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Thema: Braucht eine grafische Oberfläche Netzwerktransparenz?

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Von Christoph Bartoschek am So, 21. November 2010 um 13:46 #

Bei uns im Institut wird die Netzwerkfähigkeit von X11 stark genutzt.

Wir haben drei Loginrechner, an die sich alle Leute anmelden können. Die Anmeldung geschieht über Igel X11-Thin-Clients (ungefähr 50 Stück). Keiner hat einen eigenen PC. Die Vorteile liegen bei der Wartung, beim einheitlichen Softwarestand und bei der Geschwindigkeit.

Das ist die erste Anwendung für Netzwerkfähigkeit, bei der es aber auch ausreicht, den ganzen Desktop zu verteilen. Hier muss ich aber auch sagen, dass ich von VNC oder NX nicht begeistert bin. Zwar haben diese den Vorteil, dass eine Session einen Clientabsturz überlebt, aber es gibt ständig Darstellungsfehler oder -artefakte. Im LAN empfinde ich beide langsamer als natives X11.

Dann gibt es eine Menge von Rechenrechnern, auf denen sich jeder einloggen kann und unsere Anwendungen starten kann. Hier wird extensiv die Möglichkeit genutzt die graphische Oberfläche einer Anwendung auf den Loginscreens anzeigen zu lassen.

Das ist die zweite Anwendung für die Netzwerkfähigkeit von X11, die ich nicht missen möchte. Vor allem möchte man nicht auf jedem Rechenrechner eine eigene Session starten oder ähnliches. Egal, was eine Neuentwicklung bringt, sowas sollte ohne dedizierten Server ganz einfach funktionieren.

Noch was zur Geschwindigkeit. Ich habe das Gefühl, dass die Netzwerkunterstützung bei X11 und den Anwendungen schon länger leidet. Wir hatten mit KDE 3.4/5 und den damaligen X11-Versionen (war es noch XFree86?) überhaupt keine Probleme. Der Desktop war übers LAN so schnell wie auf einem lokalen Rechner. Mit KDE 4 und neueren X.org-Versionen ist der Desktop übers Netzwerk kaum nutzbar. Alles ist unendlich träge, Fenster werden nur langsam neugemalt, Input per Maus oder Tastatur verzögert sich.

Bei uns sind alle Anwender weg von KDE hin zu XFCE. Das ist der einzige brauchbare Desktop. GNOME ist noch schlimmer als KDE 4. Anwendungen wie Firefox oder Thunderbird sind fürchterlich. Selbst IceWM macht einen langsamen Eindruck. Wenigstens liegt es nicht direkt an den Anwendungen. So sind kdevelop und konqueror unter XFCE schnell genug.

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    Von hennes am Mo, 22. November 2010 um 02:21 #

    Sicher, wenn die Clients so dünn sind, dass da nichtmal Anwendungsprogramme drauf sind, liegt X11 design-bedingt vermutlich im Vorteil. Allerdings glaube ich, dass dieses Problem bald obsolet wird. Immer mehr Anwendungen werden als Webanwendung geschrieben, weil das einfach noch mehr Flexiblität verspricht und sich die Wartung nochmals vereinfacht.

    >Wenigstens liegt es nicht direkt an den Anwendungen. So
    >sind kdevelop und konqueror unter XFCE schnell genug.
    Wohl eher am X11. Die Oberflächen von Firefox, Thunderbird und KDE sind aufwändig zu rendern. KDE4 macht es so gesehen nur noch "schlimmer". XFCE ist von der Oberfläche eher einfach bestückt.

    Mal abgesehen davon habe ich letztens in einem Artikel gelesen, dass die meisten modernen Programme für X11 das Rendering fast vollkommen selbst übernehmen und vereinfacht gesprochen nur noch Bitmaps an X11 senden. Aus dem einfachen Grund, weil X11 nur für GUI-Elemente aus den frühen 90ern optimiert ist. Dementsprechend wurde auch argumentiert, dass das Argument mit der Netzwerktransparenz hinfällig sei.

    BTW: Bist du sicher, dass X11 resp. VNC bei euch optimal konfiguriert sind?

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      Von unreal am Mo, 22. November 2010 um 15:55 #

      Eine Webanwendung kann nur bedingt X11 Programme ersetzen.

      Für einen Linux/UNIX/BSD Admin ist ein simples "ssh -X" einfach nicht zu ersetzen! Ohne die Kombination von ssh und X11 funktioniert einiges an Remoteadministration nicht mehr oder nur über viel schlechtere Alternativen.

      Auch wenn die Implementation vielleicht nicht zeitgemäß ist, so wird die Funktionalität täglich millionenfach verwendet.

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      Von Christoph Bartoschek am Mo, 22. November 2010 um 22:20 #

      Ich denke auch, dass sich Webanwendungen weiter verbessern und durchsetzen. Der Browser tritt bald so in den Hintergrund, dass man nur noch das Webanwendungsfenster hat.

      Und siehe da, wir haben X neu implementiert. Statt auf dem X11-Protokoll basiert es dann auf HTTP, XML und JavaScript. :)

      Die Geschichte der IT ist schon immer nur alter Wein in neuen Schläuchen gewesen.

      Ob unser X11 oder VNC optimal konfiguriert sind, kann ich nicht sagen. Aber ich denke, dass man bei X11 nicht viel falsch machen kann. VNC ist ein teuflisches Biest und da möchte ich keine Hand ins Feuer legen.

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