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Thema: Debian GNU/Hurd 2019 veröffentlicht

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Kommentare von Lesern spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.
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Von kraileth am Di, 9. Juli 2019 um 08:22 #

Für jemanden mit Deinem Benutzernamen schreibst Du angenehm sachlich und machst gewisse Aussagen als Deine Meinung kenntlich, statt Dogmen zu verkünden. Vielen Dank dafür! Ich möchte deswegen ebenfalls freundlich in Form zweier Fragen eine Gegenposition einwerfen, die aus meiner Sicht der Betrachtung lohnt um nicht ein einseitiges Bild der Lizenzfrage zu erhalten.

1) Wieso ist die Lizenz ein Problem? Ich behaupte hier einfach mal das Gegenteil: Einer der großen Vorteile von *BSD ist die Lizenz. Durch ihre permissive Natur stellt sie das eigentlich Wichtige in den Mittelpunkt - nämlich den Menschen als Wesen mit eigener Entscheidungsgewalt über ethisches oder unethisches Handeln. Nur dadurch, daß dieser die freie Wahl hat, aus sich selbst heraus eine ethische Entscheidung zu treffen, ermöglicht diese Art von Lizenz der Menschheit, moralisch zu reifen. Copyleft - und damit der Zwang zum Handeln nach vorher festgelegten Mustern - eignet sich zugegebenermaßen natürlich besser, wenn man einen Kult um den Code zimmern möchte. Ich frage mich inzwischen aber ehrlich, warum jemandem die Freiheit des Codes wichtiger sein sollte als die Freiheit des Menschen. Der Quellcode ist ein Ding, noch dazu kein materielles. Er kann mit seiner Freiheit nichts anfangen, er kann sie nicht begründen, kann sie nicht einmal wertschätzen. Dafür den Menschen die Freiheit nehmen? Wohlgemerkt: Allen. Und das nur, weil einige diese Freiheit in einer unerwünschten Weise wahrnehmen würden?

2) Was meinst Du damit, daß es bei *BSD keinen wirklichen Schutz gebe? Keinen Schutz vor eigennütziger/kommerzieller Verwertung durch „lachende Dritte“? Das ist richtig und aus meiner Sicht sogar sehr wichtig, um eigene Entscheidung zu ermöglichen und nicht einer Lehre folgen zu müssen, die sich einmal der Gründer einer Bewegung ausgedacht hat. Besonders betont sei hierbei aber: Der permissiv lizenzierte Quellcode ist ausreichend geschützt! Er ist frei und niemand kann ihn der Allgemeinheit wegnehmen. Natürlich kann jemand ein Projekt davon ableiten und entscheiden, dies nicht mehr mit der Allgemeinheit zu teilen. Aber, auch wenn gewisse Kreise es gerne anders aussehen lassen, dadurch verschwindet der ursprüngliche Quellcode nicht und er steht weiterhin allen Interessierten zur Verfügung.

Blobs sind ein eigenes Thema. Ich mag sie auch nicht sehr, kann aber die Argumentation verstehen, die z.B. OpenBSD ins Feld führt (entweder die Firmware läuft direkt auf den Geräten oder aber sie wird vom Betriebssystem nachgeladen. Letzteres ist auch nicht schlechter als ersteres, bei dem die Hardware auch mit einem unfreien Blob läuft, nur eben unsichtbar). Hinsichtlich RISC-V sind wir allerdings einer Meinung. Ich habe diese Plattform von Anfang an mit Begeisterung beobachtet und hoffe weiterhin darauf, daß wir irgendwann brauchbare und offene Hardware bekommen.

  • 2
    Von blablabla233 am Di, 9. Juli 2019 um 10:06 #

    Ich nutze fast auschliesslich BSD's im Serverbereich.
    Die Lizenz ist fuer mich auch das optimum, denn wenn ich eines auf gar keinen Fall in der Software Entwicklung haben will, dann sind das Anwaelte.
    Auch brauche ich keinen Gnu-Jesus.

    1
    Von gnu am Di, 9. Juli 2019 um 11:09 #

    Vielen Dank für die Anmerkungen. Grundsätzlich bin ich kein Freund davon dogmatisch an Sachverhalte heranzugehen sondern mit Prinzipien wie auch grundlegend idealistisch.

    Zu 1) Für mich ist Beides wichtig und genau deswegen setze ich auch Beides in den Mittelpunkt. Den freier Quelltext bietet durchweg die Möglichkeit zur Modifikation und damit auch weiterhin einer Wahlmöglichkeit selbst entscheiden zu können. So kann man ja auch einen Libre-Kernel selbst nach eigenen Maßstäben erstellen und modifizieren. Denn die Emanzipation der Nutzer*Innen steht dabei durch Copyleft-Lizenzen im Mittelpunkt, aus meiner Perspektive gesprochen. Und die "Freiheit des Quelltextes" ermöglicht in meiner Betrachtung erst weitere Freiheiten der Nutzer*Innen.

    Zu 2) Der Schutz bezieht sich darauf, dass Risiken bestehen sofern abgeleitete Projekte Mehrheiten bilden und kein Quelltext zu ihnen entsprechend auffindbar ist. Der eigentliche Quelltext steht davon unbenommen und sicherlich kann man das der Allgemeinheit nicht einfach wieder nehmen. Dennoch ist dabei der Mensch wie auch sein Verständnis von "Freiheit" ein wichtiger Faktor. Wenn man sich selbst wichtiger nimmt als Andere, wird es immer schwierig und zusehends erschwert.

    Es gibt insofern neben der rein technologischen Komponente immer auch eine soziale Ableitung. Tatsächlich sind "Freiheiten Aller" gleichwertig zu beachten und entsprechend ist für mich die Emanzipation der Nutzer*Innen oberste Priorität.

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