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So, 12. Oktober 2003, 11:37

Eine Woche Windows - Ein Experiment ganz anderer Art

Auf Newsforge findet sich ein interessantes Experiment ganz anderer Art unter dem vielsagenden Titel "Eine Woche Windows".
Von Thomas

Es existieren Duzende von Geschichten von ehemaligen Windows-Usern, die zu Linux migrierten und nun eine ganze Reihe von gewohnten Features oder gewohnte Programme vermissen. Robin Miller, der seit 1998 Linux als Desktop-OS nutzt, hat den umgekehrten Weg beschritten. Er wechselte für eine Woche von seiner Linux-Suse-8.2 zu XP-Pro. Sein Erfahrungsbericht markiert das Ende einer Woche, die laut Robin glücklicherweise vorüber ist.

Mit dem Kauf eines Toshiba Satellite Laptop und mit vorinstalierten Windows ging das Experiment los. Die erste Frage, die Robin bewegte war: "Wie ist es eigentlich mit dem Copy and Paste?" Meist markiert man unter Linux mit der Maus einen Textblock o.ä., drückt beide Maustasten oder das mittlere Mausrad, das war es dann. Dafür stand ihm das viel zu langsame Crtl C/V unter XP-Pro zur Verfügung. Viel zu langsam, wenn man beim Erwerb des Lebensunterhalt auf Schnelligkeit setzt. Eine weitere Merkwürdigkeit, nach dem Start ist zunächst ein Update von Patches fällig, das allerdings automatisch wird. Im direkten Vergleich mit dem gewohnten Suse-Updatemechanismus vermerkt Miller, dass er keine Auswahlmöglichkeiten beim Update angeboten bekam. Was da genau passierte blieb ihm ca. eine Stunde lang verborgen.

Okay, wie sieht es mit Office-Software oder IRC-Software aus? Sie ist auf dem asugeliefertem System nicht vorhanden. Nach der Installation von StarOffice und mIRC von eigener CD bzw. aus dem Netz zeigte sich, dass die Installation vergleichbar leicht war wie unter Linux, nur dass solche Programme eben schon Teil einer modernen Linux-Distribution sind. Ein vernünftiges Mainstream IRC-Programm (mIRC)kostet ca. 20$ oder man kann eine Evaluationsversion installieren, die der Autor aber gar nicht erst richtig zum Laufen bekam! Es gelang ihm nicht herausfinden, wie man dem IRC-Client ein neues Netzwerk hinzufügt.
Fast mit Ungläubigkeit nimmt Miller zur Kenntnis, dass nahezu 90% aller Surfer den IE benutzen, trotz fehlenden Tabbed-Browsing, dem Mozilla oder Opera u.a. unter Linux bekannten Feature , mit dem sich neue Webseiten in einem neuem Tab anschauen lassen, ganz zu schweigen von der fehlenden Möglichkeit sogenannte "Popup ads" zum Schweigen zu bringen. Für ein solches Feature, so Miller sind Surfer sogar bereit Geld zu bezahlen. Allerdings könnte man auch stattdessen einfach den frei erhältlichen Mozilla installieren, um seinen Seelenfrieden beim Surfen wieder zu erlangen.

Nach ca. 4 Stunden IE- Erfahrung, einschließlich der Downloadzeit für Mozilla/Windows, war dieses Thema für ihn ausgestanden. Schließlich hatte er sich nur vorgenommen eine Woche mit Windows durchzuhalten, nicht sich mit einem schlechten Browser herum zu ärgern (nicht Desktop-tauglich).

Der nächste Schritt dauerte nur eine halbe Stunde, nachdem Miller per Outlook Express gleich 200 Spammails für 3 relevante Nachrichten einfing. Selbst wenn man die häufigen Wurmattacken oder Mailviren außer Acht lässt, und die Möglichkeit proprietärer Lösung zur Eindämmung von Spam u.a. in Erwägung zieht. Warum all dieser Aufwand, wenn Mozilla all dies schon so ohne weiteres macht? Ob es sich um Erkennung von Netzwerkkarten, PCMCIA und andere hardewarespezifische Probleme handelt, hier hat nach Millers Erfahrungen deutlich Linux die Nase vorn. Im Vergleich der grafischen Oberflächen hat für ihn, da seinen Arbeitsgewohnheiten besser entsprechend oder einfacher konfigurierbar, KDE gegenüber XP die Nase vorn.

Bislang könnte man den Eindruck bekommen, dass es Miller nur darum geht XP schlecht aussehen zu lassen. Allerdings findet er in XP auch einige ganz nette Sachen, die er einer Erwähnung für Wert befand. In der ganzen Woche seines Experiments crashte XP nicht ein einziges Mal, ein klarer Fortschritt gegenüber Win98, ME usw. Allen Usern älterer Win-Versionen empfiehlt sich aus seiner Sicht daher dringend der Wechsel auf XP, dass dem Autoren fast so stabil wie seine Suse erscheint.

Im direkten Vergleich wünscht sich der Autor z.B. ein simpleres Grafikprogramm unter Linux, wie er es unter XP vorfand. Außerdem vermisst er eine Paint Shop Pro-Version für Linux, die er allerdings in naher Zukunft auch für Linux heraufziehen sieht, ebenso entsprechende Äquivalente für Quark oder Photoshop.

Aufatmend resümiert Miller zur zurückliegenden Woche mit XP, dass er nun viel mehr Mitgefühl für alle Win-User hätte, die aus Angst oder auch anderen Gründen den Sprung von Windows zu Linux nicht wagen würden. Er ist froh wieder zu seiner Suse 8.2 zurückkehren zu können.

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