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Mi, 7. Januar 2004, 10:40

Software::Desktop::KDE

KDE 2004: Auf dem Weg zum Korporate Desktop Environment?

Hinter den KDE-Kulissen tut sich derzeit einiges.

Die Weichen für die Zeit nach dem anstehenden 3.2-Release (geplant für den 2. Februar) werden jetzt schon gestellt.

Man könnte es so zusammenfassen: KDE ist auf dem Weg von der integrierten zur integrativen Desktop-Umgebung. "Fremd"-Programme innerhalb der KDE-Umgebung sollen nicht bloss "einfach laufen", sondern sie sollen so nahtlos wie möglich in ihre Laufzeitumgebung eingepasst werden. Beispiele solcher Fremdprogramme sind OpenOffice, Mozilla und alle GNOME-Applikationen (Gimp, Sodipodi,...). Diese Programm sind mit jeweils eigenen Toolkits geschrieben und beruhen auf jeweils unterschiedlichen Software-"Bibliotheken".

Für den Anwender und vor allem für den Linux-Neuling (der demnächst am Arbeitsplatz im Zuge einer Migration eventuell den vertrauten MS-Windows-Desktop aufgeben muss), macht sich dies in verschiedensten Holprigkeiten bemerkbar:

  • beim Drucken poppen aus Mozilla/Netscape, OpenOffice/StarOffice, Gimp oder Konqueror völlig verschieden gestaltete Dialoge auf, mit ziemlich unterschiedlichem Layout und abweichender Funktionalität (bei Mozilla kann man nicht mal den Drucker auswählen -- man muss ihn in der Kommandozeile ändern!)
  • beim "Datei-Öffnen"- oder beim "Speichern-Unter"-Dialog das gleiche Bild: die Oberfläche sieht ganz verschieden aus, und die Programme verhalten sich völlig inkonsistent

Wer jemals damit betraut war, Linux-Neulingen (die nicht den Ehrgeiz besitzen, sich irgendwann mal zu "Geeks" zu entwickeln, die jedoch im tagtäglichen Umgang mit Windows-Büro-PCs geübt und durchaus guten Willens sind), den Umgang mit dem "neuen System" zu nahezubringen, hat mit eigenen Augen sehen können, wie schwer sich diese mit solchen "Kleinigkeiten" tun.

Bei KDE hat man dies erkannt. Arbeit ist an verschiedenen Fronten im Gange. Die Bedienung aller wichtigen Programme soll vereinheitlicht werden, sofern sie innerhalb eines KDE-Desktops ablaufen.

  • visuelle Elemente: das Aussehen von Programmen unterschiedlicher Herkunft soll besser harmonieren -- dieselben Icon-Sets, gleich strukturierte Menü-Einträge, gemeinsame "themes" und Farbschemata sollen zum Einsatz kommen
  • funktionale Elemente (1): Programme unterschiedlicher Herkunft sollen KDE-Dialoge für sich nutzen können (bei der Interaktion mit dem Gesamtsystem). Hier denkt man insbesondere an "Datei-Öffnen"-, "Drucken"- oder "Speichern Unter"-Dialoge.
  • funktionale Elemente (2): alle Linux-Programme (nicht nur KDE-Applikationen) können in Zukunft die KDE "ioslaves" zu verwenden, beispielsweise um auf remote-Verzeichnisse direkt über "fish://" oder "smb://" zuzugreifen.

Hierfür müssen hierfür einige programmtechnische Mauern zwischen GTK (dem GNOME-Toolkit) und Qt (dem KDE-Toolkit) niedergerissen werden. Machbar ist es. Denn erste Ergebnisse sind bereits an verschiedenen Stellen im Internet zu besichtigen. Hier sind einige vorläufige Screenshot-Addressen. Sie vermitteln eine gute Vorstellung davon, wohin die Reise für die Anwender gehen kann, wenn alle Beteilgten mit dem KDE-Projekt kooperieren:

Bitte beachten: Diese Dinge werden noch nicht in die KDE-Version 3.2 eingehen. Sie müssen noch etwas reifen. Ausserdem ist manches davon auch ein Thema, das im Rahmen von Freedesktop.org erst noch endgültig geklärt werden muss. Der Nachweis prinzipieller Machbarkeit ist durch einige KDE-Corehacker jedenfalls erbracht -- ein Grund mehr, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Haupt-Desktops zu vertiefen.

An einer weiteren Front hat KDE allergrösste Fortschritte gemacht: die wichtigen KDE-Programm laufen inzwischen auf Mac OS X! -- Für Benjamin "RangerRick" Reed und Benjamin "IceFox" Meyer reichten die Weihnachtsferien aus, um ein kleines Wunder möglich zu machen, und allen eine grosse Neujahrsüberraschung zu bescheren. Wie erste Screenshots zeigen, haben sie erfolgreich Konqueror, Konsole, KOffice, alle KDE Spiele und alle KDE Edu-Programme auf Apple Mac OS X portiert.

Die Besonderheit bei den KDE-Portierungen auf Mac OS X liegt in folgendem: KDE muss nun keinen X-Server mehr verwenden (wie ihn "OpenOffice für Mac" immer noch benötigt), sondern die KDE-Programme laufen nativ, innerhalb der Apple-eigenen "Aqua"-Umgebung. Ermöglicht wird dies durch das Cross-Plattform Toolkit Qt von Trolltech, auf welche KDE sich stützt. Qt ist seit einiger Zeit auch für Mac OS X erhältlich (sogar unter der GPL).

Im Download-Verzeichnis ist allerdings folgende Warnung über die ersten KDE/OSX-Testpackete zu lesen: "They may not work. They may not even install. They may make your monitor explode in a shower of glass. EVEN LCDs, WHICH DON'T CONTAIN ANY GLASS! They may make your children grow horns, and cause the people in your neighborhood to explode spontaneously while doing the Macarena. They will rip out your eyeballs, and eat your soul with a really dull spoon, laughing and cackling while forcing Cheerios up your nose. They will make your intestines explode in a rain of confetti, while evil clowns bite your feet."

Die Packet wurden für "Panther" (Apple-Codename für die neueste Mac OS X Version 10.3) gebaut, laufen also nicht auf "Jaguar" (10.2). Bugreports werden vorläufig nicht angenommen, da die Entwickler selbst noch genug sehen, was sie verbessern müssen. Eine endgültige Freigabe der Packete steht jedoch nicht mehr viel im Wege -- ausser ein paar Wochen zusätzliche Fleissarbeit am Abend und am Wochenende.....

Besonders verlockend mag für Mac-Benutzer vielleicht KDE-PIM, der "Personal Information Manager", aussehen. Dieser besteht derzeit noch aus den Einzelteilen KMail, KAddressbook, KNotes und KOrganizer. Das neue KDE-3.2 wird diese Komponenten erstmals zu einem neuen Ganzen, zu "Kontact" zusammenfügen. Kontact wird damit MS Outlook Konkurrenz machen. Der spezielle Clou daran ist: man kann aufgrund der kparts-Komponententechnik die Einzelprogramme weiterhin auch einzeln verwenden. Wer "Outlook"-artige Gesamtsuiten nicht mag, kann mit KMail "solo glücklich" bleiben.

Bereits im Frühsommer soll es das nächste Release für Kontact geben. Hier werden weitere Funktionen hinzukommen. Spätestens dann steht dank KDE auch für die Mac OS X-Plattform eine komplette Groupware-Lösung mit Outlook-ähnlicher Funktion zur Verfügung, das mit proprietären, teuren und virenanfälligen Microsoft Exchange-, ebenso wie mit kostengünstigen, offenen, sicheren und stabilen Kolab-, eGroupWare- oder OpenGroupware-Servern kommunizieren kann.

Ein letzter Schwerpunkt sei noch erwähnt. Mehrere Gruppen von KDE-Entwicklern arbeiten daran, dem Desktop den letzten Schliff für seinen Einsatz in grossen Office-Umgebungen zu geben.

Hierfür werden mehrere Tools neu entwickelt. Eines davon ist ein grafisches Frontend, das es erlauben wird, dutzende, hunderte oder gar tausende Arbeitsplatzrechner zentral zu konfigurieren und zu administrieren. Im Zentrum steht dabei der sogenannte "Kiosk"-Modus. Beim Kiosk-Modus kann -- ähnlich wie bei einer "Politik" in Windows NT-Domänen -- von der Systemadministration bis in die letzte Einzelheit festgelegt werden, wie ein Arbeitsplatzrechner konfiguriert ist, welche Programme ein Benutzer starten darf, und vieles mehr.

Ein weiterer Leckerbissen werden KDE-Terminalserver und -Client sein. Sie erlaubt es, jeden KDE-Rechner zum Applikationsserver zu machen, auf dem man aus der Ferne Anwendungen startet. Diese werden auch weiterhin auf dem Server ausgeführt, jedoch lokal, am Terminal-Client angezeigt und bedient. Mit diesem Schritt will man Citrix Metaframe und MS Windows Terminalservern Konkurrenz machen. Wie zu hören ist, bedient man sich dabei einer neuen, unglaublich effektiven Kompressionstechnik, welche 100 gleichzeitige Anwender-Sitzungen in einer 2 MBit-Leitung unterbringt. Die Hardware eines grossen Windows-Terminal-Server, der typischerweise bis zu 70 gleichzeitige User-Sitzungen zulässt, soll in diesem Fall für mindestens 150, wenn nicht gar 200 zeitgleiche Sessions reichen. Angeblich kann man sogar über eine 20 kBit-ISDN-Verbindung einen komplette grafische Desktopsitzung ausführen, ohne dass die Geschwindigkeits-Einbusse merklich sein soll. Auf KDE-Applikations-Server (die unter zuerst unter Linux laufen werden) soll man mit auch von anderen Plattformen aus zugreifen können. Hierfür dienen die Terminal-Clients dienen. Unterstützte Plattformen für Clients sind MS Windows, Mac OS X, Sun Solaris, Sharp Zaurus und HP iPAQ. Microsoft zieht sich schon mal warm an und startet zu seiner Verteidigung eine neue Anti-Linux-Anzeigenkampagne....

KDE steht ein äusserst produktives Jahr 2004 bevor. Das Projekt fängt mit seinen jüngsten Initiativen an, den eigenen Namen mit neuen Bedeutungen zu versehen: "KDE Desktop for the Enterprise" oder "Korporate Desktop Environment".

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