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Mo, 30. Mai 2016, 12:13

Software::Systemverwaltung

Systemd 230 sorgt für Diskussionen

Die Veröffentlichung von Systemd 230 stand unter keinem glücklichen Stern. Eine Änderung am Framebuffer eröffnete eine potenzielle Sicherheitslücke und musste revidiert werden. Nun erhitzen sich die Gemüter bei Debian und Fedora am standardmäßigen Beenden von User-Prozessen.

Die Änderung, die den Stein des Anstoßes bildet, findet sich beispielsweise bei Debian in der Konfigurationsdatei /etc/systemd/logind.conf und setzt den Schalter für die Option KillUserProcesses auf yes. Damit werden beim Abmelden eines Anwenders alle noch laufenden Hintergrundprozesse beendet. In der Vergangenheit war es des Öfteren vorgekommen, dass das Warten auf die Beendigung dieser Prozesse das Herunterfahren der Hardware um bis zu 90 Sekunden verzögert hat.

Das bedeutet für die Mehrheit der Desktop-Anwender ein schnelleres Herunterfahren des Rechners. Auf Anwender, die Tools wie Screen, Tmux und Nohup oder VNC-Server einsetzen und erwarten, dass diese Prozesse einen Logout überleben, kommt damit zusätzlicher Aufwand zu, um diese Prozesse in einem anderen Kontext zu starten. Alternativ kann die obige Einstellung zurückgesetzt werden. Als Alternative können Prozesse, die einen Logout überleben sollen, mit systemd-run gestartet werden. Die Manpage erhielt ein zusätzliches Beispiel, das beispielsweise Screen per $ systemd-run --scope --user screen in einem eigenen Kontext (systemd.scope) startet. Eine weitere Möglichkeit, zu verhindern, dass user@.service nach dem Ausloggen beendet wird, ist das Setzen der Option lingering mit dem Befehl enable-linger [USER1 USER2...], wie die Manpage zu loginctl erläutert.

Ein Bugreport bei Debian und eine Diskussion auf Fedoras Entwicklerliste beschäftigen sich mit der neuen Einstellung. Die Befürworter der neuen Handhabung von Hintergrundprozessen argumentieren, auf Servern mit mehreren Anwendern könnten weiterlaufende Prozesse eines abgemeldeten Anwenders Probleme bereiten.

Gegner befürchten, die neue Einstellung werde noch weitere Unannehmlichkeiten und Fehler zutage bringen. Screen und andere betroffene Tools könnten, so die Idee eines Kommentators, Systemd direkt warnen, sie nicht zu beenden. Auch das Argument, Standard-Herangehensweisen ohne offensichtlichen Gewinn nach 30 Jahren zu ändern, sei unsinnig, wird vorgebracht.

Bei Fedora können für Workstation und Server/Cloud verschiedene Standards gesetzt werden, bei Debian ist die Situation anders. Debian gilt immer noch als Server-Betriebssystem, dass auch von Desktop-Anwendern verwendet wird. Für Debians Derivate gilt diese Sicht in der Mehrheit sicher nicht. Das Gros der Stimmen in dem Bugreport wünschen sich jedoch die vorherige Einstellung als Standard zurück.

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