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Mo, 20. Mai 2019, 17:59

Software::Kernel

Erste Vorschau auf Linux-Kernel 5.2

Linux-Initiator Linus Torvalds hat die Kernel-Version 5.2-rc1 als erste Testversion für Linux 5.2 freigegeben. Die neue Version bringt freie ARM Mali-Treiber, neue Mount-Systemaufrufe und die Möglichkeit, im Dateisystem ext4 Groß- und Kleinschreibung von Dateinamen als dasselbe zu behandeln.

Linus Torvalds

Hans-Joachim Baader

Linus Torvalds

Zwei Wochen nach Linux 5.1 hat Linus Torvalds nun die erste Testversion von Linux 5.2 veröffentlicht. Die kommenden sieben Wochen (bei Bedarf auch mehr) dienen zum Testen der Änderungen und Korrigieren der gefundenen Probleme. In seiner Ankündigung schreibt Torvalds, dass die Integrationsphase aus seiner Sicht ohne Probleme verlief. Mit etwas über 12.000 Änderungen waren die Entwickler produktiv wie immer.

Die meisten Linux-Dateisysteme unterscheiden traditionell zwischen Groß- und Kleinschreibung bei den Dateinamen. Die Vorteile dabei sind die Einfachheit und Effizienz beim Vergleich von Dateinamen. Nachteile sind die schwierige Zusammenarbeit mit DOS/Windows-Dateisystemen und die mögliche Verwirrung, wenn Dateien mit unterschiedlicher Groß- und Kleinschreibung koexistieren. Wie ineffizient es aber ist, Groß- und Kleinschreibung als identisch zu behandeln, zeigt jetzt das Dateisystem ext4, das um just diese Funktionalität erweitert wurde. Um die Aufgabe korrekt zu lösen, musste eine komplette Unicode-Behandlung in den Kernel aufgenommen werden, so dass diese Änderung zugleich die umfangreichste in Linux 5.2 sein dürfte. Daher wird sie durchaus von einigen Entwicklern als irrsinnig und dumm angesehen, nicht zuletzt auch von Torvalds selbst, der sie dennoch schließlich akzeptierte.

Weitere Dateisystemänderungen in Linux 5.2 sind unter anderem eine Infrastruktur zum Aufzeichnen der »Gesundheit« von XFS, Geschwindigkeitsverbesserungen beim I/O-Scheduler BFQ und neue Systemaufrufe zum flexibleren Mounten von Dateisystemen (mit Beispielprogramm). Auf x86-64-Systemen kann ein Crashdump-Kernel jetzt auch oberhalb von 896 MB im Speicher abgelegt werden.

Neu ist das Flag CLONE_PIDFD für clone, das einen Dateideskriptor erzeugt, der den neuen Prozess repräsentiert. Die Attribute des Speichers, der an die Rechnerknoten angeschlossen ist, können nun über sysfs ausgelesen werden. BPF-Programme können jetzt auf globale Daten zugreifen und Einfluss auf Änderungen von sysctl-Einstellungen nehmen. Darüber hinaus wurde der BPF-Verifier stark optimiert. Er ist nun so schnell, dass BPF-Programme für den Root-Benutzer statt 4096 bis zu einer Million Anweisungen enthalten dürfen.

Die Arbeit, das implizite Durchfallen von einem Fall einer case-Anweisung in den nächsten aus dem gesamten Kernel-Code zu beseitigen, ist nahezu abgeschlossen. Das verbessert die Sicherheit, da eventuelle Programmierfehler leichter erkannt werden können. Eine neue Kommandozeilenoption mitigations= vereinfacht die Kontrolle, welche Maßnahmen gegen Spectre-Lücken aktiviert werden sollen.

Die Grafiktreiber für ARM-Mali-Chips sind nun im Kernel: Lima für ältere Chips und Panfrost für neuere. Linux 5.2 erhielt ferner eine generische Schnittstelle für Zählergeräte, zu der auch eine sysfs-Schnittstelle gehört. Neu sind auch die Unterstützung für Feldbus und für die Sound Open Firmware von Intel. Darüber hinaus kamen auch wieder Treiber für zahlreiche Chips aller Art hinzu. Die zahlreichen weiteren Änderungen sind im Änderungslog von Git zu finden. Kernel und Patch-Dateien sind von zahlreichen Spiegelservern von kernel.org herunterzuladen.

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