Login
Newsletter
Werbung

Mo, 30. Dezember 2019, 11:45

Software::Distributionen::Debian

Debian-Abstimmung klärt Status der Init-Systeme

Die Debian-Entwickler haben die Frage der Init-Systeme einstweilen geklärt. Demnach bleibt Systemd das Standard-Init-System, und die paketierte Software darf sämtliche Funktionalität von Systemd nutzen. Andere Init-Systeme werden nach besten Kräften unterstützt, liegen aber hauptsächlich in der Verantwortung der jeweiligen Paketierer.

Software in the Public Interest (SPI)

Systemd brachte Init-Systeme unter Linux (endlich) ins neue Jahrtausend. Gegenüber anderen Init-Systemen bringt es viel mehr Funktionalität mit. Das bedeutet, dass Anwendungen, die solche Funktionalität voraussetzen, mit anderen Init-Systemen nicht komplett funktionieren. Ein bekanntes Beispiel ist Gnome, das auf die logind-Funktionalität von Systemd aufsetzt. Um Gnome auch ohne Systemd nutzen zu können, wurde Elogind als Fork von logind aus Systemd 219 entwickelt. Elogind weist keine Abhängigkeiten zum Rest von Systemd auf und stellt die benötigte Teilmenge der Funktionalität von logind bereit. Als im Juli eine neue Version von Elogind im Entwicklungszweig von Debian von Unstable nach Testing kommen sollte, wurde dies von den FTP-Mastern blockiert, da sie Bedenken bezüglich des Zusammenspiels mit anderen Paketen hatten, wie in Bug 934132 erläutert wurde. Dies stieß bei manchen auf Unverständnis, unter anderem weil die Entwicklung von Debian 11 gerade erst begonnen hatte und reichlich Zeit war, eventuelle Probleme zu beheben. Nach schier endlosen Diskussionen konnte die Sache im September bereinigt werden, doch Debian-Projektleiter Sam Hartman sah eine Menge Frustration und Burnout heraufziehen und initiierte daher eine Abstimmung, um das Thema langfristig zu klären.

Die Abstimmung bot den 1011 stimmberechtigten Debian-Entwicklern acht Optionen an und gehörte damit zu den kompliziertesten in der Debian-Geschichte. Die Spanne der Optionen reichte von »Konzentration auf Systemd« bis zu »Gleichwertiger Behandlung aller Init-Systeme«. Zusätzlich stand die Option »Weitere Diskussion« zur Verfügung, die bedeutet hätte, dass keine Entscheidung gefällt wird.

Nach der dreiwöchigen Abstimmungsphase steht jetzt das Ergebnis fest. Der Gewinner ist die vom Projektleiter selbst eingebrachte »Option 2«. Diese stellt klar, dass Systemd das Standard-Init-System bleibt. Von Diensten wird erwartet, dass sie zumindest Unit-Dateien für Systemd mitbringen. Die paketierte Software darf sämtliche Funktionalität von Systemd nutzen, die in der jeweiligen Debian-Version zur Verfügung steht. Andere Init-Systeme sind weiterhin willkommen, auch alternative Dienste zu denen von Systemd. Sie gelten Debian weiterhin als wichtig und werden nach besten Kräften unterstützt. Die hauptsächliche Arbeit muss aber von den jeweiligen Entwicklern und Paketierern geleistet werden.

Dass die Unterstützung für Systemd unter den Debian-Entwicklern sehr stark ist, lässt sich auch daran ablesen, dass die extremste Option, sich ganz auf Systemd zu konzentrieren und andere Init-Systeme als nebensächlich zu betrachten, nur knapp geschlagen wurde. Nur wenige Personen haben Interesse daran, andere Init-Systeme zu unterstützen, was sich an der niedrigen Platzierung der entsprechenden Optionen in der Abstimmung äußert.

Werbung
Pro-Linux
Pro-Linux @Twitter
Neue Nachrichten
Werbung