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Di, 29. März 2011, 09:41

Gesellschaft::Politik/Recht

Großbritannien strebt Führungsrolle bei freier Software an

In Großbritannien hat sich im ersten Quartal dieses Jahres viel im Bereich freier Software im öffentlichen Sektor getan, was auf das Engagement der aktuellen Regierungskoalition zurückzuführen ist. Im Januar wurde eine neue Beschaffungsrichtlinie für Software erlassen und im Februar ein Open-Source-Beratungsausschuss gebildet.

Ende Januar veröffentlichte die Regierung neue Beschaffungshinweise mit dem Titel »Verwendung von freier Software bei der Spezifikation von IKT-Anforderungen«. Diese sind dahingehend bemerkenswert, dass es sich dabei um die erste Beschaffungsrichtlinie handelt, die seit dem europäischen Interoperabilitätsframework in der Version 2 in Europa veröffentlicht wurde. Die neue Richtlinie hat eine große Reichweite und bezieht sich auf Software, IKT-Infrastruktur, IKT-Sicherheit und sonstige IKT-Waren und Dienstleistungen aller Ministerien. Die Richtlinie besagt, dass in den Beschaffungsspezifikationen offene Standards verwendet werden sollen, wo immer es möglich ist. Für die öffentliche Verwaltung bedeutet das, dass sie bei zukünftigen Software-Beschaffungen viele offene Standards verlangen soll.

Weiterhin steht in der Richtlinie, dass die staatlichen Vermögenswerte sich wiederverwenden lassen sollten, um die Rentabilität der Anschaffungen zu maximieren und technologische Abhängigkeit zu vermeiden. Obwohl freie Software und freie Software-Lizenzen in der Richtlinie nicht namentlich erwähnt werden, bieten sie die beste Voraussetzung, um wiederverwendet zu werden, und unterstützen offene Standards bestens. Die Richtlinie enthält auch eine Definition der offenen Standards, die auf der Definition im European Interoperability Framework 1 (EIF 1) basiert und auch die umkämpften Anforderungen gebührenfreier Lizenzierung von Technologien umfasst.

In der Vergangenheit wurde die Beschaffung immer wieder als eines der größten Hindernisse für die Verbreitung freier Software in der öffentlichen Verwaltung Großbritanniens identifiziert. Die Bestimmungen der neuen Beschaffungsrichtlinie lassen eine Vorliebe für offene Standards und die Wiederverwendbarkeit freier Software erkennen. Die Reaktionen auf die neue Richtlinie fielen bisher gering aus. Gerry Gavigan, der Vorsitzende des Open-Source-Konsortiums, warf der Regierung vor, noch nicht genug getan zu haben, um die Hindernisse für offene Standards und freie Software zu beseitigen. Er kritisierte besonders die Mögichkeiten, die Bezeichnung »wo immer möglich« zu missbrauchen. Die aus SAP, Microsoft und anderen Anbietern proprietärer Software bestehende Business Software Alliance (BSA) kritisierte die neue Richtlinie, weil sie offene Standards und Software stark unterstützt.

Die britische Regierung hat im Februar einen Beratungsausschuss für Open Source gebildet, der von Graham Taylor, dem vorsitzenden des Open Forum Europe geleitet wird. Der Ausschuss hatte bereits mehrere Treffen mit Mitgliedern der Regierung, des Kabinetts und Innenministeriums. Das Innenministerium hat begonnen, einen Open-Source-Referenz-Stack zu erarbeiten. Der wird ein Software-Bewertungsmodell, Schulungen für IT-Leiter und eine Umfrage für die Nutzung von freier Software in der Regierung enthalten. Die Initiative wird vom britischen Premierminister David Cameron ausdrücklich unterstützt.

Cameron bekräftigte seine Unterstützung für offene Standards und Open Source auch auf einer Kabinettssitzung am 21. Februar mit Systemintegratoren der Unternehmen, die für die größten öffentlichen IKT-Verträge verantwortlich sind. Tariq Rashid, leitender IT-Verantwortlicher im Innenministerium, hat zudem eine Liste mit freier Software erstellt, die Entscheidern helfen soll, Alternativen zu traditioneller proprietärer Software zu finden. Diese enthält Empfehlungen wie Gimp, Drupal, PostgresSQL, SugarCRM und CentOS. Am 25. Februar veröffentlichte die Regierung eine Umfrage zu offenen Standards, die aus 270 Fragen bestand und die Vorlieben für die genannten offenen Standards ermitteln soll.

Die vielen ins Leben gerufenen Aktivitäten könnten Großbritannien, einen der bisher rückständigsten Staaten Europas in Bezug auf freie und offene Technologien, zu einem Marktführer in dem Bereich machen. Es bleibt auch abzuwarten, ob sich die lokalen Behörden vom Enthusiasmus der Regierung anstecken lassen und den Wert freier Software erkennen. Dann könnte sie auch in Einrichtungen für Bildung, Gesundheit und Soziales einziehen, die für einen großen Teil der jährlichen Ausgaben in Höhe von 16 Milliarden Britischen Pfund (ca. 18 Milliarden Euro) verantwortlich sind.

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Kommentare (Insgesamt: 7 || Alle anzeigen || Kommentieren )
SugarCRM, ist doch neo-proprietär? (Bernhard Reiter, Mi, 30. März 2011)
Re: ein paar quellenangaben waeren ganz nett (Anonymous, Di, 29. März 2011)
Re[2]: Richtig so. (Charles, Di, 29. März 2011)
Re: Richtig so. (Charles, Di, 29. März 2011)
Richtig so. (Hotte, der Schotte, Di, 29. März 2011)
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