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Thema: Neue Lizenz für Qt/Windows

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Von Anonymous am Do, 28. Juni 2001 um 20:40 #
> Serwohl [Differenzierung], aber auch auf apolitische Menschen, > wie mich, trifft
> dies zu. Viele mißdeuten leider die Apoliteia mit
> Politikunkenntnis oder Politikverdrossenheit - hingegen ist
> es korrekterweise eine Anti-Politik.


Die Ablehnung einer falschen Politik innerhalb zunehmend destruktiver Produktionsverhältnisse (man kann auch sagen Besitzverhältnisse) ist dadurch nicht automatisch richtig und konstruktiv. Innerhalb falscher Besitzverhältnisse kann es keine richtige Politik geben, es sei denn sie hat das erklärte Ziel die Besitzverhältnisse grundlegend aufzuheben.


> Als "politisch denkender" und "differenzierender" Geist,
> solltest Du Dir einmal Gedanken darüber machen, von wem die
> Golbalisierung propagiert und vorangetrieben wurde. Daraus
> impliziert sich dann auch der Sinn des Ganzen - und nicht aus
> humanistischen Fehlinterpretation im Nachhinein.


Darüber muß ich mir keine grundlegenden Gedanken mehr machen. Die Differenzierung die an dieser Stelle erforderlich ist, folgt aus dem Umstand daß das unbestrittene Vorantreiben der internationalen Arbeitsteilung (alias Globalisierung) nicht gleichzusetzen ist mit der natürlichen Entwicklung hin zur internationalen Arbeitsteilung selbst. Dieses Vorantreiben ist übrigens der historische Aspekt des Kapitalismus.

Produktivitätswachstum heißt im Kern, daß sich die zur Produktion notwendige Arbeitszeit verkürzt, das gilt grundsätzlich und ist im Kern unabhängig davon wer konkret seinen Nutzen daraus zieht. Innerhalb kapitalistischer Verhältnisse ist das wie gesagt eine dünne Oberschicht, innerhalb sozialistischer Verhältnisse kommt das Produktivitätswachstum der gesamten Bevölkerung zugute (an dieser Stelle ist wiederholt darauf hinzuweisen, daß Stalinismus und Sozialismus sich gegenseitig grundsätzlich ausschließen).
Man kann Produktivitätswachstum auch umschreiben als stetige Verbesserung des Verhältnisses zwischen gesellschaftlichem Nutzen und Aufwand. Daß im Rahmen der Globalisierung der Nutzen nur für eine kleine Minderheit steigt durch den erhöhten Aufwand der übergroßen arbeitenden Mehrheit, liegt wie gesagt nicht an der Globalisierung an sich, sondern an der kapitalistischen Nutzung. Wäre eine weitere Epoche lang die Steigerung der Produktivität innerhalb kapitalistischer Verhältnisse möglich, hätte der Sozialismus seine Daseinsberechtigung rein in der Tatsache daß anders der nächste Weltkrieg nicht zu verhindern ist.

Das Wesen des Wachstums der Produktivität liegt in der Vertiefung der arbeitsteiligen Kooperation, wobei es keinerlei Rolle spielt ob diese Vertiefung dadurch zustande kommt daß man einen Flickenteppich von Fürstentümern politisch zu einer Nation formiert, Nationen politisch zu einem Kontinent, oder Kontinente zur Weltgemeinschaft. Die Politik hinkt der ökonomischen Entwicklung stets mindestens einen Schritt hinterher.
Davon abgesehen läßt sich in der Geschichte kein einziges Beispiel finden, daß das Wachstum der Produktivität sich je hätte auf Dauer aufhalten lassen, ganz im Gegenteil. Es ist der rote Faden der sich quer durch die Geschichte hindurchzieht. Wer also der Globalisierung grundsätzlich feindlich gegenübersteht, steht der Geschichte selbst feindlich gegenüber, will Flüsse dauerhaft aufhalten oder gar rückwärts fließen lassen.

Das wiederum ist symptomatisch für jene Teile der Mittelschichten, die sich aufgrund der kapitalistischen Nutzung der Globalisierung in ihrer Existenz bedroht sehen. Sie wollen von der Geschichte in Ruhe gelassen werden, aber die Geschichte läßt sie nicht in Ruhe, sondern pufft sie bald von rechts, bald von links. In politischer Hinsicht laufen sie wie vorlaute Gartenzwerge zwischen den Beinen der historischen Gegner Arbeit und Kapital herum.


> Mit oder ohne kapitalistische Nutzung ist sie [gemeint ist die > Globalisierung] eine
> Freiheitsberaubung und Versklavung aller Menschen unter
> internationales Recht bzw. Unrecht - je nach Auslegungssache.


Welche Freiheiten könnte internationales Recht rauben, was nationales Recht nicht tut? Es kann sich nur um die Privilegien der bessergestellten Teile der Mittelschichten der Industriemetropolen handeln. Deren zentrales Merkmal ist es, daß sie dem Großkapital UND der Arbeiterbewegung feindlich gesonnen sind.


> Hypothetisch gedacht, kann ein Individuum in _einem_
> Weltstaat wegen seinem mißliebigen freiheitlichen Denken
> nicht mehr um Asyl fragen, da es nur _eine_ Rechtsprechung
> gibt, und die sagt dann entweder Strafe (Gulag) oder
> Vergebung (weitere Sklaverei).


Wessen Freiheit hinsichtlich was? Auch der Großkapitalist beruft sich auf freiheitliches Denken, und vor allem auf die Freiheit der schrankenlosen Verfügung über privates Eigentum an Produktionsmitteln. Du willst also deren Freiheit beschränken, und redest in einem Atemzug von freiheitlichem Denken? Diesen Widerspruch solltest du näher erläutern können.


> Du erhebst "soziale Gerechtigkeit" [ich hatte von sozialer > Gleichheit gesprochen, der Begriff "Soziale Gerechtigkeit" ist > äußerst dehnbar]
> geradewegs zur Religion -
> ähnlich wie Lenin. Die ideale Predigt von sozialer
> Gerechtigkeit war aber nur Makulatur, denn hinter jeder
> Forderung von Politikern stecken Absichten. Derjenige unter
> den Politikern, der wirklich anständig ist, schafft es nie so
> weit, das er unter die Riege der Globalisierer aufsteigen
> würde. Vielmehr ist der Anständige Globalisierungsgegner -
> der Freiheit willen!


Wessen Freiheit von bzw. zu was? Freiheit vom Arbeitsplatz, Freiheit von sozialen und demokratischen Rechten? Freiheit sich von andern ernähren zu lassen weil es Kapitalerträge ermöglichen nichts zu arbeiten, und die Freiheit aufgrund ökonomischer Macht politische Macht auszuüben? Die Freiheit einem Großfinanzier die Freiheit zur freien Verfügung über sein Kapital zu nehmen?

Im übrigen ist es sinnlos, moralische Kategorien (die "Anständigen") auf politische Zusammenhänge anzuwenden, da sich Politik und Geschichte - als Politik von gestern - nicht innerhalb moralischer Kategorien vollziehen. Das ist nur die Illusion bürgerlicher Frömmler, mehr nicht.

Die Forderung nach Gleichheit stellt sich bewußt in die Tradition aller fortschrittlichen sozialen Bewegungen. Schon während der Reformation und der Bauernkriege im 16. Jahrhundert trat neben den Wortführern des aufstrebenden Bürgertums eine mit den Volksmassen verbundene Strömung auf, die die Forderung der Gleichheit nicht auf die politischen Rechte beschränkte, sondern sie auch auf die gesellschaftliche Lage des Einzelnen bezog; nicht bloß die Klassenprivilegien sollten aufgehoben werden, sondern die Klassenunterschiede selbst.

In Deutschland war ihr herausragender Vertreter Thomas Münzer. In der französischen Revolution trat dann der Gegensatz zwischen der formalen Gleichheit vor dem Gesetz, die vor allem den Begüterten zustatten kam, und der wirklichen, sozialen und ökonomischen Gleichheit deutlich zutage. Die Verfechter der sozialen Gleichheit wie Babeuf und seine "Verschwörung für die Gleichheit" wurden unterdrückt. Aber in den Klassenkämpfen, die in den folgenden Jahrzehnten Frankreich erschütterten, schleuderte das Proletariat der Bourgeoisie stets wieder den Schlachtruf der Gleichheit entgegen.

> Die Globalisierung wurde von der internationalen Hochfinanz
> vorangetrieben, um die Abhängigkeit der Staaten im
> Internationalen zu steigern, durch verminderte Barrieren ein
> wirtschaftliches Ungleichgewicht zu schaffen, um geringere
> Kosten durchzusetzen und dadurch längerfristig den Profit zu
> steigern. Die Globalisierung hat keine humanistischen Ziele,
> sondern rein ökonomisch-politische.


Du verwechselst hier Ursache und Wirkung und denkst allzu voluntaristisch, mal davon abgesehen daß die Globalisierung selbst keine Ziele haben kann, Ziele und Interessen haben Menschen; die wirtschaftliche und damit politische Abhängigkeit der Länder untereinander ist die Folge des durch die kapitalistische Wirtschaftsweise des vergangenen Jahrhunderts enorm beschleunigten Wachstums der Produktivität. Daß die Nutzung nach wie vor unter der Leitlinie der Profitmaximierung vollzogen wird, liegt nicht an der natürlichen Tendenz zur Internationalisierung der Produktion.

Kosten sind die Summe der in einem Produkt enthaltenen Arbeitszeit. Eine Steigerung des Profits bei gleichzeitig fallender mittlerer Profitrate (alias ‘Rendite’, also das auf ein Jahr bezogene Verhältnis zwischen Profit und dazu eingesetztem Kapital) bedeutet, daß es den unteren sozialen Schichten beschleunigt an den Kragen geht, und der traditionelle politische Puffer, die Mittelschichten, zunehmend am unteren Rand nach unten wegbrechen. Die Politik der offiziellen Linken von der SPD über die PDS bis hin zu den Gewerkschaften treibt die Verzweifelten in die Arme der Nationalisten.


> Im Sinne der Globalisierer kann man nur für die
> Globalisierung sein, um sich vom profitablen Kuchen etwas
> rauszuschneiden. Im Sinne der Menschlichkeit und des
> Anstandes kann man nur Gegner davon sein, weil die
> Globalisierung kein Gleichgewicht herbeiführt, sondern deren
> Gegenteil. Mal davon abgesehen, daß die Globalisierung
> bereits seit einigen Jahrzehnten defacto abgeschlossen ist.


Von Menschlichkeit und Anstand zu sprechen sobald es einem selbst unweigerlich an die private Schatulle geht, aber zur asozialen Brutalität und zum eiskalten Zynismus kapitalistischer Verhältnisse zu schweigen solange das nicht der Fall ist, ist ein nicht gerade untypisches Merkmal weiter Teile der Mittelschichten. Dafür gibt es ein Wort, und das heißt scheinheilige Heuchelei.


> Genau, und bevor man Phrasen weiterplappert, sollte man sich
> selbst darüber Gedanken gemacht haben, ob man denn selbst
> genügend differenziert.

Dem ist nichts von Bedeutung hinzu zu fügen.

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