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So, 18. Juni 2017, 13:13

Software::Distributionen::Debian

Debian 9.0 »Stretch« freigegeben

Nach knapp 26 Monaten intensiver Entwicklungsarbeit hat das Debian-Projekt Debian 9.0 »Stretch« veröffentlicht. Wichtige Neuerungen sind unter anderem MariaDB statt MySQL, Firefox statt Iceweasel und Fortschritte bei Reproducible Builds.

Software in the Public Interest

Debian 9 ist dem im Dezember 2015 verstorbenen Debian-Gründer Ian Murdock gewidmet. Für die Benutzer ist die wohl größte Neuigkeit in Debian 9 die umfassende Aktualisierung der Pakete. Für verschiedene Nutzergruppen sind viele bedeutende Änderungen im Vergleich mit dem vor fast 26 Monaten veröffentlichten Debian 8 »Jessie« vorhanden. Eine der wichtigsten davon ist, dass MariaDB 10.1 statt MySQL verwendet wird, wobei MySQL auch bei einer Aktualisierung ersetzt wird. Dieser Wechsel soll reibungslos vor sich gehen.

Firefox und Thunderbird kehren unter ihren ursprünglichen Namen zu Debian zurück, nachdem Debian zehn Jahre lang modifizierte Versionen als »Iceweasel« und »Icedove« einsetzte. Der Aufwand zur Pflege der eigenen Versionen war nicht mehr tragbar und wurde unnötig, nachdem beschlossen worden war, bei den Webbrowsern aus Sicherheitsgründen immer die neueste Version einzusetzen und damit die Stabilität unterzuordnen.

Dank des Reproducible-Builds-Projekts sind über 90% der Quellpakete, welche in Debian enthalten sind, nach dem Eigenbau Bit für Bit identisch mit den Binärpaketen. Das ist wichtig, wenn es darauf ankommt, dass die Anwender verifizieren können, dass ein bestimmter Stand von Quellcode und Werkzeugen zu einem exakt identischen Binärpaket führt. Mehr Sicherheit gibt es auch bei X11, das jetzt ohne Root-Berechtigungen läuft. GnuPG wurde aktualisiert und bringt bessere Kryptografie mit elliptischen Kurven, bessere Voreinstellungen und verbesserte Smartcard-Unterstützung.

Die Unterstützung für UEFI wurde erweitert und ermöglicht die Installation mit einem 64-Bit-Kernel jetzt auch auf 32-Bit-UEFI. Die Debian-Live-Abbilder unterstützten jetzt ebenfalls das Booten mit UEFI.

Die Distribution enthält jetzt über 51.000 Pakete, die aus knapp 25.000 Quellpaketen erstellt wurden. Bedingt durch die Anfang November 2016 eingeläutete Stabilisierungsperiode, in der alle Pakete eingefroren wurden, gibt es in Stretch nur wenige Pakete, die jünger als sieben Monate sind. Dies kommt jedoch allen Benutzern zugute, die Stabilität und wenige, nur absolut notwendige Updates wünschen. Neuere Software lässt sich bei Bedarf über die offiziellen Backports-Repositorien, externe Repositorien, Pakete aus dem Entwicklungszweig von Debian oder andere Methoden auf das System holen.

Der Standard-Desktop von Debian 9.0 ist Gnome 3.22. Zahlreiche weitere Desktopumgebungen und Window-Manager stehen zur Verfügung, darunter KDE Plasma 5.8 mit den KDE-Anwendungen 16.08 und den PIM-Anwendungen 16.04, Xfce 4.12, Mate 1.16 und LXDE. Eine Auswahl der angebotenen Pakete ist Apache 2.4.25, Asterisk 13.14.1, Mozilla Firefox 45.9, GIMP 2.8.18, GNU Compiler Collection 6.3, Go 1.7, LibreOffice 5.2, MariaDB 10.1, OpenJDK 8, Perl 5.24, PHP 7.0, PostgreSQL 9.6, Python 2.7.13 und 3.5.3, Samba 4.5, Mozilla Thunderbird 45.8 und Ruby 2.3.

Debian 9 unterstützt wie Debian 8 offiziell zehn Architekturen, wobei die 32 Bit PowerPC-Plattform aufgegeben, dafür aber mips64el (64 Bit MIPS Little Endian) hinzugenommen wurde. Weiter unterstützt werden x86 in 32 und 64 Bit, IBM S/390 (64 Bit), MIPS 32 Bit in Big- und Little-Endian-Konfigurationen, armel und armhf für 32 Bit ARM-Systeme und 64 Bit ARM. Zu beachten ist allerdings, dass x86-Prozessoren der 586-Klasse (teils mehr als 18 Jahre alt) nicht mehr unterstützt werden.

Der Kernel ist in den Linux-Varianten von Debian 9 Linux 4.9. Wo es für die Unterstützung neuer Hardware nötig ist, wurden allerdings Treiber aus neueren Kernel-Versionen zurückportiert. Weitere Einzelheiten enthalten die umfangreichen Anmerkungen zur Veröffentlichung.

Debian 9.0 enthält über 75 Übersetzungen und ist in Form zahlreicher verschiedener Installationsmedien verfügbar. Auch offizielle OpenStack-Images stehen bereit. Anwender, die bereits Debian 8 einsetzen, können ihr System mittels APT aktualisieren. Debian 9 wird dank der erfolgreichen LTS-Initiative wie schon seine drei Vorgänger für drei Jahre vollständig und weitere zwei Jahre mit Einschränkungen unterstützt.

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