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Di, 9. Juli 2019, 08:12

Gemeinschaft::Organisationen

Mozilla als Internet-Schurke 2019 nominiert

Der britische Internet-Provider-Verband ISPA hat Mozilla als Internet-Schurke 2019 nominiert. Der bizarre Grund: Das von Mozilla propagierte DNS over HTTPS erleichtere es, staatliche Zensur und Jugendschutzanwendungen zu umgehen.

Mozilla

Einmal im Jahr zeichnet der britische Internet-Provider-Verband ISPA eine Person oder Organisation als Internet-Held oder Internet-Schurke des Jahres aus. Nachdem die Nominierungsphase vorüber ist, hat der Verband hat jetzt die Kandidaten für die Auszeichnungen nominiert. Jeweils drei Kandidaten für den Internet-Held oder Internet-Schurken des Jahres kamen in die Vorauswahl. Der Beirat der ISPA wird unter diesen die »Gewinner« durch eine Abstimmung ermitteln. Das Ergebnis soll am 11. Juli bekannt gegeben werden.

Mozilla war maßgeblich an der Entwicklung des Protokolls DNS over HTTPS (DoH) beteiligt, das inzwischen als RFC8484 standardisiert ist. Es wird durch Benutzer, die dem Testprogramm beigetreten sind, weiter in Firefox getestet. Doch das Protokoll steht trotz mancher Vorteile in der Kritik. Diese fußt zum einen auf der Komplexität des Protokolls, zum anderen darauf, dass als DNS-Provider bisher nur Cloudflare auftritt und viele Nutzer diesem Unternehmen nicht trauen.

Doch die ISPA hebt auf einen ganz anderen Aspekt ab: DNS over HTTPS erleichtere es, staatliche Zensur und Jugendschutzanwendungen zu umgehen. Diese Zensur ist, wie The Register erklärt, Resultat eines 2017 erlassenen Gesetzes, das aber immer noch nicht in Kraft ist. Da DNS over HTTPS per Design für die Provider unsichtbar macht, welche Internet-Namen angefordert werden, greifen namensbasierte Filter nicht mehr; solche, die IP-Adressen filtern, sind allerdings unbeeinflusst. Mozilla äußerte sich laut Register irritiert über die Nominierung, die eine notwendige Verbesserung der Internet-Infrastruktur in ein schlechtes Licht stelle. Zudem plane Mozilla nicht, DoH in Großbritannien standardmäßig einzusetzen. Zur Zeit suche Mozilla nach Partnern in Europa, die den DoH-Dienst anbieten.

Mozilla wird es allerdings nicht leicht haben, die Auszeichnung als Internet-Schurke 2019 zu gewinnen, denn die Konkurrenten sind schier übermächtig. Neben Mozilla sind der Artikel 13 der neuen Copyright-Direktive der EU und US-Präsident Donald Trump nominiert. Artikel 13 ist nach Meinung der britischen Internet-Provider eine Bedrohung für die Meinungsfreiheit, indem er überall Upload-Filter vorschreibt. Trump hingegen wurde nominiert, weil es aus Sicht der Provider mit seinen Versuchen, die nationale Sicherheit der USA zu schützen, eine große Unsicherheit im gesamten globalen Telekommunikationsbereich verursacht hat.

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