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Mo, 16. August 2010, 16:11

Software::Kernel

Linux-Kernel 2.6.36 tritt in die Testphase ein

Linux-Initiator Linus Torvalds hat die Kernel-Version 2.6.36-rc1 freigegeben, die unter anderem AppArmor und das Infrarot-Subsystem integriert.

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Linux Foundation

Linus Torvalds, Initiator des Linux-Kernels

Der Patch, der Linux 2.6.35 auf den Stand der aktuellen Testversion bringt, umfasst über 8000 einzelne Änderungen, die jeweils eine oder mehrere Dateien betreffen. Eine offizielle Ankündigung der Testversion durch Linus Torvalds erfolgte bisher nicht. Wie schon in den letzten Versionen dürften etwa zwei Drittel aller Änderungen einzelnen Gerätetreibern zuzurechnen sein. Es gab aber auch weitreichendere Änderungen.

Als wichtigste Änderung kann die Integration von AppArmor in den Kernel gelten, nachdem dieses Sicherheitssystem jahrelang außerhalb des Kernels existierte. Zu TOMOYO, einem bereits integrierten Sicherheitssystem, wurde als wichtige Neuerung ein interaktiver Modus hinzugefügt, bei der Richtlinienverstöße von Programmen vom Administrator zur Laufzeit erlaubt werden können. Es soll unter anderem Updates im laufenden Betrieb erleichtern.

Die zweite große Neuerung ist die Integration des Infrarot-Steuerungs-APIs sowie einer langen Liste von LIRC-Treibern. Somit wird das viele Jahre separat vom Kernel entwickelte Infrarotsteuerungs-Subsystem LIRC nun Bestandteil des offiziellen Kernels.

Das Dateisystem CIFS kann nun den noch jungen FS-Cache verwenden, um lokale Kopien von Dateien zu halten und somit den Zugriff zu beschleunigen. Das Dateisystem ext3 wird nun standardmäßig wieder mit der sichereren Option »data=ordered« gemountet, eine Einstellung, die die Distributoren ohnehin vorzogen.

Der wakeup_count-Mechanismus von Rafael Wysocki soll das Suspendieren des Systems ermöglichen, ohne dass gleichzeitig auflaufende Aufwach-Ereignisse Probleme bereiten. Diese Änderung soll der erste Schritt zur weiteren Verringerung des Energieverbrauchs sein, ein Ziel, das Google mit den »suspend blockers« erreichen wollte, die bei den Linux-Entwicklern allerdings durchgefallen waren.

Der »out-of-memory killer« wurde neu geschrieben. Das Modul sorgt bei extremer Speicherknappheit dafür, dass ein oder mehrere Prozesse sofort beendet werden, damit der Rest weiterlaufen kann. Der beste Kandidat für das Beenden kann nur heuristisch ermittelt werden, die Heuristik wurde im Lauf der Zeit aber immer besser.

Eine weitere Neuerung ist fanotify, ein Mechanismus, mit dem ein außerhalb des Kernels laufender Daemon von Dateioperationen benachrichtigt werden kann. Er kann unter anderem auch den Zugriff auf die betroffene Datei verwehren. Virenscanner sind eine mögliche Anwendung des neuen Subsystems, hierarchische Speicherverwaltung und anderes können jedoch auch davon profitieren.

Ein neuer Systemaufruf zum Abfragen und Ändern von Ressourcen-Limits wurde geschaffen. prlimit64 kann ein Limit in einem Schritt abfragen und setzen und seine Funktionalität ist eine Obermenge des traditionellen setrlimit, das eines Tages vielleicht vollständig entfällt. Der TTY-Treiber unterstützt nun den EXTPROC-Modus. Dieser schon immer in BSD vorhandene Modus wurde ursprünglich für den Zeilenmodus des Telnet-Protokolls entwickelt, scheint aber auch für aktuelle Protokolle noch nützlich zu sein, weshalb er nun auch für Linux implementiert wurde.

Workqueues, eine Art von Kernel-Threadpool, wurden vollständig neu geschrieben, wodurch sich die Zahl der Kernel-Threads reduziert. Besonders auf Rechnern mit vielen Prozessorkernen dürfte dieser Unterschied gravierend sein.

Linux 2.6.36-rc1 unterstützt darüber hinaus eine weitere Architektur, die 32-Bit-Architektur von Tilera, bei der 16 bis 100 identische RISC-Prozessoren auf einem Chip integriert sind. Daneben enthält Linux 2.6.36-rc1 zahlreiche neue Treiber und andere Änderungen. Kernel, Patch- und Änderungslog-Dateien sind von zahlreichen Spiegelservern von kernel.org herunterzuladen.

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Kommentare (Insgesamt: 15 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Re[5]: Linux hinkt hinterher (Neuer, Di, 17. August 2010)
Re[2]: Linux hinkt hinterher (Christopher Roy Bratusek, Di, 17. August 2010)
Re: Linux hinkt hinterher (Manfred Tremmel, Di, 17. August 2010)
Re: Linux hinkt hinterher (bluppp, Di, 17. August 2010)
Re: Linux hinkt hinterher (Erkenner der Moderne, Di, 17. August 2010)
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