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Thema: »Windows Subsystem for Linux 2« unterstützt GUI-Anwendungen

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Von Xyla am Do, 21. Mai 2020 um 21:01 #

allgemein der Öffnung für eine massive Kommerzialisierung sind mehr als Ungesund.

Das gilt für DingensBSD selbstredend nicht? Netflix z.B. (Umsatz 2019: 20,16 Milliarden US-Dollar) spendet nur an DingensBSD, weil sie sooo ein gutes Herz haben, nicht wahr? ;)

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    Von kraileth am Do, 21. Mai 2020 um 22:55 #

    *seufz* Du kennst das mit den Äpfeln und Birnen? Ich unterstelle Dir jetzt einfach mal guten Willen - denn den wirst Du brauchen, wenn Du Dich zu dem Thema etwas belesen willst, um den Unterschied zu verstehen. Wenn nicht, dann verschwende ich hier meine Zeit.

    Linux und FreeBSD werden völlig unterschiedlich geführt: Einmal haben wir im Prinzip das BDFL-Modell, bei dem hier der Gründer die letzte Entscheidungsinstanz ist und zum anderen haben wir ein regelmäßig durch demokratische Wahlen von den Stimmberechtigten (=der beitragenden Programmierer, Port-Betreuer und Dokumentationseditoren) neu besetztes „Core Team“.

    Dann haben wir auf der einen Seite die „Linux Foundation“ und auf der anderen die „FreeBSD Foundation“. Erstere bezahlt Herrn Torvalds, letztere dient vor allem als rechtlicher Ansprechpartner, um die Markenrechte von FreeBSD zu wahren, unterstützt Konferenzen sowie FreeBSD-Werbung und bezahlt ein paar Hauptamtliche, damit sie am Betriebssystem arbeiten. Erstere ist der Arbeitgeber des Linux-Chefs, zweitere eine beachtliche Stütze des Gesamtprojektes FreeBSD. Letzterer muß man einen gewissen direkten Einfluß attestieren, da es Personen gibt, die für die Foundation arbeiten und in Core gewählt wurden. Außerdem hat sie inderekten Einfluß, weil sie Gelder verteilen kann, um diesen Teil des Systems durch bezahlte Arbeit voranzubringen oder jenen. Dieser indirekte Einfluß begrenzt sich in der Praxis allerdings schon dadurch wieder, daß traditionell die Foundation als Sponsor für Arbeiten auftritt, die zwar schon als „irgendwie wichtig“ angesehen werden, aber nicht als so wichtig, daß sich dafür Freiwillige finden. Der direkte Einfluß ist dadurch begrenzt, daß die Foundation-Leute weder die Mehrheit bilden, noch ihre Doppelrolle irgendwie erkennbar ausnutzen.

    Jetzt wird's haarig. Sowohl die Linux Foundation als auch die FreeBSD Foundation sind gemeinnützige Einrichtungen („non-profit“). Erstere aber ist eine trade association mit 501(c)(6)-Status, während letztere eine 501(c)(3)-Organisation ist. Hier mußt Du Dich ein wenig mit dem angelsächsischen Rechtsverständnis und anschließend mit den Eigenheiten der amerikanischen Gemeinnützigkeit befassen, um den Unterschied und die Auswirkungen davon zu verstehen. Das kann ich weder knapp zusammenfassen, noch möchte ich Dir - Interesse vorausgesetzt - diese Arbeit abnehmen. Ich kann Dir aber sagen, daß es immer interessant ist, zu fragen „wo kommt das Geld her“ und „wo geht es hin“, weil man, zusammen mit Kenntnissen über die Strukturen, daraus wichtige Zusammenhänge ableiten kann.

    Oder kurz: Wenn der zuständige Betreuer eines Kernel-Subsystems bei Intel angestellt ist, kann das Einfluß darauf haben, welche externen Patches angenommen werden oder nicht (daß etwas bis zu Herrn Torvalds, der sich ganz überwiegen auch nur noch auf die Bewertung anderer verläßt, durcheskaliert, ist schließlich nicht die Regel). Wenn Netflix etwas in FreeBSD durchdrücken wollen würde, dann stehen die Chancen dafür eher schlecht. Der Name der Firma hat Gewicht und sie werden definitiv gehört. Aber eine unliebsame Änderung kriegen sie deswegen nicht durch. Die Praxis sieht sogar so aus: Netflix ist bewußt, daß sie spezielle Anforderungen haben. Sie bezahlen Leute, im FreeBSD in ihrem Sinne zu tunen. Die Änderungen, welche als auch für andere nützlich eingeschätzt werden, werden an das Projekt zurückgegeben, um die Abweichungen zum Hauptsystem möglichst gering zu halten. Den Rest pflegt man selbst. Netflix setzt also streng genommen gar kein FreeBSD ein „wie du und ich“, sondern gewissermaßen die Variante Netflix-FreeBSD.

    Andere Firmen im FreeBSD-Umfeld halten es übrigens ähnlich. Ja, ich weiß, es ist gewissermaßen ein ziemlicher Kulturschock, wenn man aus der Linux-Welt kommt. Aber es gibt eben nicht nur Barbaren auf der Welt, sondern auch relativ zivilisierten Umgang miteinander. :P

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      Von knall am Mo, 25. Mai 2020 um 14:31 #

      Die Änderungen, welche als auch für andere nützlich eingeschätzt werden, werden an das Projekt zurückgegeben

      Man könnte auch sagen: Änderungen, welche nach Ansicht von Netflix nicht vom Wettbewerb ausgebeutet werden können, werden an das Projekt zurückgegeben. Netflix ist durch die konzernfreundliche BSD-Lizenz ja keineswegs gezwungen "für andere nützlichen" Code zurückzugeben... :D

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        Von Zerfallskonstante am Mo, 25. Mai 2020 um 14:52 #

        Genau das sehe ich mittlerweile als einen (von mehreren) Vorteil bei *BSD. Das Lizenzmodell zwingt Unternehmen nicht, ihre Konkurrenten zu füttern. Tatsächlich neigen Unternehmen eher dazu Code aus Bereichen zurückzugeben, die nicht ihrem Kerngeschäftsfeld entsprechen. Zugleich haben Unternehmen ein Interesse an der Umgebung und (Entwickler-)Kultur, die ihnen *BSD bietet. Sie werden also zu finanzieller Unterstützung neigen, weil sie einen bestimmten Gegenwert sehen. Insgesamt scheint mir das BSD-Modell ein angenehmes Umfeld zu ermöglichen.

        Im Linux-Umfeld sieht es trotz scheinbar größerer Freiheit etwas anders aus. Die Unternehmen bezahlen die Entwickler faktisch direkt. Da Unternehmen immer nach Dominanz streben fördert das eine Kultur des "Wer am meisten beiträgt, hat die meiste Macht". Macht bedeutet hier die Macht eigene Standards und Produkte durchzusetzen und die Konkurrenz draußen zu halten. Genau diese Situation herrscht im Linux-Umfeld vor. Gegen die Platzhirsche lässt sich nichts durchsetzen. Linux wurde gekapert.

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        Von kraileth am Mo, 25. Mai 2020 um 15:36 #

        Wobei Du unterschlägst, daß man ein großes Interesse hat, möglichst viel Code zurückzugeben, da dann die weltweite Gemeinschaft die Pflege übernimmt und man ein wesentlich kleineres lokales Patchset hat.

        Netflix setzt Entwickler daran, das letzte Quäntchen Leistung aus dem FreeBSD-Netzwerkstack herauszuquetschen. Das ist ziemlich genau etwas, das auch potentiellen Konkurrenten das Wasser im Munde zusammenlaufen läßt. Rate mal, was Netflix mit den Verbesserungen ganz überwiegend tut - geheimhalten und freuen, oder an FreeBSD zurückgeben?

        Der Vermutung, daß Unternehmen immer und überall ausschließlich engstirnig-eigennützig handeln, liegt ein ziemlich mieses Menschenbild zugrunde. Und glücklicherweise werden diese Leute zwar oft genug, aber definitiv nicht immer bestätigt. Auch Firmen (mit der Ausnahme von vielleicht Oracle) werden von grundsätzlich lernfähigen Menschen geführt, die verstehen können daß „ich“ ein Teil von „alle“ ist, es also sogar notwendig einen Eigennutz im Gemeinnutz gibt.

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          Von knall am Mo, 25. Mai 2020 um 17:37 #

          Wobei Du unterschlägst, daß man ein großes Interesse hat, möglichst viel Code zurückzugeben

          Ja, möglichst viel allgemeinen Code, der zwar notwendig ist, aber kein Alleinstellungsmerkmal hat. Das große Interesse den weiterzugeben besteht darin, sich die Kosten für die Wartung dieses allgemeinen Codes von Halse zu schaffen.

          Der Vermutung, daß Unternehmen immer und überall ausschließlich engstirnig-eigennützig handeln

          Ja genau, wir sollten viel mehr Vertrauen in die Menschenfreundlichkeit der Milliardenkonzerne haben. Wer kein Vertrauen in Milliardenkonzerne hat, der hat ganz offensichtlich (nach Ansicht der BSDler) ein "ziemlich mieses Menschenbild". "Engstirnig-eigennützig" sind nur die Linux-Entwickler, die den Milliardenkonzernen bei ihrer menschenfreundlichen Arbeit nicht kostenlos helfen wollen. Jetzt habe ich es verstanden... :D

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            Von kraileth am Mo, 25. Mai 2020 um 18:16 #

            Nein, Du hast es leider noch nicht verstanden, weil Deine Polemik sich nur einer vermeintlich logischen Umkehr bedient, um eine Aussage zu entkräften. Wenn eine Sache falsch ist folgt daraus nicht notwendigerweise, daß das Gegenteil richtig ist. Kann es sein, muß aber nicht.

            Wenn ich ein sehr negatives Menschenbild bemängle sage ich damit nicht, daß wir es doch bitteschön durch ein naiv-positives ersetzen sollten, weil das viel lustiger ist. Vielmehr plädiere ich für ein weniger einseitiges Bewerten des Lebens, bei dem Konzerne (das Voranstellen großer Geldmengen darf ja nicht fehlen, wenn man's schön plakativ mag, gell?) nicht automatisch bösartige Höllenkreaturen oder aber die reinsten Engel sein müssen. Tendenziell mag beides vorkommen, in der Hauptsache gibt es aber eine weite Spannweite dazwischen. Aber Schwarz-Weiß-Denken ist offenbar viel bequemer, als sich geistig einer mannigfaltigen Wirklichkeit zu stellen, nicht?

            Sag bescheid, solltest Du bereit sein, auf solche Spielchen wie das Unterschieben von nie getroffenen und offensichtlich gar nicht vertretenen Aussagen zu verzichten. Dann können wir uns über die Hintergründe dessen austauschen, warum ich Copyleft-Lizenzen als pessimistische Lizenzen bezeichne und ablehne.

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              Von knall am Mo, 25. Mai 2020 um 19:12 #

              Tendenziell mag beides vorkommen, in der Hauptsache gibt es aber eine weite Spannweite dazwischen. Aber Schwarz-Weiß-Denken ist offenbar viel bequemer, als sich geistig einer mannigfaltigen Wirklichkeit zu stellen, nicht?

              Die Aufgabe einer Aktiengesellschaft (wie z.B. des Milliardenkonzerns Netflix), ist es Gewinne zu erwirtschaften. Da gibt es keine "mannigfaltige Wirklichkeit".

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                Von kraileth am Mo, 25. Mai 2020 um 19:35 #

                Es gibt also nur Aktiengesellschaften und keinerlei anderen Firmentypen? Der wirtschaftliche Sinn eines Unternehmens kann immer und ausschließlich nur im Manchastersinne durchgesetzt werden? Es gibt auch keine Faktoren, die einen indirekten Einfluß haben können?

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                  Von knall am Mo, 25. Mai 2020 um 23:40 #

                  Es gibt also nur Aktiengesellschaften und keinerlei anderen Firmentypen?

                  Es geht um den FreeBSD-Spender Netflix, und das ist eine Aktiengesellschaft:

                  Netflix, Inc. (NFLX) stock quote, history, &news

                  Schon Deine eigenen Lodeshymnen auf Netflix vergessen? :D

                  Re[5]: Vorteile für Linux, Windows oder beide Betriebsysteme?

                  Von kraileth am Mo, 25. Mai 2020 um 15:36 #

                  (...)
                  Netflix setzt Entwickler daran(...)

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                    Von kraileth am Di, 26. Mai 2020 um 08:40 #

                    Nein, mir geht es um das Große Ganze, wovon Netflix ein ziemlich kleiner Teil ist. Oder möchtest Du Zutreffen bzw. Unzutreffen meiner Bewertung hinsichtlich eines pessimistischen Menschenbildes wirklich nur an einem einzigen Fall festmachen? Fände ich ein etwas mickriges Fundament für ein Menschenbild.

                    Oh, und ich singe keine Lobeshymne auf diesen Konzern. Warum auch? Ich beschrieb das, was sie u.a. tun und da sie für ihr Geschäft, also Streaming, einen sehr effizienten Netzwerkstack brauchen, bezahlen sie Menschen, um diesen weiter zu verbessern. Daß sie diesen zurückgeben ist potentiell für den Rest der Menschheit nett und zudem ihrem eigenen Interesse dienlich. Und das war's auch schon mit diesem Fallbeispiel.

                    Um das einmal loszuwerden: Ich finde ohnehin, daß Du Dich ein wenig mehr anstrengen solltest, mir dumm zu kommen - denn ironischerweise kann man auch das viel schlauer anstellen (egal unter welchem Namen). Ich werfe Dir sogar mal einen Brotkrumen hin: Wie wäre es mit Microsoft? Das ist sowohl ein lange etabliertes Feindbild, als auch ein Konzern, der bezahlte Arbeit in FreeBSD steckt, damit das Betriebssystem besser in Hyper-V läuft. Firmeninteresse an FreeBSD auf Azure? Kommerzialisierung? Na? Das ginge wenigstens in die in Frage stehende Richtung. Netflix ist als Einwand gegen das, was ich sage, ziemlich bescheiden.

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                      Von knall am Di, 26. Mai 2020 um 10:07 #

                      Oder möchtest Du Zutreffen bzw. Unzutreffen meiner Bewertung hinsichtlich eines pessimistischen Menschenbildes wirklich nur an einem einzigen Fall festmachen? Fände ich ein etwas mickriges Fundament für ein Menschenbild.

                      Ich will das am FreeBSD-Spender Netflix festmachen.

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                        Von kraileth am Di, 26. Mai 2020 um 10:50 #

                        In Ordnung, das ist zumindest eine Ansage. Damit haben wir aber absolut keine Gesprächsgrundlage mehr. Für mich ist die Betrachtung einer einzelnen Firma etwas, das man keineswegs anschließend verstandeswidrig verallgemeinern kann. So lange Du pars pro toto argumentieren möchtest, kommen wir nicht zusammen, egal ob es um Netflix, Google, Microsoft oder Oracle geht.

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                      Von knall am Di, 26. Mai 2020 um 11:03 #

                      Daß sie diesen zurückgeben ist potentiell für den Rest der Menschheit nett und zudem ihrem eigenen Interesse dienlich.

                      Da widerspricht Dir aber jemand aus der (Deiner?) Community?

                      Re[5]: Vorteile für Linux, Windows oder beide Betriebsysteme?

                      Von Zerfallskonstante am Mo, 25. Mai 2020 um 14:52 #

                      Genau das sehe ich mittlerweile als einen (von mehreren) Vorteil bei *BSD. Das Lizenzmodell zwingt Unternehmen nicht, ihre Konkurrenten zu füttern.

                      Offensichtlich steht da Deine etwas naive Anschauung über die Weitergabe von BSD-Code gegen die (meiner Meinung nach) etwas realistischere Anschauung von "Zerfallskonstante"?

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                        Von kraileth am Di, 26. Mai 2020 um 11:17 #

                        Zerfallskonstante merkte völlig richtig an, daß die permissiven Lizenzen nicht dazu zwingen, Konkurrenten zu füttern. Entschuldige, aber ich sehe den Widerspruch nicht.

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                          Von knall am Di, 26. Mai 2020 um 16:08 #

                          Zerfallskonstante merkte völlig richtig an, daß die permissiven Lizenzen nicht dazu zwingen, Konkurrenten zu füttern.

                          Das müssen geradezu paradiesische Zustände für den Milliardenkonzern Netflix sein: Code von der Konkurrenz abgreifen zu können ohne selbst die "Konkurrenten zu füttern". Ich kann Netflix Entscheidung zugunsten FreeBSD sehr gut verstehen... :D

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                            Von kraileth am Di, 26. Mai 2020 um 16:26 #

                            Ja, sogar so paradisisch, daß sie - ohne Lizenzzwang, dafür aber freiwillig (!) - Dinge zurückgeben, die potentiell auch einem Konkurrenten nützen könnten. Und groteskerweise (denn von den Tänzern um das Goldene GNU hört man immer, daß Konzerne sowas wahrlich niemals-nicht, auf überhaupt gar keinen Fall tun würden!) gibt es noch mehr Firmen, die verstanden haben, daß ihnen solche freiwillige Offenheit relativ gut zu Gesichte steht und sie davon mehr Nutzen haben, als mit komzletter Geheimniskrämerei und Ausschließerei. Wunderbar, nicht? :)

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                              Von mm am Di, 26. Mai 2020 um 16:42 #

                              Eine Firma, die Code zurück gibt macht das auch aus der Hinsicht nicht uneigennützig, da diese den Code nicht warten muß. Sie hat also nur einmal die Arbeit und es sieht sozialer aus. Wenn dann noch ein oder andere Groschen für das Projekt rausspringt, wird das auch gern angenommen. Es erübrigt sich natürlich, daß der beste Programmcode behalten wird, sonst könnte die Konkurrenz einen Vorteil haben.

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                                Von kraileth am Mi, 27. Mai 2020 um 09:39 #

                                Meine Rede. Hier sind wir gewissermaßen beim Mephistopheles-Prinzip, nach dem im Großen Ganzen selbst der „der stets das Böse will“ dann doch „stets das Gute schafft“.

                                Wenn eine Organisation ihr Eigeninteresse hoch genug hängt und nicht gleichzeitig einen verengten Geist hat (da sind viele noch, aber das wird sich ändern, weil sie sonst zurückfallen - was sie ja gar nicht leiden können), dann erkennt sie irgendwann, daß der Eigennutz in sehr vielen Fällen im Gemeinnutz am besten bedient ist.

                                Daß man Kosten senkt, indem man nicht alles verschlossen hält, jede Funktion selbst entwickeln, testen, warten muß, liegt auf der Hand. Daß man sich durch das Teilen einen sozialen Anstrich geben kann, zu einem Preis, der jede gute Werbekampagnie sowas von in den Schatten stellt, ebenfalls.

                                Aus meiner Sicht braucht es einfach noch Zeit. Viele Firmen werden es lernen - nicht, weil sich die Verantwortlichen irgendwann geschworen haben, bessere Menschen zu werden, sondern aufgrund der Gesetzmäßigkeiten dieser Welt. Kooperation sticht Konkurrenz auf Dauer immer. Durch die Manchester-Periode mußte die Menschheit einfach durch. Verglichen damit geht's uns heute schon richtig gut (und nein, ich übersehe nicht, daß wir es mit Bestrebungen zu tun haben, die uns heute in der Arbeitswelt schlechter dastehen lassen, als vor wenigen Jahrzehnten). Es sind noch viele Kämpfe auszufechten, um eine geistige Weiterentwicklung gesellschaftsweit greifbar zu machen. Aber es sind längst mehr als nur Ansätze da.

                                Im kleinen Rahmen gibt es ja auch bereits „grün“ geführte Betriebe mit einem Bewußtsein für Menschlichkeit, Nachhaltigkeit, Ethik. Diese zeichnen sich im Gegensatz zu den klassischen dadurch aus, daß sie kaum Gewinn abwerfen, weniger „effizient“ sind, usw. Trotzdem haben sie bei mir als Verbraucher einen Stein im Brett. Ich pfeife auf „die höchste Leistung“, die vielleicht der althergebrachte Menschenschinder liefert. „Gut genug“ ist für mich genau das. :)

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                              Von knall am Di, 26. Mai 2020 um 20:54 #

                              Ja, sogar so paradisisch, daß sie - ohne Lizenzzwang, dafür aber freiwillig (!) - Dinge zurückgeben, die potentiell auch einem Konkurrenten nützen könnten.

                              Der Milliardenkonzern Netflix entfernt erst auf die Drohung des kanadischen Parlaments die illegal in einer seiner Serien abgebildete Leichen eines wirklichen Eisenbahnunglücks und Du hast die Dreistigkeit hier von "freiwillig (!)", "Firmen, die verstanden haben" und "freiwillige Offenheit" zu sprechen?
                              Soll das schwarzer Humor sein?

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                                Von kraileth am Mi, 27. Mai 2020 um 09:13 #

                                Nein, das soll die Fähigkeit sein, zu differenzieren. Magst Du Dich mal kurz beim Vatikan darüber beschweren, daß Mutter Teresa heiliggesprochen wurde obgleich sie den Kontakt mit kriminellen Staatsmännern und Terroristen nicht scheute, sowie Blumen am Grab eines Menschenschlächters ablegte?

                                Und da wir gerade bei sehr speziellen Staatsmännern sind - dir ist klar, daß der bekannteste deutsche Politiker ein Gewissen hatte, das es mäßig belastete, wenn Millionen Menschen für ihn oder wegen ihm in den Tod gingen, der es aber nicht ertragen konnte, daß „ein Tier sterben müsse, nur damit ich etwas zu essen habe“?

                                Die Wirklichkeit ist immens vielschichtiger, als daß ein einzelnen Beispiel für gewissenloses Handeln genügen könnte, eine ganze Firma und all ihre Mitarbeiter zu verdammen! Sicher lassen sich mehr Beispiele dafür finden, ich halte Netflix nicht für einen Konzern, der durch vorbildliche Ethik strahlt - ich habe auch nur gesagt, daß sie bezüglich des technischen Teils einige richtige Schlüsse gezogen haben, das ist alles.

                                Schon die Idee einer „Kollektivschuld“ ist zutiefst unethisch. Wieder zu heilen, was kranke Gehirne da in die Welt gebracht haben, wird nicht einfach werden.

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                                  Von knall am Mi, 27. Mai 2020 um 10:11 #

                                  ich habe auch nur gesagt, daß sie bezüglich des technischen Teils einige richtige Schlüsse gezogen haben, das ist alles.

                                  Wie ist das nur möglich? Bei Linux soll das Deiner Meinung nach doch genau anders herum sein?

                                  Re[5]: Ja ja ...

                                  Von kraileth am Mo, 25. Mai 2020 um 15:04 #
                                  (...)
                                  Ich denke, daß zu große Geldsummen dazu neigen, gute Dinge ins Kippen zu bringen und die Kommerzialisierung fast naturnotwendig zu einer Abnahme der Kernwerte und des technischen Selbstverständnisses führt.(...)

                                  Also halten wir fest: Deiner Meinung nach führt bei Linux "die Kommerzialisierung fast naturnotwendig zu einer Abnahme der Kernwerte und des technischen Selbstverständnisses", bei FreeBSD hingegen muss man auch bei ethisch fragwürdigen Geldgebern "differenzieren", weil die Wirklichkeit "immens vielschichtiger" ist. Habe ich das so richtig verstanden?

                                  • 0
                                    Von kraileth am Mi, 27. Mai 2020 um 10:44 #

                                    Leider wieder nicht. Dürfte aber daran liegen, daß Du versuchst, die Sichtweise, die Du bereits hast, auf Krampf bestätigt zu sehen und nicht, zu verstehen, was ich vertrete.

                                    Nächster Versuch: Man muß bei den Geldgebern grundsätzlich differenzieren. Nimm das Beispiel Microsoft, die tragen zu beiden Betriebssystemen bei und verfolgen bei beiden ziemlich ähnliche Ziele: z.B. Attraktivität für ihre Cloud-Plattform zu erhöhen, indem man reichweitenstarke Systeme unterstützt (sonst hätten sie es ja dabei belassen können, nur Windows Server anzubieten).

                                    Unabhängig davon, wer dieser noble Spender ist, wirken die Gelder derzeit unterschiedlich. Linux schwelgt im Überfluß und das tut nicht gut. FreeBSD hat dieses Problem nicht und ich hoffe, daß dies so bleibt. Das ist aber erstmal nur ein Problem und keine Katastrophe. Es gibt aber ein zweites Problem in der Linux-Welt, und dies ist ein strukturelles. Du kannst als Firma den Betreuer eines Kernel-Subsystems einkaufen und damit Entscheidungen, die sehr, sehr viele Menschen betreffen, relativ „elegant“ in die von dir gewünschte Richtung biegen. Das ärgert den einen oder anderen, der, wenn er dergleichen zu oft erfahren muß, den Eindruck erhält, daß Linux gekapert wurde und überwiegend von Konzerninteressen geleitet wird. Diese beiden Probleme potenzieren sich und lassen eine relativ eindeutige kommerzialisierung von Linux erkennen.

                                    Es ist nicht so, daß es keinen Ausweg gibt. Tapfere Recken putzen den Kernel hinsichtlich unerwünschter Teile aus („Linux-libre“). Distributionen bemühen sich, Konfigurationen hinsichtlich der Bedürfnisse ihrer Nutzer anzupassen. Manche pflegen eigene Patches ein. Das ist ein Heidenaufwand, und es gibt Aufreibungserscheinungen (ich habe bereits auf Hyperbola hingewiesen, knallharte Libre-Verfechter, welche Linux auf einem so schlechten Weg sehen, daß sie die Flinte ins Korn geworfen haben und nun mit einem Hard-Fork des OpenBSD-Kernels mit GNU-Userland weitermachen wollen). Würdest Du das als gesunde Entwicklung ansehen?

                                    Seit inzwischen vielen Jahren verstößt das Unternehmen hinter dem grsec-Patchset gegen die GPL und fährt ziemlich peinliche Gegenmaßnahmen, wenn sich jemand wehren sollte. Warum bleiben da die Gralshüter des Kernels nicht am Ball? Wo ist GKH, dessen „tolerance for ZFS“ aufgrund der Lizenz „pretty non-existent“ ist, weil Sun den Code unter eine Lizenz gestellt hat, die selbst copyleft (!) ist, wenn ein anderes Unternehmen ganz direkt gegen die Heilige GPL verstößt? Kann ich nicht nachvollziehen, aber wahrscheinlich sollte ich mir nicht anderer Leute Köpfe zerbrechen.

                                    Kurz: Differenzieren muß man bei jedem Konzern. Auch bei Microsoft arbeiten gute Leute und ich kenne sogar einen ehemaligen Oracle-Mitarbeiter, der ein prima Kerl ist, obwohl er für eine Firma gearbeitet hat, die sich ganz häufig verhält wie der große Zerstörer und Bremser. Aber nicht jeder bei Oracle ist Larry Ellison. Das muß man immer bedenken. Kommerzialisierung hingegen ist die Folge von Firmeneinfluß auf ein Projekt und hängt nicht maßgeblich am Namen auf dem Scheck.

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                                      Von knall am Mi, 27. Mai 2020 um 17:44 #

                                      Nimm das Beispiel Microsoft(...), Auch bei Microsoft arbeiten gute Leute(...), Aber nicht jeder bei Oracle ist Larry Ellison(...)
                                      Die Rede war vom Milliardenkonzern Netflix als Großspender von FreeBSD und nicht von Microsoft, Oracle oder Larry Ellison.
                                      Du kannst als Firma den Betreuer eines Kernel-Subsystems einkaufen und damit Entscheidungen, die sehr, sehr viele Menschen betreffen, relativ „elegant“ in die von dir gewünschte Richtung biegen.
                                      So wie ich das als Firma bei FreeBSD auch kann? Auf deren Seite steht:
                                      The FreeBSD Core Team constitutes the project's "Board of Directors", responsible for deciding the project's overall goals and direction as well as managing specific areas of the FreeBSD project landscape. The Core Team is elected by the active developers in the project.
                                      Wenn eine Firma (zum Beispiel der Milliardenkonzern Netflix als einer der Hauptsponsoren von FreeBSD) genug aktive Entwickler zu FreeBSD bringen würde, dann wählen die das "FeeBSD Core Team" und damit indirekt das "Board of Directors". Und damit hätten die Firmen dann FreeBSD "gekapert".
                                      Seit inzwischen vielen Jahren verstößt das Unternehmen hinter dem grsec-Patchset gegen die GPL
                                      Ist schon Ewigkeiten her, seit 2015 wird das nur noch deren zahlenden Kunden angeboten. Folglich müssen diese zahlenden Kunden ihre Ansprüche auch durchsetzen.
                                      Es ist nicht so, daß es keinen Ausweg gibt. Tapfere Recken putzen den Kernel hinsichtlich unerwünschter Teile aus(...) die Flinte ins Korn geworfen haben und nun mit einem Hard-Fork des OpenBSD-Kernels mit GNU-Userland weitermachen wollen
                                      Also der "Ausweg" ist ein Hard Fork von OpenBSD? Nun ja, das ist alleine deren Entscheidung, die ich auch respektiere. Aber immerhin ist es interessant zu hören, dass die so wenig Vertrauen in FreeBSD und ZFS haben. Sonst hätten die wahrscheinlich das für ihren "Hard Fork" genommen... :D

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                                        Von ric am Mi, 27. Mai 2020 um 18:13 #

                                        Entschuldigung wenn ich mal interveniere, aber was versuchst Du jetzt zu beweisen. Ist jetzt Netflix eine »böse« Firma, weil in einer Serie Szenen aus einer realen Katastrophe rein-geschnitten wurden?

                                        Oder versuchst Du zu beweisen, das BSD auch nicht besser ist obwohl diese eine andere Lizenz haben, die es kommerzielen Firmen erlaubt den Code zu übernehmen und in Ihrem Sinne anzupassen? Dabei aber nichts zurückgeben müssen, aber wenn doch, ist dann BSD nicht besser, vorallem wenn dabei auch noch Geld fließt.

                                        Wenn eine Firma (zum Beispiel der Milliardenkonzern Netflix als einer der Hauptsponsoren von FreeBSD) genug aktive Entwickler zu FreeBSD bringen würde, dann wählen die das "FeeBSD Core Team" und damit indirekt das "Board of Directors". Und damit hätten die Firmen dann FreeBSD "gekapert".
                                        Dann wären auch andere Projekte, wie z. B. Debian schon »gekapert«.

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                                        Von kraileth am Mi, 27. Mai 2020 um 19:24 #

                                        Mir ist unverständlich, warum Du so sehr auf Netflix herumreitest und Dich hartnäckig weigerst, dazu auch andere ins Blickfeld zu lassen.

                                        Die theoretische Möglichkeit, FreeBSD auf dem von Dir geschriebenen Weg zu übernehmen, besteht, das ist völlig korrekt. Aber ich schätze, Du hast eine etwas falsche Vorstellung vom FreeBSD-Proekt. Es gibt derzeit ziemlich genau 400 Entwickler, welche ein Commit-Bit für das Betriebssystem im engeren Sinne haben. Die Anzahl der Docs-Committer weiß ich gerade nicht. Ports-Maintainer sind es derzeit ca. 1.600. Macht zusammen nicht unbedingt 2.000, weil einzelne Personen in mehreren Bereichen unterwegs sind. Zusammen mit den Docs-Leuten kommt das aber vielleicht ganz gut hin.

                                        Mit diesen Zahlen kannst Du Dir vorstellen, was man an Personal aufbringen müßte, um Core überwiegend mit eigenen Leuten besetzen zu können. Dazu kommt noch das Problem, daß FreeBSD eine eigene Kultur hat und die meisten der Projektmitglieder bei einem kalten Putsch selbst für viel Geld nicht mitmachen würden. Hieße im Endeffekt, daß man ziemlich viele neue Leute heranschaffen müßte.

                                        Dabei bestünde aber wieder die Schwierigkeit, daß man nicht so nebenbei FreeBSD-Committer wird. Man muß einige Zeit dabei sein und braucht neben einigem Talent ebenso einiges an Leidenschaft - und nicht zuletzt Wissen. FreeBSD zieht sich seine Leute heran, indem man aussichtsreichen Kandidaten Mentoren zur Seite stellt (jahaaa, wir sind noch viel schlimmer, als Du dachtest: So eine Art Sekte, wo die Leute erst „eingenordet“ werden, bevor sie mitmachen dürfen! :P ).

                                        Und dann sind Menschen, die FreeBSD richtig können, auch nicht unbedingt billig, da sie wissen, daß es solche nicht wie Sand am Meer gibt. Aber wir gehen mal davon aus, daß der böse Plan klappt, wie am Schnürchen: Evil Corp. macht die ganz dicke Brieftasche auf, findet willige Helfer und die FreeBSDler freuen sich sehr über das Wunder dieses extremen Entwicklerzustroms. Was passiert dann? Dann mag es zum ersten Mal ein Core-Team geben, in denen „die Neuen“ die Mehrheit haben. Tja, und jetzt? Jetzt kommst Du und sagst mir, was die Evil Corp. jetzt tun sollte, das diesen immensen Aufwand rechtfertigt (und was im Extremfall die gutgesinnten FreeBSDler abhalten sollte, das Projekt zu verlassen und z.B. mit dem letzten freien Code als FooBSD nochmal anzufangen)? Evil Corp. hätte jetzt ein System, das von allen gehaßt wird und vermutlich wird der größte Teil der bisherigen Nutzer mit zum freien Fork abwandern. Gewinn für Evil Corp.?

                                        Grsec verstößt erst seit der Schließung des Codes gegen die GPL, die Sache ist deswegen eigentlich dauerhaft brandaktuell.

                                        Zu den Hyperbola-Jungs: Die Entscheidung zum Hard-Fork kam vermutlich daher, daß sie vorhaben, eigenen Code, den sie ins System einbringen, unter die GPLv3 zu stellen. Damit machen sie unmöglich, daß ihre Innovationen in OpenBSD zurückfließen, da die GPL - insbesondere Version 3 - dort nicht willkommen ist. Gleichzeitig haben sie wohl vor, das System soweit umzubauen, daß zukünftige Synchronisierungen von OpenBSD hinsichtlich Kosten und Nutzen schlecht abschneiden (sie müssen jedes Mal den gesamten Code auditieren, da er potentiell aus ihrer Sicht unfreie Komponenten enthalten kann).

                                        Wie Du nun darauf kommst, daß ihre Entscheidung für OpenBSD als spekulative Grundlage für eine weitere Stänkerei zu nehmen, kann ich nicht nachvollziehen. Die spekulative Komponente hätte leicht entfallen können (die Entwickler haben ihre Entscheidung transparent gemacht), aber dann hätte die ätzende Konsequenz nicht mehr funktioniert, gell? Sie haben sich aus mehreren, völlig nachvollziehbaren Gründen für OpenBSD entschieden:

                                        1) Sie haben mit OpenSSH, LibreSSL und Xenocara bereits OpenBSD-Komponenten in ihr Linux-System aufgenommen und waren über deren Code-Qualität begeistert. Da lag es nahe, sich als erstes auch bei OpenBSD hinsichtlich des Kernels umzuschauen.
                                        2) OpenBSD ist eine Gemeinschaft von Radikalinskis (ich sage das im guten Sinne, da ich diese Leute sehr achte). Obgleich sie das entgegengesetzte Verständnis hinsichtlich der Bedeutung von Freiheit vertreten, macht sie diese eiserne Kompromißlosigkeit gegenüber anderen Extremisten natürlich besonders glaubwürdig und attraktiv. FreeBSD ist in dieser Hinsicht zu weich und zu pragmatisch (und wird von einigen knallharten Unix-Puristen mitunter abfällig als „das Linux unter den BSDs“ verspottet - etwa so, wie man teils Ubuntu als „das Windows unter den Distributionen“ verhöhnt).
                                        3) Mit LibreBSD gab es bereits ein Projekt, welches OpenBSD angefangen hatte im GNU-Sinne auszuputzen. Da ist also ein ordentliches Stück Weges schon gegangen.
                                        4) Die Code-Basis von OpenBSD hat einen ganz erheblich geringeren Umfang als die von FreeBSD. Für das kleine Entwicklerteam von Hyperbola ist FreeBSD schon von seiner Größe her „unverdaulich“ und OpenBSD klar die bessere Wahl (auch wenn nicht wenige Leute zweifeln, ob sie sich nicht auch daran verheben).

                                        Insofern: Läßt sich alles gut und leicht erklären, man muß nur guten Willens sein, anderen Menschen zuzuhören und nicht eine vorgefertigte Meinung aufzudrücken. ;)

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                                          Von knall am Do, 28. Mai 2020 um 00:20 #

                                          Evil Corp. macht die ganz dicke Brieftasche auf, findet willige Helfer

                                          Hat der Milliardenkonzern Netflix bei FreeBSD ja schon gemacht. Nur das Netflix halt intelligent genug ist die FreeBSD-Entwickler fast umsonst für sich arbeiten zu lassen. Allgemeine Dinge, die nur Zeit und Geld kosten, werden fast kostenlos von FreeBSD entwickelt und/oder gewartet. Spezielle Dinge werden intern bei Netflix entwickelt und brauchen aufgrund des BSD-Freibierlizenz nicht zurückgegeben werden.

                                          daß ihre Entscheidung für OpenBSD als spekulative Grundlage für eine weitere Stänkerei zu nehmen, kann ich nicht nachvollziehen.

                                          OpenBSD setzt kein ZFS ein: According to one of the OpenBSD project devs, Henning Brauer, ZFS is not an option.
                                          Ganz oben war die Ablehnung von ZFS aber Dein Argument gegen Linux:

                                          mehr Re: Vorteile für Linux, Windows oder beide Betriebsysteme?

                                          Von kraileth am Mi, 20. Mai 2020 um 11:12 #
                                          (...)
                                          krasse Fehlentscheidungen wie bezüglich ZFS(...)

                                          Folglich ist für Dich eine "krasse Fehlentscheidung" wenn Linux ZFS nicht in den Kernel aufnimmt, wenn man aber darauf hinweist das OpenBSD sich ebenfalls weigert ZFS aufzunehmen, dann kannst Du das "nicht nachvollziehen"? :D

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                                            Von kraileth am Do, 28. Mai 2020 um 09:12 #

                                            Entschuldige, aber ich habe noch nie gehört, daß Netflix eine Übernahme von FreeBSD anstrebt oder gar versucht hat. Sie sind als Beitragende zum Projekt genauso willkommen, wie andere, und der eine oder andere FreeBSDler ist ganz klar auch stolz darauf, daß ca. ein Drittel des nordamerikanischen Internetdatenaufkommens von FreeBSD-basierten Systemen kommt. Das war's dann aber auch schon. Früher war man stolz darauf, daß der Riese Yahoo! ausschließlich FreeBSD verwendete. Daran gibt es wenig Aufregpotential, da wir einfach über Technik sprechen.

                                            Immerhin siehst Du das offenbar ein und ruderst insofern zurück, als daß eine wirkliche Übernahme des Projektes für Netflix gar nicht sinnvoll wäre, da man sich nicht so leicht Einfluß auf die relevanten Teile sichern kann, wie bei Linux. Da sind wir endlich wieder beieinander. :up:

                                            Zu ZFS: Auch wieder daneben. Ich habe nicht gesagt, die Linux-Lenker sollten ZFS schleunigst in den Kernel aufnehmen! Da gehört es aufgrund der Lizenzproblematik nicht hin. Was sie aber sehr wohl tun sollten, ist aufzuhören, ahnungslosen Dummfug zu erzählen und ZFS aus Unkenntnis in ein schlechtes Licht zu rücken, was andere Ahnungslose nicht ohne weiteres als die Anmaßung erkennen, die es ist. Was sie weiter tun sollten, ist nicht bewußt ZoL noch Steine in den Weg zu legen und sich dann gar über die Menschen, die dieses wichtige Projekt vorantreiben, lustig zu machen, indem man dann ein Projekt, das man nicht in den Kernel aufnehmen will, verhöhnt, indem man darauf verweist, daß es ja außerhalb des Kernels entwickelt werde und man da auf Schnittstellen keine Rücksicht nehme!

                                            Daß OpenBSD kein ZFS hat und auch nicht bekommen wird finde ich entgegen Deiner Unterstellung voll und ganz nachvollziehbar. OpenBSD ist - anders als Linux und FreeBSD, die sich als „general purpose“-Betriebssysteme verstehen - ein „research OS“. Es hat weder den Anspruch, noch die Absicht, zunächst für möglichst viele Menschen nutzbar zu sein. Die Haltung ist eher: „Wir entwickeln es für uns - wenn es für deinen Anwendungszweck das richtige ist: Bitte, gern geschehen. Wenn nicht: Nimm etwas anderes.“ Entsprechend kann OpenBSD es sich leisten, kein modernes Dateisystem zu haben. FreeBSD und Linux können es nicht. Zwar ist Linux insofern im Vorteil, als daß man groß genug ist, sich ein Nischen-Dateisystem mit sehr zweifelhafter Geschichte (BTRFS) leisten zu können. Aber damit steht man alleine da, während ZFS auf allen anderen maßgeblichen Plattformen verfügbar ist, wo wieder die Arroganz durchscheint, die schon viele andere zu Fall gebracht hat.

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                                              Von knall am Do, 28. Mai 2020 um 11:15 #

                                              Immerhin siehst Du das offenbar ein und ruderst insofern zurück, als daß eine wirkliche Übernahme des Projektes für Netflix gar nicht sinnvoll wäre, da man sich nicht so leicht Einfluß auf die relevanten Teile sichern kann, wie bei Linux. Da sind wir endlich wieder beieinander.
                                              Dem Milliardenkonzern Netflix ist "das Projekt" an sich scheissegal. Die Kontrolle über die wichtigen Teile des von ihnen eingesetzten Codes hat Netflix ja schon. "Zurückgegeben" wird aufgrund der BSD-Freibierlizenz ja nur allgemeiner, belangloser Code ohne jegliche wirtschaftliche Relevanz für Netflix. Der große Vorteil für Netflix an der gegenwärtigen Situation ist, daß dieser Code jetzt kostenlos von FreeBSD gewartet wird, eine für die Aktionäre durchaus akzeptable Situation. Warum sollte sich eine Firma einen Laden ("Projekt") ans Bein binden, der schon heute kostenlos Teile der von ihnen eingesetzten Software für sie wartet?
                                              OpenBSD ist - anders als Linux und FreeBSD, die sich als „general purpose“-Betriebssysteme verstehen - ein „research OS“. Es hat weder den Anspruch, noch die Absicht, zunächst für möglichst viele Menschen nutzbar zu sein.
                                              Aha? Ein "research OS" ohne "den Anspruch, noch die Absicht, zunächst für möglichst viele Menschen nutzbar zu sein"? Das hörte sich bisher aber anders an?
                                              Re[19]: Vorteile für Linux, Windows oder beide Betriebsysteme?

                                              Von kraileth am Mi, 27. Mai 2020 um 10:44 #
                                              (...)
                                              ich habe bereits auf Hyperbola hingewiesen, knallharte Libre-Verfechter, welche Linux auf einem so schlechten Weg sehen, daß sie die Flinte ins Korn geworfen haben und nun mit einem Hard-Fork des OpenBSD-Kernels mit GNU-Userland weitermachen wollen(...)

                                              Also sieht Hyperbola Linux auf einem so schlechten Weg, daß sie ab sofort ein „research OS" einsetzen, welches "weder den Anspruch, noch die Absicht, zunächst für möglichst viele Menschen nutzbar zu sein"? Dann hätten sie z.B. auch gleich FIASCO nehmen können, da hätten sie noch mehr "research" gehabt... :D
                                              Aber damit steht man alleine da, während ZFS auf allen anderen maßgeblichen Plattformen verfügbar ist, wo wieder die Arroganz durchscheint, die schon viele andere zu Fall gebracht hat.
                                              Diese Aussage ist falsch: Why Microsoft Windows 10 didn't adopt ZFS files system?
                                              Die Arroganz der FreeBSDler, die MS-Windows (egal ob man es mag oder nicht) als "maßgeblichen Plattform" mal so eben unterschlagen, zeigt sich hier deutlich. Die Welt besteht nicht nur aus Netflix Streaming-Servern, welche EiB-große Dateisysteme zu verwalten haben.

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                                                Von kraileth am Do, 28. Mai 2020 um 12:53 #

                                                Natürlich ist Netflix insgesamt das FreeBSD-Projekt relativ egal, solange es irgendwie weiterhin das liefert, was es bisher auch tut. Einzelnen Netflix-Angestellten ist das Projekt durchaus wichtig und sie sehen zu, daß es bei einem vernünftigen Geben und Nehmen bleibt. Damit ist für alle gesorgt und die Welt relativ in Ordnung.

                                                Daß nur belangloser Code zurückgegeben wird ist allerdings eine faustdicke Lüge. Schau Dir mal an, was Netflix beigetragen hat. Ein Beispiel gefällig? Nimm z.B. mal Commit 351522. Die Einführung von in-Kernel TLS ist vieles, aber nicht belanglos. Man sieht aber an Beispielen wie diesem noch andere Dinge: Den Code hat Netflix gespendet, die Arbeitszeit, um ihn zu überprüfen und in das Hauptsystem einzubauen hat aber u.a. Chelsio als Mitsponsor unterstützt. Nur „belangloser Code“, der eigentlich keinen interessieren dürfte?

                                                Übrigens unterstützt Netflix FreeBSD mehr, als sie strenggenommen müßten, um etwa die gleichen Vorteile aus dem freien System ziehen zu können wie jetzt. Man müßte sich nicht zusätzlich bei der Gemeinschaft Liebkind machen, indem man auch als Sponsor für Veranstaltungen wie die BSDCan auftritt, weil man dadurch keinen direkten Vorteil bekommt. Es ist natürlich trotzdem sinnvoll, es zu tun, weil die indirekten Vorteile durchaus auch Gewicht haben. Aber so schwarz-weiß, wie Du es gerne hättest, ist das gegenseitige Verhältnis nicht.

                                                Zu OpenBSD: Ja, es ist wirklich so. OpenBSD folgt eiskalt seiner eigenen Linie und wird dir auch nicht entgegenkommen, selbst wenn du mit ganz, ganz vielen Geldscheinen wedelst. Sie haben sogar viele Dinge, die das Betriebssystem mal bot, wieder ausgebaut. Wenn Du das letzte „Absolute OpenBSD“-Buch liest, wird darin z.B. noch behandelt, wie man mit ladbaren Kernelmodulen umgeht - eine Funktionalität, die man heute (zurecht) allgemein voraussetzt, die OpenBSD aber schon seit einigen Versionen nicht mehr anbietet. Man ist zu der Erkenntnis gelangt, daß man die Risiken, die damit in Zusammenhang steht, nicht ausreichend abfedern kann und daß es den Aufwand dafür auch nicht wert ist. Konsequenz also: Ausbauen. Wenn du OpenBSD nutzen möchtest und Unterstützung für nachladbare Kernelmodule brauchen solltest - tja, Pech für dich. So ist OpenBSD. Und es ist auch ganz gut so, daß es sowas gibt.

                                                Hyperbola: Nein, sie haben nicht vor, OpenBSD einzusetzen. Sie nehmen sich in erster Linie deren Kernel und wollen diesen auch mit GPL-Code aufpumpen (z.B. um Linux-Dateisysteme wie Ext4 nativ zu unterstützen). Es ist sicherlich nicht der netteste Zug, etwas kostenlos zu erhalten und nichts zurückzugeben, aber das ist deren freie Entscheidung und die Lizenz läßt sie ihnen. Deswegen ist es gut, daß es Leute gibt, die auch in dem Feld mal etwas machen. Auch wenn das, was aus dem Hyperbola-Projekt herauskommen mag, für BSD-Puristen nutzlos sein mag, ist es doch ein nettes Experiment. Ich wünsche diesen Leuten viel Erfolg und freue mich darauf, es mir irgendwann mal anzusehen.

                                                ZFS ist auf Windows portiert! Es hat seine Limitierungen, aber jemand hat sich die Mühe gemacht. Es käme mir nicht in den Sinn, Windows als maßgebliche Plattform zu unterschlagen, obwohl ich es aus meinem Umfeld vor Jahren (als radikaler Pinguin übrigens, mein Zorn auf MS ist seitdem etwas verblaßt) vollständig getilgt habe.

                                                Kleine Ironie am Rande: Netflix nutzt kein ZFS... Sie haben sehr spezielle Anforderungen, für welche die genialen Seiten dieses Dateisystems verzichtbar sind und setzen lieber auf maximale Leistung. Deswegen verwenden die Orange Boxes UFS.

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                                                  Von knall am Do, 28. Mai 2020 um 14:33 #

                                                  Natürlich ist Netflix insgesamt das FreeBSD-Projekt relativ egal, solange es irgendwie weiterhin das liefert, was es bisher auch tut. Einzelnen Netflix-Angestellten ist das Projekt durchaus wichtig
                                                  "Einzelne Netflix-Angestellte" haben sich der Firmenpolitik Netflix zu unterwerfen und deshalb kein Mitspracherecht darüber, welcher Code des Milliardenkonzerns Netflix veröffentlicht wird und welcher nicht. Es ist selbst fraglich ob die dazu berechtigt sind in ihrer Freizeit zum FreeBSD Code beizutragen, schließlich haben die ja Arbeitsverträge mit Netflix (Stichwort: Wettbewerbsverbot).
                                                  Den Code hat Netflix gespendet, die Arbeitszeit, um ihn zu überprüfen und in das Hauptsystem einzubauen hat aber u.a. Chelsio als Mitsponsor unterstützt
                                                  Da hat der Milliardenkonzern Netflix massig Geld gespart, das dürfte die Aktionäre freuen! Ganz besonders deshalb, weil Netflix die wirklich wichtigen Teile des Codes für sich behalten hat (wie Du selbst weiter oben geschrieben hast).
                                                  Man müßte sich nicht zusätzlich bei der Gemeinschaft Liebkind machen, indem man auch als Sponsor für Veranstaltungen wie die BSDCan auftritt
                                                  ...aber dann würde der Netflix Code auch nicht bevorzugt von FreeBSD überprüft/eingebaut. Und interessante Neuentwicklungen, die man ggf. in seinem geschlossenen Code übernehmen könnte, gäbe es dann auch nicht. Ein bisschen Geld für ein Treffen motiviert die ansonsten kostenlosen Helfer halt ungemein...
                                                  Hyperbola:(...)ein nettes Experiment(...)
                                                  Das hörte sich zuvor von Dir eher so an, als wäre der Großteil der Linux-Distributionen kurz vor dem Absprung auf BSD... ;)

                                                  Um diese Diskussion 'mal langsam zum Abschluß zu bringen: Ich denke, dass BSD für Milliardenkonzerne wie Netflix oder Betreiber von Servern technisch und finanziell durchaus Vorteile haben kann. Der Nachteil der Lizensierung überwiegt meiner Ansicht nach aber in den meisten Bereichen.

                                                  Wer z.B. eine schlüsselfertige BSD-Lösung kauft, für den hat diese Lösung nur Nachteile. Die Lebensdauer z.B. einer Industrieanlage liegt bei >12 Jahren. In diesem Zeitraum haben schon riesige Unternehmen wie Bosch komplette Geschäftsbereiche stillgelegt. Kleinere Unternehmen haben teilweise eine noch viel kürzere "Halbwertzeit". Selbst wenn es FreeBSD in 12 Jahren noch gibt ist es fraglich, ob es dann das Unternehmen noch gibt welches den damaligen BSD-Code modifiziert, erweitert und geschlossen hat. Kein Mensch käme z.B. auf die Idee eine Industrieanlage zu kaufen, in der ausschließlich Sonderwälzlager verbaut sind. Man setzt da lieber auf "Open Source" Normkugellager, die Hinz und Kunz liefern kann und die man mit entsprechendem Fachwissen selbst austauschen kann. Oder aber man beautragt jemanden der das Fachwissen hat.

                                                  • 0
                                                    Von kraileth am Do, 28. Mai 2020 um 16:12 #

                                                    Wenn die einzelnen Mitarbeiter zufällig gerade die sind, die ein globales verteiltes Streaming-Netz aufbauen können, dann ist deren Meinung nicht ganz unwichtig. Wie gesagt: Sieh Dir an, wie es in der IT läuft - die Gurus einer Sache haben immer ziemlich weitgehende Freiheiten. Klassisches Unternehmerwissen besagt: „Wenn ein Mitarbeiter unentbehrlich geworden ist, muß man ihm kündigen“.

                                                    In der IT-Welt wurde und wird dagegen sehr häufig verstoßen - meist auch aus der Not heraus, daß man einen brillianten Architekten schlicht nicht nur nicht einfach mit dem nächsten Realschüler ersetzen kann, sondern daß der nächste brilliante Kopf wahrscheinlich ebenfalls sehr starke persönliche Vorlieben einbringt und das bisherige entweder zu erheblichen Teilen einreißen und neu planen wird, oder aber wahrscheinlich über kurz oder lang das Weite suchen wird, weil er das Gegebene haßt.

                                                    Die Folge davon: Es bilden sich teilweise regelrechte Diven heraus (man kann auf jeder Konferenz einige solche Prachtexemplare treffen). Solche Leute hältst du nicht, weil es in der Firma frisches Obst und einen Kicker für die Pause gibt. In meinem Unternehmen herrscht eine relativ lockere Kultur - lange Haare und eine aus der Jugend mitgebrachte und nie abgelegte Angewohnheit, Black-Metal-Bandshirts zu tragen, interessieren keinen. Mit den richtigen Fähigkeiten kommst du aber mit dem Aussehen auch in Läden rein, bei denen der Rest Anzug und Krawatte trägt. Und dann ist es auch nicht mehr egal, ob du ein Projekt magst oder nicht.

                                                    Netflix konkurriert übrigens nicht mit Open-Source-Projekten wie FreeBSD. Sie nutzen es „nur“ für ihre Infrastruktur und haben verstanden, daß sie damit ganz gut fahren, wenn sie sich beteiligen. Auch weiß ich nicht, wie du darauf kommst, daß sie die wichtigen Teile des Codes behalten hätten. Die Menschen, die FreeBSDler und Netflix-Angestellte sind sprechen meines Wissens nicht mit zusammengebissenen Zähnen über die Zusammenarbeit. Es ist wohl eher so gewesen, daß Netflix in der Vergangenheit Dinge angeboten hatte, die zu speziell waren und deswegen nicht in FreeBSD eingeflossen sind.

                                                    Bezüglich des Sponsorings sind wir uns einig, wie ich sehe: Es zahlt sich auch für einen profitorientierten Konzern aus, eine Open-Source-Gemeinde zu unterstützen, obwohl die Lizenz ausdrücklich nicht dazu zwingt. :up:

                                                    Linux -> BSD: Ich habe gesagt, daß die Unzufriedenheit im Linux-Lager erkennbar ist und daß einige der Radikalsten sogar den Absprung vorbereiten. Es ist übrigens kurz davor auch das Gegenteil passiert: FreeBSDler, die sich jahrelang um Beastie auf dem Desktop bemüht haben, schmissen hin und gingen zu Linux, weil sie in erster Linie die Treibersituation leid waren.

                                                    Da die Lizenzierung einer der Vorteile der BSDs ist, bin ich etwas verwirrt, warum Du diesen nun als Nachteil aufführst.

                                                    Bei der Langzeitperspektive sind wir beieinander: Es hat Firmen gegeben, welche sich von der Freiheit der Lizenz haben locken lassen und dann eine dumme Entscheidung getroffen und ihr Projekt geschlossen haben. Bestes Beispiel ist Juniper. Kurzfristige Gier ist ein schlechter Ratgeber. Man hat zu FreeBSD 6-Zeiten oder so in der Art das System geforkt. Und das war es auch, was man mehr oder weniger noch immer hatte, als der Rest der Welt schon auf FreeBSD 9 war. Das wieder aufzuholen, muß sehr schmerzhaft und teuer gewesen zu sein.

                                                    Deswegen haben Gierige mit Verstand die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Xinuos nutzt intern die aktuellste Entwicklungsversion von FreeBSD, um beim Erscheinen einer neuen Hauptversion möglichst geringe Abweichungen zu haben. Das sind übrigens die Leute, die quasi SCO fortführen und wenn man mal einen Moment neutral über diese Firma spricht, dann bist du hier bei einem Unternehmen, das Support im Rahmen von 20+ Jahren leistet. Dagegen ist Linux mit Platzhirsch RedHat Spielzeug, da Ende diesen Jahres schon der Extended Support für RHEL Version 5 ausläuft, obwohl diese Version erst 2007 eingeführt wurde. Deine Befürchtung, daß man sich auf FreeBSD nicht verlassen könne, ist unbegründet. Banken und Firmen, die als „systemrelevant“ gelten, setzen auf BSD-Lösungen. Die Bundesdruckerei z.B. hat sich bei Genua eingekauft, einem der Hauptunterstützer von OpenBSD.

                                                    Ja, mir ist bewußt, daß Linux voll im Rampenlicht steht und über solche Dinge weniger gesprochen wird. Was aber eben nicht heißt, daß *BSD keine Sache ist. Das Gegenteil ist der Fall. Aber BSD tut in den meisten Fällen still und ruhig seine Arbeit - und wer nicht direkt damit befaßt ist, bekommt meist gar nichts davon mit. Man könnte auch sagen: In Sachen Außendarstellung sind wir ziemlich schlecht - und der König in dieser Disziplin ist NetBSD: Die machen ganz viel und reden praktisch nicht darüber. Selbst für interessierte Leute aus der größeren BSD-Gemeinschaft ist immer mal wieder die Verblüffung groß, wenn man plötzlich von Rump-Kerneln, npf und dergleichen erfährt, nachdem man den Eindruck hatte, daß das Projekt wohl bald eingeht. Aber das paßt schon.

                                                    Ich bin aber grundsätzlich bei Dir. Mein Herz gehört Open Source, und wenngleich ich es richtig finde, daß Firmen geschlossene Forks machen dürfen, sollte uns das eher anspornen noch besser zu werden. Denn letzten Endes gewinnt die Offenheit: Versuche mal nach kapitalistischer Logik „gut genug und kostenlos“ zu schlagen. Da will ich hin. Und da ist es schade, wenn sich der Pinguin vorher quasi verkauft.

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