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Fr, 30. August 2019, 11:00

Software::Grafik

Gimp nach Namensstreit geforkt

Der Name des freien Bildbearbeitungsprogramms Gimp war schon sehr früh ein Streitpunkt, da er im englischsprachigen Raum einige anstößige Bedeutungen hat. Das neue Projekt Glimpse will neben der Umbenennung auch neue Richtungen erkunden und lange bestehende Fehler korrigieren.

Gimp 2.10

Mirko Lindner

Gimp 2.10

Das GNU Image Manipulation Program zählt nicht nur zu den besten Bildbearbeitungsprogrammen überhaupt, es hat auch bereits eine lange Geschichte. Die erste Version wurde 1995 von Peter Mattis und Spencer Kimball als Studienarbeit entwickelt. Das Programm nannte sich anfänglich General Image Manipulation Program, bevor es später in GNU Image Manipulation Program umbenannt wurde. Die Abkürzung Gimp, unter der das Programm bekannter ist als unter dem vollen Namen, blieb unverändert.

Wer nicht im englischsprachigen Raum zuhause ist, wird an dem Namen Gimp nichts Problematisches sehen. Doch die Englischsprecher empfanden den Namen nahezu von Anfang an problematisch, bis zu dem Punkt, wo er der Verbreitung der Software maßgeblich im Weg steht. Laut diversen Aussagen sehen sich Schulen, Universitäten und Bibliotheken oft außerstande, die Software bereitzustellen. Denn das Wort Gimp steht nicht nur für Kordel und andere Objekte an Textilien, sondern wird in der Bedeutung Krüppel abwertend für behinderte oder unbeliebte Personen verwendet. Darüber hinaus gibt es weitere anstößige Bedeutungen. Doch das Gimp-Projekt lehnt eine Namensänderung kategorisch ab mit Hinweis auf die Bekanntheit des Namens. Gimp sei nur ein Akronym, jeder könne ja, wenn er wolle, den Namen »GNU Image Manipulation Program« verwenden. Nach Meinung der Gimp-Entwickler würde eine Selbstzensur, oder »Sterilisierung der Sprache«, wie sie es nennen, langfristig mehr schaden als nützen.

Dennoch kam die Diskussion um den Namen jetzt wieder auf. Sie wurde offenbar aus dem Gitlab-Forum von Gimp gelöscht, nachdem sie zu hitzig wurde, ist aber im Web-Archiv verfügbar. Bobby Moss, ein technischer Autor bei Oracle, wurde auf die Diskussion aufmerksam und schuf Fakten: Er gründete das Projekt Glimpse auf Basis des Gimp-Quellcodes. Das ist jetzt etwa sechs Wochen her und allmählich nimmt die Öffentlichkeit Notiz. Erste Code-Änderungen wurden bereits vorgenommen, diese beschränken sich jedoch auf Namensänderungen und andere kleine Dinge. Im September soll Glimpse 0.1 erscheinen, weitere Versionen 0.x sollen folgen, die noch weitgehend dem aktuellen Stand von Gimp entsprechen. Eine Zusammenarbeit mit Gimp wird angestrebt, eigene Änderungen sollen an Gimp weitergegeben werden, wo es möglich ist.

Das Projekt will weiterhin Entwicklungen aus Gimp übernehmen, insbesondere wartet es auf den Abschluss der Portierung auf GTK 3. Diese wird in Gimp 3.0 vollzogen, das im nächsten Jahr erscheinen soll. Ab diesem Zeitpunkt, mit Glimpse 1.0, will sich das Projekt stärker von Gimp lösen, eigene Dokumentation bereitstellen und neue Entwicklungen anstoßen. Die Oberfläche soll komplett neu geschrieben werden, was allerdings Jahre in Anspruch nehmen kann und parallel zu anderen Änderungen geschehen soll. Die neue Oberfläche würde dann zu Glimpse 2.0 führen.

Ein FAQ erläutert die Hintergründe und Ziele des neuen Projekts. Dem Projekt ist bewusst, dass es bereits andere Projekte mit demselben oder ähnlichen Namen gibt, sieht allerdings keine Probleme darin. Auch in der Entscheidung, das Projekt auf GitHub anzusiedeln, sieht das Projekt trotz Kritiken erst einmal kein Problem. Es sei allerdings offen dafür, über Alternativen zu diskutieren.

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