Login
Newsletter
Werbung

Thema: Gimp 2020: Rück- und Ausblick

1 Kommentar(e) || Alle anzeigen ||  RSS || Kommentieren
Kommentare von Lesern spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.
0
Von kraileth am Fr, 10. Januar 2020 um 07:15 #

Vielen herzlichen Dank erstmal für die Arbeit, die Sie insbesondere in diesen, aber auch die anderen Kommentare gesteckt haben! Davor ziehe ich uneingeschränkt meinen Hut. Leider bin ich gestern Abend mit Schreiben nicht ganz fertiggeworden, so daß ich den Beitrag erst jetzt abschicken kann.

Zum Inhalt: Die eine oder andere Formulierung meines Kommentars mag wenig hilfreich gewesen sein, dem stimme ich zu - das Thema geistige Freiheit ist mir relativ wichtig und ich war gestern etwas weniger entspannt, als ich es gewöhnlich bin. Die Kernaussagen kann ich aber selbstverstänlich weiter vertreten.

1. Man müßte in der Tat zuerst über die Freiheit reden. Hier weise ich meist darauf hin, daß man sinnvollerweise zwischen positiver und negativer Freiheit spricht (also der Freiheit, etwas zu tun und der Abwesenheit von Zwang, z.B. Steuern zu zahlen), denn ich habe festgestellt, daß doch einige Leute einen recht schwammigen Freiheitsbegriff haben. Die erste Frage, die ich meinem Gegenüber dann üblicherweise stelle, ist die nach einer Einschätzung der Freiheit innerhalb des derzeit herrschenden Systems. An der Antwort kann man ganz gut erkennen, wo der- oder diejenige gedanklich steht. Um selbst die Hosen runterzulassen: Aus meiner Sicht haben wir eine sehr weitgehende theoretische Freiheit - um die praktische kann es aber, je nach Haltung, ziemlich schlecht bestellt sein. Die Mechanismen, welche gegen diese wirken, sind zumeist „soft“, aber dadurch nicht weniger wirksam.

Wer mit dem Strom schwimmt, der kann innerhalb ziemlich weiter Grenzen nahezu machen, was er oder sie will. Wer andere Überzeugungen hat, der muß scharf aufpassen. Wenn du mit abweichenden Ansichten politisch in Erscheinung trittst, dann fällt irgendeinem CDUler ein, daß du vor 20 Jahren einen Artikel in der Konkret des kürzlich verstorbenen Herrn Gremliza veröffentlicht hast. Damit bist du eine Rote Socke, ganz egal, was du inzwischen für eine Entwicklung durchgemacht hast. Oder umgekehrt erinnert sich ein inzwischen in die SPD eingetretener ehemaliger Saufkumpane daran, daß du mal, als 15-Jähriger nach einer langen Nacht geäußert hast, der Reichsadler „sähe schon irgendwie geil aus“ - und wieder hast du einen Stempel weg.

Ich habe während meines Studiums eine Arbeit über den Ersten Weltkrieg eingereicht, und weil ich Spaß am Quellenstudium hatte, konnte ich da einiges ausgraben. Mir wurde damals mitgeteilt, das sei soweit alles richtig und ordentlich gearbeitet, aber ich möge mir doch überlegen, ob es vorteilhaft sei, es so zu schreiben. Daß dies ein wohlmeinender Ratschlag war, macht die Sache in Bezug auf die Akademische Freiheit nicht eben besser. Gut, manchmal brauchen Dinge ihre Zeit. Seit der Veröffentlichung von Clark wäre mein damaliger Schrieb kein Problem mehr. Zu seiner Zeit verstieß er aber gegen die vorgegebene Linie und wäre potentiell ein „Karrierehindernis“ gewesen.

Abschließend (um nicht vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen, auch wenn man das eigentlich müßte), noch meine Einschätzung zu des Deutschen liebstem Kind, der „Meinungsfreiheit“. Selbstverständlich gilt sie hier vollumfänglich. Meinen kann jeder, was er oder sie will, solange dabei die Klappe gehalten wird. Im Englischen hat man einen viel besseren Begriff dafür: Denn die „Freedom of speech“, wie sie in der Charta der Vereinten Nationen steht, ist eine Meinungsäußerungsfreiheit. Dieses Wort müßte man Politikern, Journalisten und allen anderen, welche die gepriesene „Meinungsfreiheit“ so demonstrativ hochhalten, immer wieder unter die Nase reiben.

2. Diskriminierung als Unterscheidung und gleichzeitig Herabwürdigung akzeptiere ich nicht und bin bereit, dafür auch immer wieder gegen Mauern zu rennen. Es sind dies zwei ganz verschiedene Dinge und während ich letzteres ablehne, befürworte ich ersteres stark. Da ich mich für mehr Unterscheidungsvermögen einsetze und die Wortbedeutung nicht allein in die Richtung abgleiten lassen möchte, in der es derzeit Schlagseite hat, spreche ich positiv von Diskriminierung.

Mit Gewalt hat das wenig zu tun. Ich kann diverse anarchistische Ansätze verstehen, teile aber deren Schlussfolgerungen nicht. Mir ist die individuelle Entfaltung ziemlich wichtig, aber der Fortschritt der Einzelwesens prägt natürlich die Gesellschaft und es wäre Unsinn, letztere als Möglichkeit ausschließen zu wollen, ihrerseits dem Einzelwesen beim geistigen, aber auch sittlich-moralischen Wachstum zu helfen. Insofern bin ich mehr als dafür, daß es Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen und die ihren Niederschlag im Strafrecht finden. Was ich ablehne, sind Gesetze, die eine Einstellung unter Strafe stellen. Aus Sicht erzkonservativer Spießer (ja, es gibt Leute, für die sich meine Achtung in Grenzen hält - aber ich gebe mir Mühe!) ist es verstänlich, „die Roten“ aus dem Bildungssektor fernhalten zu wollen und etwa Berufsverbote für linke Lehrer durchzudrücken. Das lehne ich entschieden ab. Auf der anderen Seite halte ich es für falsch, wenn „Haßverbrechen” oder „Menschenfeindlichkeit“ rechtlich eine Rolle spielen sollen. Das sind ideologische Winkelzüge, die über die Frage der Deutungshoheit über diese Begrifflichkeiten hinaus ein Zeichen politischer Willkür darstellen.

Natürlich ändert sich Sprache und vieles davon geschieht ohne irgendeine Lenkung. Wenn heute der Nachbarsjunge erzählt, daß er einen „ganz tollen Hund“ zum Geburtstag bekommen hat, würde sich der Deutsche vor hundert Jahren gefragt haben, wie um Gottes Willen man so ein Tier in die Nähe eines Kindes lassen kann. Denn zwischen „großartig“ und „tollwütig“ ist eben doch ein gewisser Unterschied! Dagegen ist auch nichts einzuwenden (außer vielleicht, daß viel zu viele Menschen heute schon für Texte, die noch gar nicht so alt sind, kein Verständnis mehr haben). Aber dann gibt es da die anderen Fälle, in denen aus politischen Motiven und Erwägungen etwas umgedeutet wird. Beglückwünschen zu ihrem Erfolg kann man hier z.B. die Menschen, die es geschafft haben, durch beharrliche Selbstbezeichnung schwul von einem Schimpf zu einer neutralen Beschreibung zu machen. Das war ein offensiv geführter Kampf, dem ich meine Achtung nicht versagen will. Etwas anderes sind unterschwellige Veränderungen durch Framing, psychologische Tricks oder dem versuchten Bann. Da widersetze ich mich aus Prinzip. Stellvertretend für die Menschen, die nicht die Zeit haben, über Sprache nachzudenken und darum den Umfälschern auf den Leim gehen und auch stellvertretend für jene, welche aus beruflichen Erwägungen heraus Kröten schlucken müssen, um die Zukunft ihrer Familien nicht zu gefährden.

3. Teilnehmer und Vortänzer in dem angesprochenen Spiel zu benennen ist grob für die erste Menge Menschen (wir alle) recht einfach und für die zweite vielleicht auch noch machbar (Medienleute, Berühmtheiten, Autoren, Politiker, ...). Wenn es um die Strippenzieher geht, wird des natürlich erheblich schwieriger. Von Gesprächen mit Menschen aus der zweiten Kategorie weiß ich, daß es ganz überwiegend keine direkten Anweisungen gibt (die „Springer“-Klauseln, nach denen sich ein Mitarbeiter u.a. zur Israelfreundschaft verpflichtet, dürften eher die Ausnahme als die Regel sein). Trotzdem weiß jeder grundsätzlich, „was von ihm erwartet wird“ und „wie weit man gehen darf“. Was das genau heißt, unterscheidet sich in der Tendenz je nach Arbeitgeber - wer für SPON berichtet, stellt die Sache anders dar, als der Mitarbeiter von RT-Deutsch. Dennoch wissen beide, wo sie im Zweifel ihren Strich zu ziehen haben, da sie sonst gesellschaftlich „weg-vom-Fenster“ wären - Wahrheit hin oder her.

Entsprechend gehe ich nicht davon aus, daß irgendwo ein Hochgradfreimaurer vom Thron herab diktiert, was erlaubt ist, und was nicht. Auch glaube ich nicht, daß es die offizielle Politik ist, welche hier „bestimmt“. Sie setzt sicherlich wichtige Eckpunkte, hat aber keinen absoluten Einfluß. Mir sieht es eher so aus, als ob die Sache durch das Geld geregelt würde. Wer genug davon hat, der kann auch mal Breitbart unterstützen und ist deswegen noch nicht erledigt. Die Agenda, welche die Reichsten der Reichen haben, wird nach unten hin vertreten. Dafür spricht geschichtlich, daß die deutschen Wirtschaftsmagnaten nach dem Zweiten Weltkrieg ziemlich deutlich auf den Füßen gelandet sind, ungeachtet ihrer teilweise ziemlich tiefen Verstrickungen in Zwangsarbeit, Enteignungen, usw. Dafür spricht aus meiner Sicht auch, daß die prinzipiell amerikahörige Bundesrepublik (trotz unserer vorgeblichen Werte sind wir nicht für den Bann von Atomwaffen, weil es der große Bruder nicht will) bei Wirtschaftsthemen (North Stream II, Entwicklungsbank, ...) dann doch ganz schnell man im Lager von Rußland oder China ist. Kurz: Verborgene Macht - ja. Aber „verborgen“ in der Offensichtlichkeit: Das Geld.

Hinsichtlich der Lehrer: Da bin ich voll und ganz bei Ihnen. Ich bin selbst in die freie Wirtschaft geflüchtet, weil ich mich an der Formung von Kindern zu verwendbarem Menschenmaterial für die Wirtschaft nicht schuldig machen wollte.

4. Falschbedeutung und Doppelmoral: Hier kann ich nicht folgen. Die Wortherkunft von „Diskriminieren“ ist, denke ich, unstrittig („ein-” oder „aufteilen“ - also eine Unterscheidung vornehmen). Wann sich das „abwertend“ eingeschlichen hat, kann ich nicht sagen. Aber es ist nicht nur nicht die Ursprungsbedeutung, sondern läßt durch Überblendung eine Notwendigkeit des freien Denkens, schlecht dastehen. Wenn ich sage: „Ein Esel ist kein Pferd.“, dann diskriminiere ich, denn ich treffe eine Unterscheidung. Ich kann auch nicht „jemanden“ diskriminieren, denn zum Unterscheiden gehören zwei Gegenstände. Eine der ärgerlichsten Nebenwirkungen der Gegenstandsverringerung auf einen, ist, daß das Verhältnis, die gesellschaftliche Hierarchie ausgeblendet wird. So, wie es heute Gang und Gäbe ist, kann sich jeder einfach „diskriminiert“ fühlen. Das finden dann alle ganz ärgerlich und den „Diskriminierenden“ irgendwie blöd. Und dann? Dann bekommt letzterer vielleicht einige Unannehmlichkeiten und die Sache ist erledigt.

Ich könnte mich auch furchtbar angefaßt fühlen, wenn jemand über Deutsche mit Migrationshintergrund lästert. Hilfe, ich werde diskriminiert! Oder vielleicht glauben Sie nicht an Christus und thematisieren die Blutspur, welche die Christenheit durch die Geschichte hinterlassen hat? Skandal, Diskriminierung! Ich wurde immerhin katholisch erzogen. Solche Aufregorgien haben keinen praktischen Nutzen. Aus meiner Sicht schaden sie im Gegenteil sogar. Man könnte so interessant miteinander ins Gespräch kommen, wenn da nicht diese „ich arme, diskriminierte Minderheit, ich“-Haltung wäre! Ich bin durch die als Kind erfolgte unverlierbare Taufe Teil der Katholischen Kirche (anders als manche denken, kann man nicht „austreten“ - das gilt nur für die durch den Staat besorgte Kirchensteuer. Ein Apostat lebt nur im Stand der Sünde, ist aber weiterhin Glied der Kirche). Der Gott der Bibel verheißt Homosexuellen die Hölle. Wenn ich diese Glaubenslehre vertrete (und als religiöser Mensch eine geschützte Minderheit bin), was passiert, wenn ich deswegen eine andere geschützte Minderheit (sexuelle Orientierung) „diskriminieren“ muß? Der Homosexuelle wird finden, daß sein Lebensweg wichtiger ist, als zweitausendjähriger Muff. Der Christ macht geltend, daß stets Gottes Wort mehr zu gehorchen sei, als der Menschen Wort. Auflösung des Konfliktfalles? Ich weiß keine. Aber über solche Dinge spricht man ja auch nicht, sondern man kaschiert Probleme, indem man einfach die „Diskriminierung“ untersagt...

„AfD“ und „reaktionär“ sind zwei Begriffe, mit denen unzweifelhaft eine Stigmatisierung verbunden ist und durch deren Verwendung man vermintes Gelände schafft, auf das sich dann gar nicht so wenige Menschen entweder nicht mehr trauen oder mit einer wegwerfenden Handbewegung das Interesse verlieren. Was nicht heißt, daß man die Worte nicht verwenden darf! Ich halte sie für unangebracht und stelle dar, was dadurch, daß sie immer wieder so benutzt werden, passiert. Die Urheber sind frei, damit fortzufahren (denn ihnen drängt sich die Verbindung offenbar auf). Was die genannte Partei angeht, bewerte ich sie hinsichtlich des von Ihnen angesprochenen Sachverhaltes sogar positiv: Sie sorgt für einigen Wirbel, bricht einen vormals ziemlich eingerosteten Politikbetrieb wieder auf und hat tatsächlich bereits die Grenzen des „Sagbaren“ verschoben. Ich würde gutfinden, wenn dazu noch eine linke Kraft deutlich mehr Gewicht bekäme. Der MLPD etwa traue ich zu, mit ihren Positionen den Betrieb in ähnlicher Weise aufzumischen (und die Debatten würden vielleicht sogar spannender, da hier das aufgebaute Feindbild „Rechts“, mit dem man viel schon von vornherein abschmettert, nicht greift und das Feindbild „Links“ gesellschaftlich nicht mehr so präsent ist und erst wieder aufpoliert werden müßte). Das Reden darüber, ob die gegenwärtige Form denn wirklich das Höchste ist, was wir als Menschen erreichen können, muß wahrlich nicht von Rechts kommen. Durch Wählerentscheid ist das aber zur Zeit so und ich versuche, dem des Beste abzugewinnen.

Sklaverei, Kinderarbeit, Benachteiligung von Frauen, usw. sind ja nur weitere Beispiele, welche negativen Auswüchse man mit der Diskriminierung verbindet. Ich stehe aber auf dem Punkt, daß diese damit wenig zu tun haben (ja, man muß unterscheiden können, um abwerten zu können, aber aus ersterem folgt nicht Letzteres).

5. Tatsächlich gehöre ich zu den Menschen, die sich nicht sehr daran stören, wenn andere über sie die Nase rümpfen. Neben einer „treulosen Roten Socke“, einem „üblen Trotzkisten“, „antideutschen Schmutzfinken“ und so weiter bin ich (jeweils in Teilzeit) auch „Krypto-Nazi“, „Klerikalfaschist“, „verkappter Monarchist“ und der gleichen mehr. Andere Stimmen bescheinigten mir „aufklärerischen Willen“ und „aufrechten Humanismus“, „Ideologiefreiheit“ oder eine „libertäre Grundhaltung“. Über die Jahre kommt da was zusammen, wenn man bemüht ist, immer mal wieder Gegenpositionen einzuwerfen.

Das geht, weil ich bereits eine Partnerin gefunden habe, die damit kann, wirtschaftlich unabhängig bin und eine Familie hinter mir weiß, die - neben einem gelegentlichen Seufzen oder Kopfschütteln - zu mir hält. Eine solche Situation ist jedoch Luxus. Es mit Marx zu halten (de omnibus dubitandum) und an allem erstmal zu zweifeln, ist - je nachdem, was man mit seinem Leben vorhat - nichts, was ich pauschal weiterempfehlen würde.

Warum nun aber Wahr-Sprechen, also „die Wahrheit sagen“, irgendwie nebulös ist, verstehe ich nicht ganz. Ich hätte eher gesagt, daß es nicht viel konkreter geht. Worum es mir aber ging: Um die Wahrheit erfassen zu können, ist bereits Unterscheidungsvermögen notwendig - eben um sie von Unwahrheit zu scheiden. Kinder eines gewissen Alters etwa können noch gar nicht lügen. Wenn sie eine Antwort geben, die aus Erwachsenensicht „gelogen“ ist, liegt das daran, daß sie nicht eigentlich Auskunft geben, sondern überlegen, was der Erwachsene wohl hören möchte. Und zu dieser früher Stufe entwickeln sich, fürchte ich, manche Menschen teilweise zurück. Es ist in der Schule „besser“ (weil: Wird belohnt), die Antwort zu geben, die der Lehrer hören möchte. Es ist aus dem gleichen Grund „besser“, dem Chef nach dem Mund zu reden, dem „Beitragsservice“ seine Schweinereien durchgehen zu lassen, ohne sich zu wehren, usw.

Aber auch aus anderen Richtungen ist unser Verstand in Gefahr. Einfachstes Beispiel, das ich immer wieder bringe: Man frage eine beliebige Person, ob „alle Menschen gleich“ seien. Die Wahrscheinlichkeit, dies bejaht zu bekommen, ist recht hoch. Nun fragt man die selbe Person, ob es stimmt, daß „alle Menschen verschieden“ seien - und erntet wahrscheinlich wieder Zustimmung. Hier ist durch sprachliche Ungenauigkeit völlig unnötig eine logische Widersinnigkeit entstanden. Ja, natürlich ist gemeint, alle Menschen sein (in irgendeinem Kontext) gleichwertig. Aber dann kann man das doch auch sagen!

Mit Schrecken denke ich noch heute an ein Einführungsseminar zurück, in dem die Grundlagen der Philosophie vermittelt werden sollten. Da hat man nur Menschen mit allgemeiner Hochschulreife um sich herum, und dann sind darunter so viele, die gefühlt gar nicht wissen, wie man logisch denkt, wie man die einfachsten Schlüsse zieht! Offenbar, weil sie so weit gekommen sind, indem sie geistig immer nur auf ausgetretenen Pfaden gewandelt sind, nur nach-gedacht haben, was andere vordachten. Das ist dermaßen bitter, wenn man daran denkt, welche Anlagen wir Menschen einfach haben, wie hoch staunenswert manche schon in frühesten Zeiten gedacht haben - und was wir heute allzuoft leisten... Ich möchte heute noch schreiend rauslaufen, wenn ich daran denke, wie diese Leute sich dann noch mit dem Dozenten gestritten haben, während alle anderen, die es entweder trivial fanden oder bei denen es dann dock „klick“ gemacht hatte, die Augen verdrehten.

Das ist es, worauf ich hinaus will: Mir ist relativ gleich, wo jemand weltanschaulich steht oder ob diese Person mit mir einer Meinung ist. Aber das geistige Elend, in das wir uns in unserem Bildungsbetrieb hineingewurstelt haben, stinkt zum Himmel! Und mit ideologisch motivierten Sprachdeuteleien kommen wir aus meiner Sicht nur immer tiefer in den Misthaufen, aber sicher nicht hinaus.

6. Hautfarbe usw. tun eigentlich nichts zur Sache, sind aber ein so offensichtliches Unterscheidungsmerkmal von Menschengruppen, daß sie sich irgendwie aufdrängen. Außerdem ist mir daran gelegen, daß über solche „aufgeladenen“ Themen ganz normal und ruhig gesprochen werden kann. Hier wäre es meiner Ansicht nach gut, etwas „Druck“ aus der Nummer zu nehmen.

Der Einwand mit den Albinos ist absolut berechtigt, aber ich denke, es ist klar, womit ich mit meiner Vereinfachung hinauswollte. Ob ich meinen Standpunkt rechtfertigen kann? Natürlich. Ich bin Verfechter einer möglichst bewußten Wahrnehmung unserer Umwelt (zu der auch andere Wesen gehören). Um aber ein Gegenüber erfassen zu können, muß ich sein Äußeres, seine Handlungen, usw. in den Blick nehmen. Da wir relativ denkende Wesen sind und mit absoluten Werten nicht gut umgehen können (was nützt mir die Aussage, eine Sache koste 5.000 Kruflar, wenn ich weder den Umrechnungskurs kenne noch wüßte, was so ein Ding in einer mir vertrauten Währung üblicherweise kostet?), kann ich erst aus dem Vergleich Schlüsse ziehen. Und für einen solchen die die Unterscheidungsfähigkeit schon wieder unabdingbar, da ich nicht vergleichen kann, was ich nicht zu unterscheiden vermag.

Über die Duden-Definition müssen wir uns nicht steiten. Das Wort steht dort so, es wird allzuhäufig so gebraucht und ist, wie Sie richtig geschrieben haben, auch rechtlich inzwischen so verankert. Das heißt aber nicht, daß ich diese Tatsachen nicht falsch finden (und wie ich meine, mit vertretbaren Gründen) darf.

Es gibt Personen, welche „diskriminierende“ (im Sinne von herabwürdigend) Einstellungen sofort mit Rassismus verbinden und dann pauschal als „mörderisch“ verunglimpfen (das wäre z.B. die Richtung der Truppe um Frau Kahane). Diese Leute argumentieren unredlich, indem sie u.a. Listen mit ihrer Ansicht nach rassistisch motivierten Morden präsentieren und damit den „mörderischen“ Charakter belegen wollen. Gleichzeitig warnen sie davor, wie weit verbreitet der Rassismus in der Gesellschaft noch immer sei und blenden dabei aus, daß dann offenbar der absolute Großteil der Leute, die Gruppe XY nicht leiden können, es bei diesem Nicht-Mögen beläßt und niemanden umbringt.

Für mich ist eine rassistische Haltung eine Form der Unreife. Da ist sich eine Person des eigenen Selbst noch nicht sicher und hat noch nicht ausreichend Erfahrung mit dem Anderen gehabt. Nichts, worauf man irgendwie stolz sein könnte, aber etwas, das sich überwiegend im Laufe des Lebens verliert. Extreme Vertreter gibt es, aber die scheiden sich in der Regel einfach selbst von der geistigen Weiterentwicklung ab oder gehen als Dumpfbacke dem einen oder anderen auf den Geist. Die andere Richtung, die ich als gefährlicher brandmarke, hat hingegen das Potential, einen bereits entwickelten Verstand zu verbiegen und wieder zu verschütten. Wir kennen solche geistigen Gewalttaten z.B. aus den Untiefen des Jesuitismus. Von Loyola forderte beispielsweise die selektive Verstandesvernichtung.

Der Jesuit beispielsweise, um ein krasses Beispiel zu bemühen, sollte einerseits einen klaren Verstand besitzen, um die Gegner überflügeln zu können, gleichzeitig solle er sich selbst als Werkzeug, als Toten ohne eigenen Willen begreifen, als das perfekte Werkzeug, geführt von seinem Oberen („Wenn du etwas siehst und es ist schwarz, aber dein Oberer sagt dir, es ist weiß, dann sei es dir weiß!“). Mit weiteren Mitteln wie der „Mental-Restriktion“ (ich darf als Christ nicht lügen, aber wenn ich gewisse Dinge ausblende und weglasse oder einen Satz, den ich sage, abbreche und nur in Gedanken vervollständige, dann lüge ich nicht!) dreht sich einem als halbwegs normaler Mensch der Magen um. Solche Formen der Niedertracht sind alles andere als neu. Die meisten Leute haben damals nicht verstanden, womit sie es zu tun hatten und die meisten verstehen heute wieder nicht, was da passiert. Es mag einigen alarmistisch vorkommen, aber ich wende mich aus guten Gründen gegen solche verstandesverbiegenden Tendenzen. Denn wer sich einmal damit befaßt hat, wie viele Sekten funktionieren, der wird erschrecken, wie viel von den ausgeklügelten Mechanismen wir heute in Ansätzen oder leicht verändert in der Gesamtgesellschaft wirksam vorfinden...

7. Aus meiner Sicht gibt es ein Spektrum hinsichtlich der Haltung zu diesem Thema, und ja, der einfachheit halber würde ich es eindimensional zeichnen - wobei es dann viele Personen gibt, die auf dieser Achse gar nicht vertreten sind (also weder selbst rassistische Positionen in welcher Abstufung auch immer vertreten, noch die Sprache umkrempeln wollen, damit solche Dinge vermeintlich verschwänden).

Zur Frage, ob ich mich als Extremist sehe: Nein. Dieses Wort ist ebenfalls schwierig; Wahrheit und Lüge/Irrtum wären auf den ersten Blick zwei Extrempunkte, womit man einen strikten Wahrheitssucher als Extremisten verstehen müßte. Hier zeigt sich aber das Problem, wenn man nach der Spannweite dazwischen fragt. Was ist diese? „Teilwahrheit“? Dieser Pleonasmus bringt uns nicht weiter, da eine mit Lüge/Irrtum vermengte Wahrheit nicht länger Wahrheit sein kann. Wir haben also einen reinen Dualismus, zwei ausschließliche Punkte ohne Raum dazwischen. Damit würde ich auch nicht mehr von Extrempunkten sprechen wollen, da sie ja nicht mehr „zu äußerst“ sind, sondern einzig.

Hier hilft aus meiner Sicht, wenn man ein häufig gleichbedeutend verwendetes Wort hinzuzieht: „Radikal“. Dieses läßt sich, wenn man möchte, als „verwurzelt“ übersetzen und trifft die Sache durch das Wurzelbild eigentlich ganz schön. Ein Mensch mit „radikalen“ Positionen ist nicht oberflächlich mit einer Sache befaßt gewesen, sondern tiefer eingedrungen. Ich würde daher sagen, daß ein „Extremist“ ein Mensch ist, der „bis zum Äußersten“ gehen würde, also im Zweifel zum Gewehr greift. Der Extremist ist wahrscheinlich ein Radikaler, muß es aber nicht. Hingegen gibt es nicht wenige Radikale, die nicht extremistisch sind.

8. Mir „wir“ meine ich zumeist die Gesellschaft, als deren Teil ich mich sehe. Das von mir angesprochene Neusprech entsteht, wenn politische Leitlinien zum Sprachgebrauch aufgestellt werden. Man mag es erstmal kaum glauben, aber bei der letzten Rechtschreibreform spielten tatsächlich Erwägungen eine Rolle, nach denen die alten Regeln „Herrschaftsinstrument“ bestimmter Gruppen gewesen seien. Wenn man sich damit ein wenig beschäftigt, fällt man aber ganz schnell ins Bodenlose.

Wenn man sich Mechanismen wie z.B. das „Unwort des Jahres“ ansieht, dann liegt es nicht fern, daß diese genutzt werden, um Debatten in unangenehme Richtungen zu ersticken oder zumindest zu erschweren. Das als ein Beispiel der Sprachlenkung ohne direkte Tabuisierung. Man kann solche Worte schon weiterhin benutzen - aber wer ein Unwort gebraucht, der ist doch nicht ernstzunehmen, oder?

Ich behaupte jetzt mal rotzfrech: Es gibt in der Bundesrepublik gar keinen öffentlichen Diskurs darüber, wo wir als Gesellschaft hinwollen. Das entscheiden vermeinliche oder tastächliche Eliten. Die Menschen auf der Straße gefragt, ob Deutschland Soldaten am Hindukusch haben sollte? Sie wären längst wieder zuhause. Die Frage, ob Deutschland Atomwaffen haben sollte (!) können wirklich nur Politiker und Journalisten stellen, dafür gäbe es in der Bevölkerung höchstens einen minimalen Rückhalt. Und wirklich geklärt ist hier auch noch nichts. Klar, als Privilegierter läßt es sich aushalten. Aber es leben noch immer Menschen aus dem einen oder anderen Grund auf der Straße. Es müssen ältere Damen aus ihrem Haus ausziehen, weil sie es mit ihrer Rente nur so eben halten können und kein Geld haben, im Winter die Gehwegräumung zu veranlassen. Kinder alleinerziehender Eltern stehen, was die gesellschaftliche Teilhabe angeht, mitunter weit abseits. Die Rate der Alphabetisierung geht zurück... Wir haben als Gesellschaft eine ganze Menge Probleme, die nicht davon verschwinden, daß es „uns so gut geht, wie noch nie“ und daß wir an der Sprache herumdeuteln. Da müßte mehr passieren... Die Umbenennung der Mohrenstraße ist mir dabei relativ wurst, auch wenn ich nochmal betonen würde, daß wir, wenn solche Kinkerlitzchen auf die Tagesordnung kommen, ja wohl keine wirklich wichtigen Probleme haben. Wie schön!

9. Doch, ich behaupte, daß es zur Schärfung beiträgt, wenn ich bewußt auf eine Bedeutung von Diskriminierung hinweise, welche für viele Leute aus dem Blick geraten zu sein scheint und welche überdies die ursprüngliche ist. Wie es vernebelnd wirken kann, wenn man sich bemüht, genau diesen wegzupusten, verstehe ich zugegebenermaßen nicht.

Den Vorwurf des Strohmann-Argumentes möchte ich so auch nicht stehenlassen. Es ist richtig, daß niemand hier etwas anderes behauptet hat. Meine Aussage zielte auch nicht auf eine hier geäußerte Behauptung ab, sondern sollte anreißen, aus welcher Richtung ich eine Verbesserung erwarte, bzw. was ich als Voraussetzung dafür sehe. Dazu habe ich erwähnt, wie nutzlos dafür der von mir kritisierte Ansatz wäre. Das sollte zulässig sein.

Wer mich zwingt, umgedeutete Wörter zu verwenden? Niemand, denn ich tue es nicht. Es gibt aber Menschen, die mich dazu nötigen wollen. Auch Sie legen es mir z.B. mit Verweis auf den Duden nahe. Das ist aber im Falle Diskriminierung gar nicht der Punkt. Mir geht es darum, daß hier ein Wort, das etwas Gutes, Nützliches und sehr Wesentliches beschreibt, umgedeutet wird - nicht etwa in etwas anderes Gutes, in etwas Neutrales oder in etwas Schlechtes, sondern gar in etwas Strafbewährtes. Es gab mal vor über einem Jahrzehnt, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, sogar ein im Netz verkündetes „Diskriminierungsgebot“. Als ich darauf stieß, freute ich mich und dachte „Mensch, die haben es genau begriffen“. Ich gestehe, daß dies aber vermutlich nicht nur nicht hilfreich war, sondern (so irgendjemand die einflußlose Truppe überhaupt wahrgenommen hat) eher geschadet haben wird. Denn es handelte sich dabei um das „Deutsche Kolleg”, damals mit Oberlärcher und Mahler... Aber man kann sich seine „Freunde“ nicht immer aussuchen.

10. International ist die Frage nach Namen nochmal deutlich schwieriger. Es gibt ein Auto mit dem vermeintlichen Kunstwort „Pajero“. Daß man damit ins Klo gegriffen hatte, wurde den Verantwortlichen erst bewußt, als die Statistik zeigte, daß es sich ganz ordentlich verkaufte - außer in Spanien. Denn dort wollte kaum jemand den „Mitsubishi Wichser” fahren... Auto für diesen Markt umbenannt - und gut.

Tatsächlich gibt es viele solcher Fälle. Um wieder ins Deutsche zu finden: Ich würde „a Fotz'n“ eher als Maulschelle wiedergeben, da die Fotze eigentlich den Mund bezeichnet(e). Aber ja, es sind viele soche Dinge, die „problematisch“ werden - einfach aus Unkenntnis. Der Nachname „Ficker“ wird von vielen als anstößig wahrgenommen, „Schwertfeger“ hingegen nicht. Dabei ist ursprünglich beides das Gleiche - Ficken ist das Ausführen einer stoßartigen Bewegung, was der Ficker/Schwertfeger teilweise tat, indem er neue Klingen drehte und in den Sand stieß, um sie zu reinigen. Als Kind hätte ich mir den Mund auswaschen dürfen, wenn ich „solche Wörter“ gesagt hätte. Heute weiß ich, daß sie als solche wenig problematisch sind und ihnen nur eine andere Bedeutung beigelegt wurde, die eben als zweifelhaft gilt.

Mir ist es tatsächlich auch selbst schon passiert, daß mir ein Probleleser eines Textes die Empfehlung gab, ich solle die Zeile „Seine Sorgen waren wie weggeblasen“ am besten ändern. Zugegebenermaßen dauerte es eine ganze, stirnrunzelnde Weile, bis mir der Grund dämmerte. In einer Fantasy- (!) Geschichte sah ich schlicht und einfach nicht den Kontext gegeben, um mir darum irgendwie Gedanken zu machen. Schließlich schreibe ich keine Erotica, und zwischen Orks und Zwergen - dachte ich - denkt man an andere Dinge. Aber nun ja, der Mensch ist ja lernfähig und die Formulierung nicht in Sein gemeißelt.

Insofern kann ich mir schon vorstellen, daß es tatsächlich Menschen gibt, die GIMP sehen und Schlechtes vor Augen haben. Ich behaupte aber, daß ist zum größeren Teil deren schlechtes Denken und nicht die Böswilligkeit der Entwickler freier Software. Entsprechend müßten sie etwas in ihrem Kopf ändern, nicht der Rest der Welt den Programmnamen.

Ich wünsche einen schönen Freitag!

(Die Editierung ist unwesentlich - ich habe nur einen Buchstaben geändert, da mir zufällig beim Zurückwechseln des Fensters ein Vertipper ins Auge stach.)

Pro-Linux
Traut euch!
Neue Nachrichten
Werbung