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Mo, 1. Juli 2019, 10:57

Software::Grafik

X.Org wohl bald im reinen Wartungsmodus

Mit der bevorstehenden Komplettierung einiger Interaktionen zwischen Wayland und XWayland könnte die weitere Entwicklung von X.Org komplett stoppen und auf die notwendigsten Anpassungen beschränkt werden. Das ist jedenfalls die Ansicht von Red Hat.

x.org

X.Org und Wayland werden im Wesentlichen von denselben Entwicklern gepflegt und erweitert. So gesehen konkurrieren sie miteinander nicht nur in der Funktionalität, sondern auch bei der Aufmerksamkeit der Entwickler. Da in den letzten Jahren deren Energie fast komplett in Wayland floss, wurde konsequenterweise an X.Org nicht mehr viel getan. Stattdessen wurde Wayland als moderner Nachfolger von X.Org vorangebracht.

X.org ist die einzig noch relevante Implementation von X11, der traditionellen, bereits in den 1980er-Jahren konzipierten grafischen Oberfläche von Unix. Wie der für Red Hat arbeitende Fedora-Entwickler Christian Schaller jetzt schreibt, wird X.org im Wesentlichen nur noch von Red Hat-Entwicklern gepflegt. Dieselben Entwickler sind aber auch damit befasst, die noch bestehenden Lücken in der Funktionalität von Wayland zu schließen. Dabei ist Wayland selbst bereits seit einiger Zeit einsatzreif und kann alle Anwendungen bedienen. Anwendungen, die noch nicht auf die direkte Nutzung von Wayland umgestellt wurden, können über den X-Server XWayland so laufen, als seien sie direkt unter X.org gestartet. Sogar für Gnome selbst, das seit einiger Zeit zumindest in Fedora standardmäßig unter Wayland betrieben wird, ist XWayland nach wie vor nötig, da einige Komponenten immer noch Code enthalten, der von der Annahme ausgeht, unter X11 zu laufen.

Laut Schaller ist es nun das Anliegen von Gnome, die Wayland-Umstellung abzuschließen. Auch wenn andere Anwendungen weiter XWayland benötigen, das dann eventuell nur noch bei Bedarf gestartet wird, sollte Gnome selbst ganz ohne XWayland auskommen. Die Gnome-Shell ist demnach fast so weit, aber im Gnome Settings-Daemon gibt es noch Anpassungsbedarf. Die Komplettierung dieser Arbeiten kann noch bis zu einem Jahr dauern.

Eine weitere Inkompatibilität bei Wayland ist, dass X11-Anwendungen in XWayland nicht als Root laufen können. Es wird zwar aus Sicherheitsgründen davor gewarnt, Anwendungen als Root unter X11 laufen zu lassen, dennoch war es in X11 möglich und soll künftig auch in XWayland funktionieren. Als weiterer Punkt ist die bessere Unterstützung des proprietären Nvidia-Grafiktreibers in Arbeit. In X11 und Wayland lassen sich seine Beschleunigungsfunktionen nutzen, in XWayland bisher nicht. Auch diese Lücke soll bald geschlossen sein.

Sobald diese Punkte erledigt sind, wird es nach Einschätzung von Schaller keinen Anlass für Red Hat mehr geben, X.Org weiterzuentwickeln. Lediglich wegen des Einsatzes von X.Org in Red Hat Enterprise Linux 8 wird Red Hat das System weiter pflegen - und zwar noch für mindestens zehn Jahre, bis der Standard-Support-Zeitraum für Red Hat Enterprise Linux 8 abgelaufen ist. Mit Ausnahme von nötigen Korrekturen und Aktualisierungen dürften aber schon ab jetzt keine Änderungen mehr in X.Org gelangen. Natürlich wird X.Org als freies Projekt nicht sterben, auch nicht in zehn Jahren, aber für neue Funktionen müssten wohl andere Entwickler aktiv werden. Alle anderen Benutzer sollten in den nächsten Jahren zu Wayland wechseln, dem die Zukunft gehört. Der lesenswerte Artikel von Schaller enthält darüber hinaus weitere Neuigkeiten über Entwicklungen in Gnome und Fedora.

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