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So, 9. November 2014, 18:17

Gemeinschaft::Personen

Joey Hess verlässt Debian

Nach 18 Jahren gab Joey Hess seinen Rückzug von Debian bekannt. In seiner Mitteilung an die Entwicklerliste schreibt er, ihm sei mehr als deutlich klar geworden, dass Debian nicht mehr das Projekt sei, dem er 1996 beigetreten war.

Joey Hess

Marc Merlin

Joey Hess

In seiner kurzen Notiz an die Entwickler des Projekts unter dem Titel »so long and thanks for all the fish« schreibt er weiter, man habe gemeinsam Gutes erreicht, er wünsche allen das Beste, aber er sei raus.

Das Einzige, was er in den 18 Jahren wirklich bedauere, sei, sich bei der Ausarbeitung der Debian-Verfassung 1998 nicht dagegen artikuliert zu haben, obwohl ihm das Dokument dubios erschienen sei. Heute sehe er, dass es ein schädliches Dokument sei, dass Debian mit der Zeit in eine sehr ungesunde Richtung gelenkt habe.

Mit Joey Hess geht einer von Bord, der Debian stark geprägt hat wie nur Wenige, nicht nur durch die Software, die er beitrug, sondern durch seine Persönlichkeit. Viele später zum Projekt gestoßenen Entwickler sahen in Joeyh, so sein Pseudonym, einen Mentor und eine Leitfigur, an der sich das Auftreten eines Entwicklers in der Gemeinschaft messen sollte. Das geht auch aus den Kommentaren der Kollegen auf die Mitteilung von Hess hervor. Vorherrschend kommt Ungläubigkeit, Bestürzung und Trauer über das Ausscheiden zum Ausdruck, aber auch Dank für die harte Arbeit und die nie endende Inspiration. Er wird als einer angesehen, auf dessen Schultern das Projekt ruhte und als ewige Stimme der Vernunft.

Hess vermeidet es, die Ereignisse beim Namen zu nennen, die ihn letztlich zu diesem Schritt bewogen haben. Dennoch ist klar, dass der Stil der Auseinandersetzung um Systemd, der seit 18 Monaten das Projekt bewegt und die Rolle von einzelnen Mitgliedern des technischen Komitees (CTTE) in dieser Debatte den Ausschlag gaben. Bei der derzeit abgehaltenen Grundsatzentscheidung, die viele im Projekt, vor allem zu diesem Zeitpunkt, für schädlich halten, hatte sich Hess für Anhang C entschieden, der besagt, ein Grundsatzentscheid in dieser Sache sei überflüssig und klarstellt, dass nach Ansicht der Unterzeichner Grundsatzentscheide, ganz unabhängig vom Ergebnis, auch zerstörerisch wirken können.

Zudem hatte Hess eine Stunde vor seiner Abschiedsmail das CTTE heftig kritisiert und in der jetzigen Form für überflüssig erklärt. Hier ging es um eine Entscheidung über einen Bugreport, der nach Ansicht von Hess nicht Sache des CTTE ist, da es keine Streitposition gibt. Das CTTE entschied jedoch nach lediglich drei Tagen Diskussion, es sollen technische Lösungen gesucht werden um Systeme bei einem Upgrade nicht automatisch auf Systemd umzustellen. Entwickler sehen dies als weiteres Störfeuer gegen Systemd von Ian Jackson, zu dem sich das CTTE habe instrumentalisieren lassen. Im Anschluss erklärte Komitee-Mitglied Colin Watson seinen Rücktritt vom CTTE. Er betonte, dies habe nicht direkt mit der Mail von Hess zu tun, er ordne sein Leben neu und wolle seine Zeit in Debian mit Dingen verbringen, die ihm Spaß machen und nicht solchen, die ihn stressen.

Neben viel Arbeit am Debian-Installer schrieb und betreute Hess hauptsächlich die Werkzeuge debhelper, alien, dpkg-repack und debmirror, die nach seinem Ausscheiden nun neue Betreuer brauchen.

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