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Fr, 3. Januar 2020, 13:09

Software::Systemverwaltung

Dateisystem Reiser5 soll Skalierbarkeit und Effizienz steigern

Reiser5 soll als Nachfolger des Dateisystems Reiser4 erhebliche Geschwindigkeitssteigerungen bringen. Möglich werden soll das durch die Nutzung von Technologien, die bisher nur von Cluster-Dateisystemen bekannt waren.

Mirko Lindner

Reiser4 war als modernes und fortschrittliches Dateisystem konzipiert, das es allerdings nie in den offiziellen Kernel geschafft hat. Die Entwickler um Edward Shishkin haben es mittlerweile aufgegeben, Reiser 4 in den Kernel zu bringen. Sie pflegen das Dateisystem als Patch für Linux und arbeiten auch an der Portierung auf andere freie Betriebssysteme wie BSD.

Reiser4 kann mittels Plugins um verschiedene Funktionalitäten erweitert werden. Dadurch unterscheidet es sich von anderen Dateisystemen, bei denen neue Funktionalität direkt in den Code integriert wird. Die Plugins waren anfänglich bei den Kernel-Entwicklern in der Kritik, doch der Hauptgrund, dass Reiser4 nicht in den Kernel aufgenommen wurde, war, dass es teilweise Funktionalität im Kernel duplizierte und die Entwickler nicht bereit waren, Reiser4 sauber in den Kernel zu integrieren. Somit dürfte Reiser4 nur wenige Nutzer haben und es ist kaum möglich, zu beurteilen, ob es Vorteile gegenüber anderen Dateisystemen besitzt.

Ob dem Nachfolger Reiser5 ein anderes Schicksal beschieden ist, ist erst einmal offen. Denn in seiner Ankündigung hat Edward Shishkin einige spezielle Algorithmen als von ihm entwickelt und patentiert bezeichnet. Die Ankündigung beschreibt Reiser5 in vielen Details. Ein Patch für Linux 5.4 ist verfügbar. Reiser5 sollte noch nicht produktiv eingesetzt werden, da es noch nicht komplett ist und die zugehörigen Werkzeuge ebenfalls nicht. Die Werkzeuge für Reiser5 können nicht parallel zu denen für Reiser4 installiert werden, so dass derzeit ausschließlich Testinstallationen sinnvoll sind.

Reiser5 bringt neue Konzepte, die die Geschwindigkeit steigern sollen. Laut Shishkin ist das Problem bisheriger Dateisysteme, dass sie auf einem einzelnen großen Blockgerät angelegt werden. Um neue Daten zu speichern, muss das Dateisystem wissen, welche Blöcke frei sind. Dazu sind Listen in irgendeiner Form nötig, die entsprechend groß sind. Die Suche nach freien Blöcken wird immer langsamer, je voller die Dateisysteme werden. Logische Volumes, die sich über mehrere Geräte erstrecken (darunter auch RAID), sind laut Shishkin höchstens so schnell wie das langsamste Gerät. Es sei nicht möglich, heterogene Speicher zu erstellen, die unterschiedliche Geräte kombinieren. Außerdem sei es unmöglich, eine effiziente Datenmigration zu implementieren.

Reiser5 soll anders als beispielsweise ZFS keine eigene Blockebene implementieren. Die Grundidee von Reiser5 ist, das Dateisystem in logische Untervolumes (Bricks genannt) einzuteilen und für jedes davon eine eigene Liste von freien Blöcken zu verwalten. Diese sind somit in der Größe begrenzt und lassen sich in annähernd konstanter Zeit bearbeiten. Reiser5 verteilt die Daten anhand von auswählbaren Algorithmen auf die Untervolumes und ermöglicht den Benutzern auch, die Verteilung selbst zu bestimmen. Die Ankündigung beschreibt dazu zahlreiche Details und enthält zudem den aktuellen Stand eines Administrationshandbuchs. Die Zukunft soll eine Verteilung der Metadaten auf alle Bricks und vollständige Schnappschüsse einschließlich Volume-Änderungen bringen. Die beste Möglichkeit, sich einen Eindruck von Reiser5 zu verschaffen ist wohl, es auszuprobieren.

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Kommentare (Insgesamt: 39 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[4]: huhu, reiser ... (goowoo, Fr, 10. Januar 2020)
Re[4]: huhu, reiser ... (blablabla233, Do, 9. Januar 2020)
Re[3]: huhu, reiser ... (Christian Wetzel, Do, 9. Januar 2020)
Re[2]: Lasst es doch endlich mal ruhen... (FfF, Do, 9. Januar 2020)
Re: ahja (blablabla233, Mi, 8. Januar 2020)
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