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Thema: Wie lange sind Sie schon bei der gleichen Distribution?

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Von Randy Andy am So, 16. Dezember 2012 um 16:06 #

Und zwar konsequent und von Anfang an! (Nichts für Leute bei denen alles OOTB gehen soll)

Abhängig von der konzeptionellen Auslegung der Distribution, stößt man gelegentlich früher oder später an Grenzen, die es einem schwer bis unmöglich machen, gewisse Wünsche oder Änderungen umzusetzen.
Beispielsweise weil diese Vorhaben mit dem Konzept der Distribution, dem Paketmanager, oder den implementierten Automatismen kollidieren, oder sich damit schlicht und ergreifend nicht umsetzten lassen.

Das ist dann häufig, so wie vom Autor der Umfrage kurz aber sehr schön beschrieben, der Moment an dem viele gewillt sind bei einer anderen Distro ihr Glück zu versuchen.

Nach der Installation beschränken sich die meisten User auf die weitere Paketauswahl, oder auf die Auswahl und Konfiguration von Diensten und nehmen somit billigend, oder in Unkenntnis der erweiterten Möglichkeiten in Kauf, dass ihr System ansonsten fremdbestimmt wird.

Somit hören sie gerade dort auf, wo sich Linux am stärksten von unfreien BS (Betriebs-System) abhebt, und wo es eigentlich seinen Ursprung und seine größten Stärken hat, nämlich in der individuellen Anpassbarkeit an besondere Bedürfnisse, oder an die verwendete Hardware.

Betrachtet man die Quellpakete als Ursprung, so sind diese vollständig und beinhalten einen gewissen Funktionsumfang und Abhängigkeiten. Einige davon sind zur korrekten Funktion zwingend erforderlich,
andere sind optional und lassen sich durch zu übergebende Parameter an- oder abwählen.
Eine Regel, über die standardmäßig aktivierten oder deaktivierten Features, lässt sich nicht ableiten und wäre daher stets individuell zu prüfen, um davon Kenntnis zu erlangen (siehe auch ./configure –help).

Das vergleichbare Binär-Paket könnte dagegen in seiner Funktionalität beschnitten worden sein, indem bestimmte unterstützte Features abgeschaltet wurden.
Unterm Strich sind jedoch meist viele Features aktiviert, die häufig gar nicht benötigt werden, dafür jedoch eine Menge an ungenutzten Abhängigkeiten nach sich ziehen.
Diese belegen nicht nur ungenutzten Platz, sondern sie müssen auch teilweise mit geladen werden, was den Speicherbedarf und die Ladezeit erhöhen kann. Auch können sie bei ungünstiger Vorkonfiguration zusätzliche Sicherheitslücken aufwerfen.

Oft wird gerne auf den wichtigen Aspekt von Open-Source-Software hingewiesen, sich der Quellen bedienen zu können, diese nach belieben zu sichten, zu studieren, und verändern zu dürfen.
Doch wie viele User machen von diesem Grundrecht der Selbstbestimmung Gebrauch?

Viele sagen sie brauchen die Quellen nicht, denn sie wollen nichts programmieren, oder sich nicht mit Programmierung auseinander setzten.
Jedoch von der einfachsten Art der Nutzung der Quellen, nämlich der Anpassung an eigene Bedürfnisse oder eigene Hardware, wird von kaum einem User Gebrauch gemacht.

Dabei ist gerade diese Möglichkeit und Freiheit, für mich eines der technischen und rechtlichen Abgrenzungsmerkmale gegenüber proprietären BS, und daher als besonders erstrebenswert anzusehen.
Ich frage mich manchmal, warum nicht mehr Open-Source-User von diesen erweiterten Möglichkeiten der Einflussnahme Gebrauch machen, statt sich lediglich auf die Auswahl von zu installierenden Programmen zu beschränken.
Geschieht dies
1. aus Bequemlichkeit oder der Überzeugung, dass der Mehraufwand die Mühe nicht wert sei oder
2. lediglich in Unkenntnis der vielfältigen Möglichkeiten selbst über die Fähigkeiten seines Systems bestimmen zu können?

Trifft auf euch ersteres zu, dann werdet ihr vermutlich nicht zu Gentoo finden.
Trifft jedoch eher letzteres zu und ihr erkennt darin einen Mehrwert für euch, dann werden euch die Hürden der Installation hoffentlich nicht davon abbringen, zu eurem ganz persönlichen Wunschsystem zu gelangen.
Voraussichtlich werdet ihr euer System dabei genauer kennen lernen als je zuvor und gleichzeitig viele allgemeingültige Linux-Kenntnisse erwerben.

Wer mit Gentoo beginnt, lernt Linux! (und wird nicht, wie bei vielen anderen Distributionen, nur deren spezifische Kenntnisse erwerben).

Natürlich braucht man Einmalig deutlich mehr Zeit zur Einarbeitung, aber danach wird alles Einfacherer und nach und nach entdeckt man die Möglichkeiten und Vorteile dieses Frameworks zum Bau seines eigenen Systems, das dem geneigten User mehr Freiheiten und Möglichkeiten bietet, als jede andere Distribution.

Larry sagt: Nur der beschwerliche Pfad führt zu einer höheren Stufe der Erkenntnis.

P.S. Bevor ich 2007 endlich Gentoo für mich entdeckte, habe ich ca. 30 verschiedenen Distributionen getestet, erst dann hörte endlich das Distro-gehoppe auf ;-)
Gruß, Andy.

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