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So, 20. März 2011, 15:00

»Ryzom« - Das freie MMORPG

Bereits 2005 öffnete mit »The Saga of Ryzom« ein Online-Rollenspiel der etwas anderen Art seine Pforten. Statt Orks, Elfen, Goblins oder Drachen erwartete den Spieler ein Zauber einer neuen Welt, mit eigenen Gesetzen, Regeln, einem ausgeklügelten Fertigkeiten- und innovativem Kampf-System. Mittlerweile im Quellcode unter den Bedingungen der AGPLv3 verfügbar und auch für Linux freigegeben, ist es auch für die Nutzer des offenen Betriebssystems interessant. Doch taugt das Spiel etwas und wenn ja, warum ist es nicht weiter verbreitet? Eine Bestandsaufnahme.

Eine lange Geschichte

Das freie MMORPG Ryzom

Mirko Lindner

Das freie MMORPG Ryzom

Ryzom, früher unter dem Namen »The Saga of Ryzom« bekannt, stellt ein Massively Multiplayer Online Role-Playing Game (MMORPG) für diverse Betriebssysteme dar. Die Handlung spielt etliche Jahre in der Zukunft und beinhaltet sowohl Science-Fiction- als auch diverse Fantasy-Elemente, die in einer komplexen Geschichte verpackt wurden.

Das Spiel wird bereits seit dem Jahr 2000 entwickelt und erblickte im September 2004 das Licht der Welt. Rückwirkend betrachtet konnte der Hersteller allerdings kaum einen schlechteren Zeitpunkt für eine Freigabe auswählen, denn nur wenige Monate zuvor hat NCSoft mit Lineage II den Nachfolger des MMORPG-Pioniers in Westeuropa veröffentlicht. Fast zeitgleich mit der Freigabe von »The Saga of Ryzom« stellte auch der MMORPG-Veteran Sony Online Entertainment (SoE) mit »Everquest II« einen Nachfolger des bisherigen Branchenprimus vor und nur zwei Monate später sollte Blizzard mit »World of Warcraft« das Genre förmlich aus der Nische herauskatapultieren.

Bereits am 5. April 2005 war Ryzom deshalb vermeintlich Geschichte, denn der französische Hersteller Nevrax stellte einen Antrag auf Gläubigerschutz. Am 9. August 2005 bestätigte die Gemeinschafts-Vertreterin des Unternehmens, dass dem Hersteller aufgrund von Neuerungen im Spiel ein Aufschub bis Ende 2006 gewährt wurde. Doch Ende 2006 gingen bei Ryzom tatsächlich die Lichter aus. Zugleich startete auch eine Gruppe ehemaliger Nevrax-Angestellter und Mitglieder der Gemeinschaft, unterstützt von der FSF, eine Initiative, das Spiel ähnlich Blender aufzukaufen und es unter eine freie Lizenz zu stellen. Die Engine NeL, auf der Ryzom aufbaute, stand schon seit Anfang 2000 unter den Bedingungen der GNU GPL.

Doch auch als der Versuch scheiterte und Ryzom zum ersten Mal im Dezember 2006 den Eigentümer wechselte, waren die Turbulenzen nicht vorbei. Denn auch der neue Rechteinhaber, die Gameforge AG aus Karlsruhe, die mit ihrer neuen Tochterfirma das Spiel vermarkten lassen wollte, wurde mit Ryzom nicht glücklich. Nicht einmal ein Jahr später musste auch Gameforge France SARL Insolvenz anmelden. Ryzom hörte auf zu existieren.

Mitte 2008 mehrten sich allerdings zunehmend Anzeichen, dass das Spiel reanimiert werden könnte. Nachdem im Juni 2008 die Foren freigeschaltet wurden, öffnete der neue Eigentümer, die Winch Gate Properties, auch die Server. Im Mai 2010 wurde Ryzom schlussendlich auch im Quellcode geöffnet und unter die Bedingungen der GNU Affero General Public License Version 3 (AGPLv3) gestellt. Die insgesamt über 13 GB umfassenden Grafiken Modelle und Texturen wurde dagegen unter die Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Lizenz (CC-BY-SA 3.0) gestellt. Ende 2010 folgte ein nativer Client für Linux, der auf Grundlage der Freigabe mit Unterstützung der Free Software Foundation entwickelt wurde.

Das Klassensystem und die Fertigkeiten

Ryzom spielt in der Fantasywelt »Atys«, die von vier verschiedenen humanoiden Völkern, auch »Homins« genannt, bewohnt wird. Dem gegenüber stehen zwei weitere Fraktionen: Die Kami, magische Naturgeister, und die Karavan, ein Volk aus hochtechnisierten Kriegern aus den Tiefen des Alls. Das Spiel vereint Fantasy und Science Fiction mit komplexer Hintergrundgeschichte, die hier zu erklären den Rahmen sprengen würde. Der Spieler erkundet dabei die Welt in einer Beobachter- oder Ich-Perspektive.

Das Besondere an Ryzoms Welt ist ihr Detailreichtum. Dank einer ausgeklügelten Engine sieht Ryzom auch Jahre nach seiner Freigabe nicht nur für ein MMORPG gut aus, sondern bietet Funktionen, die in diesem Genre nicht selbstverständlich sind. So unterliegt die komplette Welt dem Spiel der Naturkräfte. Neben Tag- und Nachtphasen wechseln auch die Jahreszeiten. Die Bäume erblühen im Frühling und im Herbst versinkt Ryzom an manchen Tagen im Regen.

Spiel der Natur: Herbst, ...

Mirko Lindner

Spiel der Natur: Herbst, ...

... Frühling, ...

Mirko Lindner

... Frühling, ...

und die Nacht

Mirko Lindner

und die Nacht

Eine mächtige KI lässt die Flora und Fauna dynamisch miteinander interagieren. So ziehen Herden im Rhythmus der Jahreszeiten umher. Pflanzenfresser kommen neugierig zum Spieler, folgen ihm oder flüchten instinktiv. Fleischfresser jagen dagegen aktiv ihre Beute, die wahlweise aus Pflanzenfressern oder den Spielern bestehen kann. Gegner greifen, je nach Art, alleine oder in Horden an und folgen dem Spieler ja nach Aggressivität auch über längere Distanzen. Wilde Tiere durchstreifen zudem die Welt. Wo noch vorhin eine vermeintlich sichere Stelle war, kann schon bald ein Gegner-Lager sein.

Eine Besonderheit von Ryzom ist die horizontale Ausrichtung des Spiels. Springen kann man in der Welt genauso wenig wie sich von Gebäuden oder steilen Abhängen fallen lassen oder klettern. Das Schwimmen erfolgt ausschließlich oberhalb der Wasseroberfläche. Spieler, die in anderen Titeln von Klippen heruntergefallen sind oder gar durch Fallschaden starben, werden sich womöglich anfänglich freuen. Spätestens aber, wenn man einen Umweg machen muss, weil ein Ort nicht durch einen gekonnten Sprung über eine Wurzel erreicht werden kann, ist die Freude getrübt.

Pro-Linux
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