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Thema: Gimp 2020: Rück- und Ausblick

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Von klopskind am Mi, 8. Januar 2020 um 22:05 #

Für mich ist das ein Nebenschauplatz, da ich an dem Wort an sich nicht besonders hänge (wenn ich auch keine bessere Alternative kenne). Die Sache ist die: Es gibt ein paar Leute, die sich furchtbar darüber aufregen - und das sind gerne mal Weiße. Der Sinn hinter der Aufregung erschließt sich mir aber nicht richtig.
Es geht doch im Wesentlichen um die Ansichten der (mutmaßlich) Betroffenen, jedenfalls sollte es das.

Aufregen ist wieder so ein Wort. Ja, da gibt's bestimmt welche, die das gemacht haben. Dabei unterschlagen Sie all' jene, die ganz sauber und sachlich korrekt argumentieren.

Meine Großeltern haben ihr Leben lang dieses Wort benutzt und haben keine besonderen Vorbehalte damit verbunden. [...]
Ja, meine auch. Sie sind aber auch in einer anderen Zeit aufgewachsen. Dafür allein kann man sie natürlich nicht kritisieren. Väterlicherseits waren die 1945 waren die gerade keine 10 Jahre alt. Der Großvater mütterlicherseits hatte auch mitgekämpft und überlebt, aber sehr selten darüber gesprochen. Der wollte das hinter sich lassen.

Man kann ältere Generationen nicht pauschal dafür kritisieren. Diejenigen, die alt genug gewesen wären, wählen durften, und es besser hätten wissen müssen und tatsächlich Widerstand hätten leisten können, könnte man mMn hingegen schon kritisieren, aber nicht notwendigerweise verteufeln. Nur leben davon kaum noch welche.

Allerdings, und das ist hier das entscheidende, ist das alles kein Argument für die unkritische Weiterverwendung des Begriffs. Er ist ein negativ konnotierter Begriff, der symbolisch für Kolonialismus, Sklaverei und Rassentrennung steht.
Zum Davidstern sagt auch keiner mehr "Judenstern", außer eventuell um das Ausmaß der Verfolgung im Kontext einer historisch korrekten Aufklärung hervorzuheben. Er ist ein Symbol des Holocaust. Und soweit ich weiß, lehen Juden, insbesondere noch lebende jüdische Opfer des NS-Regimes, diese Bezeichnung ab.

Wenn man mit Rechtsaußen spricht, habe ich eher den Eindruck, als würde man dort noch einen draufsatteln wollen, [...]
Klingt ganz so, als ob Sie sich ab und an ganz nett mit Rechtsextremen unterhalten. Dann sollte Sie sich im deutschsprachigen Raum auch über einen Herrn Höcke bereits ein Urteil gefällt haben. Oder wird der in diesen Gesprächen nie so richtig thematisiert? Der ist derzeit vermutlicher der Hoffnungsträger sehr vieler Rechtsextremer. Schon komisch...

Wir sollten hier aber nicht über Wörter, sondern über Einstellungen sprechen. Denn die bestimmen maßgeblich mit, wie man das Wort betont. Neutral ausgesprochen habe ich damit jedenfalls absolut kein Problem, bin aber offen für andere Bezeichnungen (so sie denn stimmig sind).
Mit Wörter bilden wir die Sprache, und Sprache denkt. Die Sprache ist kein emotional steriles Gebilde. Sie sagt viel über, diejenigen aus, die sie verwenden - oftmals mehr, als ihnen bewusst oder lieb ist. Und das ist okay. Man kann es nicht an einzelenen Wörtern festmachen, an Phrasen schon eher. Aber daran muss man sich dann auch messen lassen dürfen.

Egal, was Sie sagen oder schreiben: Kommunikation hat auch immer einen Empfänger, wenn sie nicht zwecklos ist. Und jeder Empfänger muss interpretieren. Dabei geschehen natürlicherweise Missverständnisse, außer es handelt sich um eine formale Sprache und korrekte Automaten, die den Algorithmus der Interpretationvollständigen Analyse ausführen. Es ergeben sich Deutungsunterschiede. Solange sich alle Kommunikationsteilnehmer derer bewusst sind, ist der eintscheidenste Teil bereits getan. Dafür muss man aber noch mehr kommunizieren und selbst dann wird es nicht perfekt. Wichtig ist, dass man überhaupt sinnvoll kommuniziert und nicht damit aufhört.
In diesem Sinne sollten wir auch über Wörter - oder besser Phrasen - sprechen, denn diese benutzen Menschen neben ihrer Handlungen zur Kommunikation ihrer Einstellungen. Andere Kanäle oder Ebenen bleiben da nicht übrig.

Die aneinander gereihten Wörter, die man äußert, sind Handlungen. Sie drücken die Gedanken, Beweggründe und Einstellungen aus. Und an diesen muss man sich messen lassen, denn erst daraus leiten sich für einen außenstehende Einstellungen ab. Etwas anderes bleibt gar nicht übrig.
Sie kehren das hier um, und starten von der Einstellung einer Person, die Dritte ja in der Regel nicht kennen (können), ohne zuvor Worte gewechselt zu haben, und erwarten dann, dass diese die Wörter jener Person bzw. deren eigentlich beabsichtigte Bedeutungen erkennen sollten. Das wirkt irgendwie verkehrt herum, finden Sie nicht?

Und wer bestimmt eigentlich, was neutral ist? Sie implizieren an dieser Stelle, dass Sie als Instanz dafür infrage kämen. Das ist ziemlich kurzgefasst. Da kann schließlich jeder kommen. Wie sollte das je funktionieren? Sollten das nicht vor Allem die jeweils Betroffenen in Anspruch nehmen dürfen, wenn etwas begründbar als nicht neutral erachtet wird?

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