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Mi, 2. Oktober 2019, 18:00

Unternehmen

Geldsorgen bei Docker?

Nach einem Bericht von CNBC benötigt Docker dringend frisches Kapital und verhandelt zur Zeit mit möglichen Investoren. Doch scheint zuvor erst einmal ein tragfähiges Geschäftsmodell vonnöten.

Docker

In einer vertraulichen E-Mail an die Mitarbeiter, die von der Nachrichtenseite CNBC veröffentlicht wurde, schreibt Docker-Geschäftsführer Rob Bearden, dass die finanzielle Situation des Unternehmens momentan etwas unklar sei. Sofern die E-Mail echt ist, ist das Docker-Management in Verhandlungen mit zwei Geldgebern, um weiteres Geld zu erhalten, um die Geschäftsstrategie weiter verfolgen zu können. Dies allein deutet noch nicht auf Probleme hin, doch im folgenden Absatz schreibt Bearden von Unsicherheit und Unklarheit und dankt allen Mitarbeitern, dass sie trotz dieser Situation weiter mit Hochdruck an der kommenden Docker-Version gearbeitet haben. Eine offizielle Ankündigung werde folgen, sobald die Dinge geklärt seien.

Docker ist ein Projekt, um beliebige Anwendungen in einem leichtgewichtigen Container zu verteilen und auszuführen. Die Entwicklung wird von der gleichnamigen Firma geleitet, die dafür sorgte, dass sich Docker zum populärsten Container-System entwickeln konnte. Maßgeblich für den Erfolg war wohl, dass fertige Container von jedem Entwickler erstellt und in ein zentrales Repositorium hochgeladen werden können. Dort sind sie für alle Interessenten aufzufinden und lassen sich mit einem einzigen Kommando auf den eigenen Rechner holen und starten.

Docker war von Anfang an von Investoren finanziert, profitabel war das Unternehmen aber noch nie. Es hat inzwischen laut Steven J. Vaughan-Nichols 272,9 Mio. US-Dollar Kapital erhalten, zur Zeit ungefähr 500 Mitarbeiter und wurde im Jahr 2015 auf einen Wert von einer Milliarde US-Dollar geschätzt, doch dieser Wert scheint bereits stark gesunken zu sein. Das Problem von Docker war, dass es keinen brauchbaren Geschäftsplan hatte und hat. Mit dem Programm Docker selbst, das frei ist, wurde nur wenig verdient, da nur wenige Kunden die Unternehmensversion erwarben. Dazu kamen technische Entscheidungen, die die Nutzer verärgerten, so dass andere Unternehmen eigene Programme entwickelten, um Docker-Container auszuführen. Red Hat beispielsweise entwickelte Podman und Buildah als direkten Docker-Ersatz. Dies wurde auch von der Anforderung getrieben, Container ohne Root-Berechtigungen betreiben zu können. Docker ignorierte dies zu lange und führte es erst in Version 19.03 ein, und dort auch nur als experimentelle Funktionalität.

Auch die Hoffnungen von Docker auf Geschäfte mit zusätzlicher Software erfüllten sich nicht. Docker Swarm sollte das führende System zur Container-Orchestrierung werden. Doch dann veröffentlichte Google seine Eigenentwicklung Kubernetes als freie Software, und Docker Swarm geriet ins Hintertreffen und ist sogar bereits nahezu vergessen, da fast alle Anbieter auf Kubernetes setzen. Vielleicht liegt die Zukunft von Docker nun auch auf Kubernetes-basierten Lösungen, doch dabei gibt es bereits zahlreiche konkurrierende Anbieter. Die Zukunft von Docker erscheint also im Moment eher schwierig.

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