Login
Login-Name Passwort


 
Newsletter
Werbung

Di, 6. Oktober 2015, 09:25

Software::Entwicklung

Brutaler Umgangston: Sarah Sharp zieht sich aus der Kernelentwicklung zurück

Wiederholt stellt der Umgangston auf der Linux Kernel-Mailingliste (LKML) einen Grund für hitzige Diskussionen dar. Nachdem die Intel-Entwicklerin und Betreuerin diverser Kernelbereiche, Sarah Sharp, sich schon früher über den harschen Ton der Entwickler beschwert hatte, hat sie sich inzwischen aus der aktiven Entwicklung zurückgezogen.

Sarah Sharp

Sarah Sharp

Sarah Sharp

Es gilt ein ungeschriebenes Gesetz – wer in der Linux Kernel-Mailingliste (LKML) etwas postet, sollte vor allem leidensfähig sein. Denn die Liste gehört zweifelsohne nicht zu den zivilisiertesten Umgebungen im Internet. Harsche Wortwahl und Beleidigungen bis hin zu Mobbing sind keine Seltenheit unter den Entwicklern des freien Linux-Projektes. Allem voran fiel in der Vergangenheit der Schöpfer des Kernels, Linus Torvalds, durch eine unflätige und beleidigende Art auf, was die Kernel-Hackerin Sarah Sharp nicht selten auf die Palme brachte.

So beschwerte sich Sharp schon vor über zwei Jahren über den Umgangston. Laut Sharp sind Gewaltandrohungen oder verbale Entgleisungen in einem professionellen Umfeld inakzeptabel. Um es im gewohnten Umgangston auf der LKML zu sagen: »Not fucking cool«, schrieb Sharp 2013 in einer E-Mail an die Liste des Projektes. Geändert hat sich seither nicht viel, auch wenn die Hacker sich Anfang dieses Jahres mit dem »Code of Conflict« einen Verhaltenskodex verpasst haben, der Streitigkeiten besser lösen sollte.

Laut Sharp ist der Umgangston weiterhin »brutal«, ohne dass eine Chance bestehe, dass sich das in naher Zukunft ändern könnte. Laut Sharp verhalten sich auch die nettesten und freundlichsten Menschen auf der Liste unmöglich und wollen nicht, dass sich der Ton ändert. Ähnlich sieht es auch Torvalds, der bereits in der Vergangenheit die Art der Kommunikation verteidigte und unter anderem mit kulturellen Unterschieden zu erklären versuchte. Oftmals sei es schlicht notwendig, Missstände in einer drastischen Art und Weise anzusprechen, so Torvalds. Sharp sieht es freilich nicht so. Für sie sind beispielsweise subtile sexistische oder homophobe Witze keine Art der Kommunikation.

Als Konsequenz zeiht sich Sharp deshalb aus der aktiven Entwicklung des Kernels zurück. Bereits vor einiger Zeit hat sie die Pflege des USB 3.0-Stacks – den sie entworfen und entwickelt hat – aufgegeben. Anfang des Jahres hat sie sich auch aus dem FOSS Outreach Program for Women (OPW) verabschiedet und will sich nicht mehr zur Wahl des Linux Foundation Technical Advisory Boards (TAB) stellen, dessen Kreis aus einer Reihe profilierter Kernel- und FOSS-Entwicklern besteht. Laut Sharp war es keine leichte Entscheidung.

Im Gegensatz zu vielen Gelegenheitspostern auf der LKML wurde Sharp von den meisten Haupt-Kernel-Hackern respektiert und technisch geschätzt. Ihr Abschied ist deshalb in vielerlei Hinsicht ein Verlust. Sharp will aber der Gemeinschaft nicht ganz den Rücken kehren. Vielmehr will sie sich anderen offenen Projekten zuwenden – um welche es sich aber handelt, gab die Entwicklerin nicht bekannt. Denkbar ist aber eine Mitarbeit am Grafik-Stack, wie Sharp bereits in der Vergangenheit andeutete.

Werbung
Kommentare (Insgesamt: 84 || Alle anzeigen || Kommentieren )
Pro-Linux
Pro-Linux @Facebook
Neue Nachrichten
Werbung