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Thema: Torvalds: Benutzt kein ZFS!

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Kommentare von Lesern spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.
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Von kraileth am Fr, 10. Januar 2020 um 13:20 #

Früher habe ich Herrn Torvalds als unangepaßten Freigeist wertgeschätzt, der technisch argumentierte und an anderen Dingen wenig bis gar nicht interessiert war. Seine Ausdrucksweise war bisweilen mehr als fragwürdig, aber das sieht man solchen Persönlichkeiten nunmal nach.

Was er sich hier aber geleistet hat, fällt aus meiner Sicht nicht mehr unter „knapp daneben“, sondern ziemlich weit ab vom Schuß. Wenn er Benchmarks bemüht, zeigt er, daß er nicht verstanden hat, welches Problem ZFS eigentlich löst. Ja, es ist nicht so schnell wie von mir aus XFS und wenn er gesagt hätte „Hey Leute, benutzt kein ZFS, wenn ihr extrem schnell Daten schreiben wollt, die euch nicht wichtig sind“, dann könnte ich ihm auch zustimmen.

Linux hat aber, was Dateisysteme angeht, ohnehin nie die beste Figur gemacht. Daß ein Spielzeug (das war der Kernel ja mal) ein Dateisystem schafft, das einem Beispielbetriebssystem (Ext ist vom Minix-Dateisystem... stark inspiriert), kann man ihm nicht vorwerfen. Ext2 war natürlich eine Verbesserung, aber schon zu seiner Zeit nichts, was sich mit anderen und teilweise sogar älteren Dateisystemen wie UFS/FFS messen konnte. Mit Ext3 und 4 hat man dann das Dateisystem wieder aufgebohrt, wenn der Schuh drückte. ZFS macht es anders und hat bereits beim Entwurf versucht, die Grenzen so zu stecken, daß wir sie in unserer Lebensspanne aller Voraussicht nach nicht mehr trefffen.

Mit ReiserFS hat das Linux-Umfeld einen mutigen Versuch hervorgebracht, den man anerkennen muß. Daß die zu frühe Adaption v.a. durch SuSE und die Taten des Schöpfers dem Dateisystem die weitere Verbreitung verbaut haben, kann man diesem zumindest nicht anlasten.

Daß ZFS „nicht mehr richtig gewartet werde” ist ja aber nun der Brüller schlechthin. Da hat der gute Herr Torvalds, wie mir scheint, nur mitbekommen, daß die Solaris-Weiterentwicklung bei Oracle mit „stiefmütterlich“ noch recht wohlwollend umschrieben ist. Es gibt aber OpenZFS, das nicht irgend ein halbgarer Versuch ist, verrottenden Code am Kompilieren zu halten. Mit Matt Ahrens ist einer der Väter von ZFS mit an Bord, Firmen wie Delphix, Datto aber auch z.B. Intel sind an der Weiterentwicklung von ZFS beteiligt. Es gibt regelmäßige (öffentliche) Videokonferenzen der Projektführung, neue Features werden geplant, umgesetzt und getestet. Und gerade kürzlich erst ist das Kunststück gelungen, ein vereintes Repo OpenZFS zu schaffen, das sowohl für Linux als auch für FreeBSD ist (und macOS, illumos, NetBSD und andere werden sich nach und nach anschließen). Die gleichberechtigte Koordination über Betriebssystemgrenzen hinweg ist eine Sternstunde von Open Source, das sei einmal gesagt!

Aber das alles mag an einem Kerneltitanen natürlich vorbeigehen. Wahrscheinlich geht Herr Torvalds davon aus, daß die Vorabpartitionierung von Datenträgern gottgegeben ist und schulterzuckend genauso hingenommen werden muß, wie andere Unzulänglichkeiten. Und wahrscheinlich fragt er sich auch, warum zum Geier so viele Leute so viel Aufhebens um ZFS machen - denn es ist doch nur ein (nicht einmal extrem performantes) Dateisystem!

Lieber Linus, mit der Frage, warum man es überhaupt benutzen wollen sollte, hast Du Dir keinen Gefallen getan... Einfach mal Anschauen hätte genügt, denn die Vorteile liegen so offensichtlich auf der Hand, daß einen die sehr naive Frage in diesem Fall wirklich unangenehm berührt.

Und überhaupt: Nicht ZFS steht hier abseits; hier stellt sich Linux abseits. Solche Entscheidungen aus einer Vormachtstellung heraus sind es aber, welche Alternativen die Möglichkeit geben, Boden gut zu machen. ZFS zu nutzen würde ich in fast jedem denkbaren Szenario deutlich empfehlen. Es mit Linux zu tun, wenn man es produktiv nutzen möchte, allerdings weniger.

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert. Zuletzt am 10. Jan 2020 um 13:52.
  • 1
    Von klopskind am Fr, 10. Januar 2020 um 14:55 #

    Am Anfang war Linux halt wie der wilde Westen. In gewisser Hinsicht ist es das in gemäßigterer Form heute noch. Da sind Entwicklungen wie MINIXfs -> ext2 -> ext3 -> ext4, die eher notdürftigen Hacks als vorausahnendem, sauberen und saklierbarem state-of-the-art-Design gleichen.

    Aber im Prinzip war Linux - inspiriert von MINIX, welches ein Microkerneldesign verfolgt - selbst nicht wirklich state-of-the-art - zumindest aus technischer Sicht. Wenigstens hatte Linus dafür einen Grund: Er hatte ein Intuition, dass eine Voraussetzung, damit Linux an Fahrt gewinnt und sich erfolgreich entwicklt, auf möglichst weit verbreitetes, bestehendes Wissen und Können in der weltweiten Entwicklergemeinde setzen. Microkernelarchitektur wurde zwar mancherorts studiert oder gar praktiziert, aber die Communities deren Erfolge waren zu klein.

    Daß die zu frühe Adaption v.a. durch SuSE und die Taten des Schöpfers dem Dateisystem die weitere Verbreitung verbaut haben, kann man diesem zumindest nicht anlasten.
    Adoption, oder?


    Dem Rest Ihres Kommentars kann ich uneingeschränkt zustimmen. Linus hat mMn auch immer mal wieder bewiesen, dass er auf der Grundlage schwacher Argumente, welche teils ein naives Halbwissen suggerierten, die Kryptographie- und Sicherheits-Communities nicht so richtig ernst nahm, Teilen davon unnötig vor den Kopf stieß, und sich häufig über diese hinwegsetzte.
    Meines Wissens nach lehnt er (und Greg Kroah-Hartman) bis heute die Unterscheidung von Fehlern in Sicherheitslücken und rein funktionale Fehler prinzipiell ab ("a bug is a bug" / "masturbating monkeys" / ""). Dafür wird er auch bis heute kritisiert - mMn zu recht (im Kern).

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      Von schmidicom am Fr, 10. Januar 2020 um 15:53 #

      Meines Wissens nach lehnt er (und Greg Kroah-Hartman) bis heute die Unterscheidung von Fehlern in Sicherheitslücken und rein funktionale Fehler prinzipiell ab ("a bug is a bug" / "masturbating monkeys" / ""). Dafür wird er auch bis heute kritisiert - mMn zu recht (im Kern).
      Ich kann mir schon denken warum manche so etwas ablehnen.
      Es gibt immer wieder Projekte die dazu neigen weniger wichtige Bugs (also so lange sie zum Beispiel kein Sicherheitsproblem sind) wie eine Welle vor sich herzuschieben und diese Welle im Laufe der Zeit immer grösser werden zu lassen.

      • 1
        Von klopskind am Fr, 10. Januar 2020 um 16:38 #

        Ja, das wäre das andere Extrem. Es ist schlecht, wenn man sagt, dass es gute und schlechte Bugs gäbe. Wenn sich die Behebung einer bestimmten Art von Bugs irgendwie besonders lohnen würde (nicht fürs Projekt, sondern für die behebende Person), dann erhält man schnell andere Probleme.
        Davon spreche ich hier aber nicht.

        Die Bugs aber nach objektiven Charakteristiken zu klassifizieren und ggf. einem gesonderten Auflösungsprozess zu unterwerfen hat allerdings schon Vorteile, auch für den Anwender/Administrator. Der kann dann nämlich deutlich besser abschätzen, ob sich ein Minor-Upgrade - und die erscheinen manchmal mehrmals wöchentlich - tatsächlich lohnt. Von GKH hört man da häufig nur "All users of the [x.y] kernel series must upgrade." Das ist wenig hilfreich. Welche Lücke wurde geschlossen? Benutze ich diese Feature überhaupt? Ist die Option aktiviert? Bin ich tatsächlich angreifbar? Muss ich wirklich aktualisieren?

        Dass andere Prozesse nötig sind, hat Linus hoffentlich endlich mit dem Meltdown-Spectre-Fiasko mit Intel realisiert. In einige Interviews konnte man das jedenfalls heraushören, dass ihm da Änderungen vorschweben.

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    Von FSler am Fr, 10. Januar 2020 um 23:07 #

    Danke! man liest selten so gute Kommentare, wie deinen :up:

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    Von blablabla233 am Sa, 11. Januar 2020 um 14:27 #

    Danke fuer den Kommentar, sehe es genauso wie Du.
    Linus sagt von sich selber er sei kein Operator, und dass sieht man auch perfekt an seiner Aussage.

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    Von pointer am Mo, 13. Januar 2020 um 10:58 #

    Der gute Herr wird alt...

    Was hat all das mit dem Alter von Torvalds zu tun? Der Verweis auf das Alter ist lächerlich und latent diskriminierend. Was kommt als Nächstes, die Exhumierung von "Trau keinem über 30!"?

    Lieber Linus, mit der Frage, warum man es überhaupt benutzen wollen sollte, hast Du Dir keinen Gefallen getan... Einfach mal Anschauen hätte genügt, denn die Vorteile liegen so offensichtlich auf der Hand, daß einen die sehr naive Frage in diesem Fall wirklich unangenehm berührt.

    Es ist unwahrscheinlich, dass T. hier mitliest. Falls Du Mumm hast: Seine Email-Adresse findest Du in der Maintainerliste der Kernelquellen.

    Und überhaupt: Nicht ZFS steht hier abseits; hier stellt sich Linux abseits. Solche Entscheidungen aus einer Vormachtstellung heraus sind es aber, welche Alternativen die Möglichkeit geben, Boden gut zu machen.

    -> https://www.realworldtech.com/forum/?threadid=189711&curpostid=189959

    Die Aufnahme von ZFS in den Kernel wäre aufgrund der Lizenz- und Patentunsicherheiten auch aus meiner Sicht nicht zu verantworten.

    Aber es steht ja allen, die die Aufnahme von ZFS in den Kernel fordern, frei, eine Petition an Oracle/Ellison zu richten. Oder die Konsequenzen eines verlorenen Rechtsstreits zu übernehmen.

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