszureizen und nicht nur alle Betriebssystemkomponenten, sondern auch die Prozesse stark voneinander abzuschotten. Benutzbar war es aufgrund seines hoch experimentellen Charakters bisher kaum. Vor einem Jahr wurde jedoch die Version 18.02 veröffentlicht, die ein funktionsfähiges Betriebssystem, Sculpt OS, mitbrachte und die Bekanntheit von Genode erhöhen sollte. Die damalige Version richtete sich ausschließlich an erfahrene, experimentierfreudige Benutzer. Im Juni 2018 wurde Sculpt for The Curious auf Basis von Genode 18.05 veröffentlicht, die eine Administrationsoberfläche (»Leitzentrale«) enthielt, um Speicher und Netzwerkverbindungen komfortabel zu verwalten. Im August 2018 folgte eine Version mit grafischer Konfiguration und weiteren Aktualisierungen.

Die neue Version 19.02 bringt wesentliche weitere Verbesserungen. Mit diesen wird der Plan verfolgt, Sculpt OS für eine breitere Anwenderschicht nutzbar und nützlich zu machen. Diese neue Version, »Sculpt OS as a community experience (CE)«, soll Mitte März zum Download bereitstehen. In dieser Version erhalten Software-Anbieter die Möglichkeit, Software für Sculpt OS bereitzustellen und dies bekannt zu machen. Sculpt OS geht hier bewusst einen völlig anderen Weg als Linux-Distributionen - es bezeichnet sich erst gar nicht als Distribution, bringt keine eigenen Pakete mit und enthält auch keinen App-Store oder ähnliches. Stattdessen gibt es die Möglichkeit, die Feeds von Software-Anbietern zu abonnieren. Im Menü gibt es einen neuen Punkt Depot, unter dem man einen Feed auswählen. Von dort ist es nur ein Klick, die angebotene Software zu installieren.

Fotostrecke: 6 Bilder

Integration neuer Software mittels Routen in Sculpt OS CE
Leitzentrale von Sculpt OS TC
Virtuelle Maschine mit TinyCore Linux in Sculpt OS TC
Leitzentrale-Overlay in Sculpt OS TC
Live-Ansicht der Laufzeitumgebung in Sculpt OS
Damit ist die Installation aber noch nicht beendet. Das Paket muss noch als Komponente ins System integriert werden. Dabei muss der Administrator die Zugriffsrechte auf die Ressourcen für die Komponente festlegen. In einem Dialog geschieht dies nach Ansicht der Entwickler auf geradezu spielerische Weise. Um die Einstellungen permanent zu machen, muss man sie jedoch nochmals von Hand kopieren. Damit Software-Anbieter auch gefunden werden können, müssen sie sich im Depot registrieren, für Details kann man sich an die Mailingliste wenden.

Weitere Neuerungen in Genode 19.02 sind das JIT-fähige Java-OpenJDK, verbesserte Leufzeitumgebungen für Ada- und Spark-Programme und anfängliche Unterstützung für OCaml. Neben zahlreichen weiteren Verbesserungen wurden auch einige veraltete Schnittstellen sowie VirtualBox 4 entfernt - die Benutzer sollten längst zu VirtualBox 5 gewechselt haben. Weitere Einzelheiten sind den Anmerkungen zur Veröffentlichung zu entnehmen.

Als weitere Neuerung wurde die Blog-Plattform Genodians ins Leben gerufen, die sich mit Themen rund um Genode beschäftigt. Genodians selbst ist dezentral und ein Beispiel für eine Web-Appliance mit Genode. Diese insgesamt nur 8 MB große Appliance kann man auf unterstützter Hardware oder in einer virtuellen Maschine laufen lassen.

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