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Di, 25. Oktober 2005, 00:00

Linux-Kongress 2005 in Hamburg

Zum 12. Internationalen Linux-Kongress trafen sich Linux-Entwickler aus aller Welt in Hamburg. Viele interessante Entwicklungen und Trends, vor allem aus dem Kernel-Bereich, gab es zu erfahren.

Der Eingang der Universität Hamburg

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Der Eingang der Universität Hamburg

Vorwort

Gastgeber des diesjährigen Linux-Kongresses war die Universität Hamburg. Der Kongress und die begleitende Ausstellung fanden im Hauptgebäude statt, sehr verkehrsgünstig gegenüber dem Fernbahnhof Hamburg-Dammtor gelegen. Traditionell sind immer Universitäten die Gastgeber des Kongresses, da so die Open Services GmbH, die Tochterfirma der GUUG (German Unix Users Group), die die Veranstaltung organisiert, die Kosten relativ niedrig halten kann. Zudem sind alle Universitäten eifrige Nutzer von Linux und tragen auch oftmals neue Entwicklungen zu Linux bei.

Im Hauptgebäude der Universität befinden sich zwei Hörsäle, die zwar recht klein sind, für den diesjährigen Kongress jedoch ausreichten. Das angrenzende Foyer wurde für die Organisation, als Pausenraum und für die Ausstellung, die die Bezeichnung »Linux Business Tage« nur bedingt verdiente, genutzt.

Der erste Kongress-Tag

Nach zwei reinen Tutoriums-Tagen, die von über 120 Lernwilligen besucht wurden, begann der eigentliche Kongress am Donnerstag, den 13. Oktober 2005, um 10 Uhr mit einigen organisatorischen Hinweisen und der Keynote. Die Keynote wurde von Olaf Kirch gehalten, der als Co-Autor des Linux Network Administrator's Guides ebenso wie durch seine Arbeit im Security-Team von SUSE sowie Vorträge bekannt wurde. Er machte einen kurzen Streifzug durch die Linux-Geschichte, um dann auf einige Tendenzen der Kernel-Entwicklung einzugehen, die seiner Meinung nach in der nahen Zukunft die größte Bedeutung haben werden. Der Schwerpunkt wird auf Multicores und Energieverwaltung liegen. Ersteres ist klar, da in Zukunft nahezu alle Systeme mehrere CPUs haben werden. Power Management bezieht sich nicht nur auf die CPUs, sondern auch auf die ganze Peripherie, und hier gibt es noch genug zu tun, auch wenn vieles schon sehr gut funktioniert.

Kirch sieht die Zukunft durch mehr Hardware (mehr Komponenten pro System) geprägt, wobei die Diversität allerdings abnehmen wird. Der Kernel wird stetig weiterentwickelt, wobei es viele Wünsche gibt, was noch alles in den Kernel Einzug halten soll. Nicht alles wird aber tatsächlich aufgenommen werden. Aus Sicht der Systemwartung und des Debuggings, was u.a. auch für den Einsatz in Datenzentren von Bedeutung ist, werden noch verschiedene Dinge am Linux-Kernel vermißt: Performance/Health-Monitoring, Profiling von Subsystemen, eingebaute Debug-Features, Instrumentation eines Kernels zur Laufzeit und Crash-Dumps. Alle diese Features sind in Entwicklung oder schon verfügbar, sie waren auch Gegenstand mehrerer der nachfolgenden Vorträge.

Aus Sicht der Benutzer bietet der Kernel bereits alles Nötige und läuft sehr zufriedenstellend. Wenn es Probleme gibt, dann liegen diese meist in der Anwendungssoftware.

Den ersten Vortrag des Tages hielt Alan Robertson über »Linux-HA 2.0.« Die zweite Version der Hochverfügbarkeits-Software für Linux ist, wie es bereits der Titel des Vortrags ausdrückte, laut Robertson »Weltklasse« und ermöglicht nun hochverfügbare Cluster mit mehr als zwei Rechnern. Nach einer allgemeinen Einführung in Hochverfügbarkeit stellte Robertson die Features von Linux-HA 2.0 vor. Das Linux-HA-Projekt existiert schon lange, seit 1999 ist die erste Version der Software bereits produktiv einsetzbar. Parallel dazu referierte im anderen Hörsaal Jeffrey Moyer über die Programmierung mit dem Netpoll-API.

Philipp Reisner stellte im anschließenden Vortrag die Neuheiten von DRBD Version 8 vor. Die Änderung der Versionsnummer von 0.7 auf 8 war natürlich nicht die größte Änderung, sie trägt nur der Tatsache Rechnung, daß DRBD seit Jahren im produktiven Einsatz ist. Im parallelen Vortrag beleuchtete Dr. Peter Bieringer den Status von IPv6 in Linux. Und der scheint gut zu sein, jedoch fehlt wichtigen Applikationen im Intranet-Einsatz noch die IPv6-Unterstützung.

Nach der Mittagspause stand noch ein Marathon von vier Vorträgen auf dem Plan, nur durch eine halbstündige Kaffeepause zur Kommunikation mit den anderen Teilnehmern unterbrochen. Dr. Hannes Reineke stellt udev im Detail vor, das noch recht neue System zur Erstellung von dynamischen Devices. Im Zusammenspiel mit dem Hotplug-System des Kernels löst es alle Hotplug- und Coldplug-Probleme und ist effizienter als die frühere Hotplug-Implementierung. Denn Events, die der Kernel erzeugt, werden per Netlink bereitgestellt und von dem Daemon udevd gelesen. Der Kernel muß kein Programm mehr durch einen Fork starten, so daß diese Lösung sauberer und effizienter ist als die bisherige. Sie vermeidet auch die Fehler des letztlich gescheiterten devfs-Dateisystems. Die Init-Skripte eines modernen Linux-Systems können und sollten für die Verwendung mit udev optimiert und auf eine Event-basierte Verarbeitung umgestellt werden.

Danach stellte Heinz Mauelshagen dmraid vor. Dabei handelt es sich um eine Verallgemeinerung der früheren ataraid-Treiber von Kernel 2.4. Es ist eine neue, modulare Architektur, die viele verschiedene Software-RAID-Formate und Chipsätze unterstützt. Sie verwendet den Device Mapper als Mechanismus zum Zugriff auf die eigentlichen Devices. Neben dmraid benutzen auch LVM2 und EVMS den Device Mapper.

Nach vier weiteren interessanten Vorträgen (jeweils zwei parallel), die ich versäumte, erzählten Stefan Richter und Werner Koch von der Erstellung von Freenigma, einem Verschlüsselungs-Proxy für Emails. Wer seine Emails nicht bereits direkt im Mailclient verschlüsselt, dem sei dringend geraten, den Einsatz von Freenigma zu erwägen und möglichst alle Mails verschlüsselt zu senden. Denn es ist eine Tatsache, daß alle Emails im Internet mitgeschnitten und vermutlich dauerhaft gespeichert werden. Wer denkt, ihm könnte das nicht schaden, lügt sich etwas vor.

Anschließend war Eile angesagt, denn es ging zum Geselligen Abend (Social Event), den die ersten 80 Teilnehmer per Boot erreichen konnten. Von der Uni nahm daher sofort nach dem Vortrag eine Kolonne von Teilnehmern den Fußmarsch zur Außenalster auf, wo das Boot bereits zur Abfahrt bereit wartete. Es wurde die Außenalster überquert, um anschließend im nächtlichen Hamburg ein Fleet zu durchfahren und nach etwa 30 Minuten den Veranstaltungsort, das Museum für Arbeit, zu erreichen. Die Rückfahrt war übrigens bequem per S-Bahn möglich. Neben dem warmen Büffet galt das Interesse der Hacker besonders den Ausstellungsstücken wie beispielsweise den Münzprägeapparaten, die unter Anleitung auch benutzt werden konnten. Ebenso begeistert wurde die Ausstellung zur Geschichte der Drucktechnik aufgenommen, die eine über 90 Jahre alte Linotype und zwei Heidelberger-Druckmaschinen umfaßte, alle voll funktionsfähig.

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