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So, 29. Oktober 2006, 00:00

GPL: Marktdurchdringung ist kein Wert an sich

Kommentar zu GPL in Deutschland vor Gericht durchgesetzt:

Ich glaube nicht das bei der BSD Lizenz ein Konstruktionsfehler vorliegt. Ich denke es war beabsichtigt das auch "Codeklauer" damit Geld verdienen können.

Man könnte auch sagen, das dies die wahre Freiheit ist.

Übrigens kann mit GPL Software auf ähnlicher Weise Geld verdient werden. Was machen denn die Distributoren auch wenn das jetzt etwas überspitzt ist. Es wird niemand daran gehindert GPL Software zu verkaufen. Sie müssen nur die GPL einhalten, was bedeutet die Lizenz mitliefern und dürfen die Hinweise auf die GPL im Code nicht entfernen.

Der wesentliche Punkt der GPL ist ein anderer: Unter der GPL muß man den Quelltext - so wie er verwendet worden ist, um das eigene Produkt zu bauen - mitliefern. Mit allen Rechten und gegebenenfalls mit allen Tools, die dazu notwendig sind.

Bei der GPL geht es nicht um Geld - es ist vollkommen egal, ob das Produkt, das Du gebaut hast, von Dir für Geld verkauft wird, oder ob Du für Geld Support dazu verkaufst oder was auch immer. Wenn Du in Deinem Produkt aber (im selben Prozeßraum) GPL-Code verwendest, dann muß Dein Produkt auch unter der GPL stehen und um der GPL zu genügen, mußt Du den Quelltext und die Werkzeuge zum Bauen mitliefern.

Die GPL ist die sich selbst schützende Allmende: Du darfst Code aus dem Gemeinschaftspool für Deine Zwecke frei verwenden, aber nur, um damit wieder Code zu erzeugen, der hinterher unter genau denselben Rechten Bestandteil des Pools wird.

Die Allmende, Commons, war die Gemeinschaftsweide des Dorfes. Jeder kann dort seine Kühe weiden. Die Allmende hat nicht funktioniert, weil sich alle erst dort bedient haben, bevor sie ihr Vieh auf die eigenen Weiden getrieben haben. Das ist genau das Szenario der BSD-Lizenz.

Die GPL ist anders: Grase auf der Weide der freien Software, aber wenn Du das tust, kommen Deine Milch, Dein Schinken und der Dung Deiner Kühe auch in diese Allmende. Darum funktioniert die GPL. Sie ist nachhaltig.

Die kooperative und die kompetetive Welt können nicht zusammen existieren, ohne daß die Regeln der kompetetiven Welt die kooperative Welt zerstören. Darum trennt die GPL im Gegensatz zu allen anderen Open-Source-Lizenzen beide Welten und darum ist die GPL die einzige Open-Source-Lizenz. die vor dem kompetetiven Lager bestehen kann.

Jörg Möllenkamp führt unsere Diskussion ebenfalls weiter. Er schreibt in GPL-Durchsetzung und die Folgen unter einem kompetetiven Gesichtspunkt:

Es ist klar, das ein System nicht notwendigerweise offener wird, wenn sich dort verschiedene nicht freigegebene Module tummeln. Es ist allerdings ein Trugschluss, das man einen Hersteller durch die GPL in die Offenheit zwingen kann.

Das ist das Mißverständnis: Die GPL will niemanden zu irgend etwas zwingen. Sie will nur trennen. Die GPL sagt nicht: »Du mußt offen/frei/whatever sein.« Sie sagt: »Wenn Du unseren Code nutzen möchtest, was Du nicht mußt, dann mußt Du das zu unseren Bedingungen tun.« Das ist ganz genau das, was jede andere Lizenz auch sagt. Die GPL nennt außerdem diese Bedingungen vorab, wie jede andere Lizenz auch. Es gibt keine Überraschungen, keine Lizenzbedingungsänderungen und es gibt insbesondere keinen Zwang zu irgendwas. Es gibt allerdings eine Handvoll ausgezeichneter wirtschaftlicher und ethisch-moralischer Argumente, die dafür sprechen. Aber das ist eine ganz andere, und vollkommen ungezwungene Diskussion.

Die GPL will niemanden in die Offenheit zwingen. Sie will nur die Spielregel klar machen. Die Spielregel ist ganz simpel: Quid pro quo. Unter der GPL ist es nicht möglich, Code aus der Allmende zu nehmen und etwas Propietäres damit zu machen. Und anders herum: Es ist möglich, etwas Propietäres zu machen, aber dann nicht mit GPL-Code.

Es ist lediglich Gier angesichts der überwältigenden Menge von GPL-Code von teilweise wirklich ausgezeichneter Qualität, die manche Menschen oder Firmen glauben läßt, sie könnten an diesem Pool teilhaben, ohne sich an die Spielregeln halten zu müssen. Diese Leute müssen lernen, daß dieser Pool von lohnenswertem Zeug nur deswegen existiert, weil all den Gierhälsen, die glauben, sie könnten hier betrügen, mit der ganzen Härte des neu verschärften Urheberrechts auf ihre Spuddelfinger gehauen wird.

Wenn man natürlich ein Geschäftskonzept so baut, daß es ohne einen solchen Betrug nicht funktioniert, dann bedeutet das, daß man ohne den GPL-Code kein Produkt hat. Das ist aber kein Zwang von Seiten der GPL, sondern die Dummheit desjenigen Kriminellen, der hier seinen Teilhabern und sich selbst in die Tasche gelogen hat. Ich habe da nicht wirklich Mitleid - nicht mit Sony, die in ihrem Rootkit (L)GPL-Software illegal verwendet haben, nicht mit Microsoft, die geknackte Software zum Erzeugen von Windows-Sounddateien verwendet haben und auch nicht mit - wieder - Sony, die aus Wikipedia Content lizenzwidrig verwenden.

Es sind diese Dinge, gegen die die GPL und in Grenzen die LGPL wegen ihrer einzigartigen Konstruktion schützen helfen.

Sehen wir es doch mal realistisch, wie gross ist den die Gruppe jener Menschen die in der Lage und Willens ist, auf einem Handy oder einem Router den Kernel auszutauschen.

Die Größe der Gruppe der Menschen ist aus der Sicht der GPL vollkommen irrelevant. Die meisten Leute wissen ja auch nicht, was ein Rootkit ist. Die GPL zwingt auch niemanden, mit dem Code, auf den man Zugriff hat, etwas zu tun. Sie eröffnet Möglichkeiten, und darauf kommt es an.

Ich habe zum Beispiel mal ein Servermodul für einen Netscape-Webserver schreiben müssen. Das hat natürlich nicht funktioniert, und zwar unter anderem auch deswegen, weil die API-Dokumentation und die tatsächliche API des Servers nicht übereinstimmend waren. Diese API-Diskrepanz nachzuweisen, war sehr sehr schmerzhaft. Ich habe natürlich erst einmal mich selbst für zu dumm gehalten, bevor ich Azundris' Grundregel des Debuggings angewendet habe (»Wenn Du den Fehler nach 30 Minuten nicht gefunden hast, ist es wahrscheinlich nicht Dein Fehler, sondern ein Fehler in der Bibliothek oder im Compiler.«). Diese Sorte Problem kann man mit der GPL prinzipbedingt nicht haben (genaugenommen reicht für diese Sorte Problem schon die Sorte Look-But-Don't-Touch-Lizenz aus, die Microsoft so favorisiert).

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