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Do, 6. April 2017, 15:00

Die Zukunft von Ubuntu

Die Entwicklung von Unity und Mir wird eingestellt. Was das für den Linux-Desktop bedeutet, ist noch nicht sicher.

Gestern hat Mark Shuttleworth angekündigt: Ubuntu 18.04 wird ohne Unity und mit Gnome als Basis erscheinen. Das Ubuntu Phone und das Convergence-Modell ist tot, die Zukunft für Ubuntu befindet sich auf dem Server, in der Cloud und in Cloud-Services. Dieser Paukenschlag kam überraschend, und er lässt viele Fragen offen.

Canonical hat auf dem Desktop mit Ubuntu eine Marke aufgebaut, die in Linux-Einsteigerkreisen beinahe so dominant ist wie Red Hat bei Unternehmenskunden. Unzählige Leute in meinem Bekanntenkreis verwenden »Ubuntu« und »Linux« synonym. Freilich: Red Hat verdient viel Geld, Canonical nicht. (Konkrete Zahlen sind nicht bekannt, aber klar ist, dass die Einnahmen Canonicals kaum aus dem Desktop-Segment stammen.)

Dass Ubuntu mit seinen Phone-Ambitionen scheitern würde, war schon vor Jahren absehbar. Es ist mit diesem Scheitern in guter Gesellschaft: Auch Microsoft mit unendlich mehr Kapital und einer riesigen Marktpräsenz war nicht nennenswert erfolgreicher.

Mit der Aufgabe der Konvergenz-Idee (das Ubuntu-Phone sollte gleichzeitig auch als Ersatz für Desktop-Rechner dienen und für beide Anwendungsfälle eine durchgängige Oberfläche aufweisen) sind diverse Eigenentwicklungen von Canonical hinfällig: Unity 8 wurde gestern abgesagt, Mir offensichtlich auch. Schon in der Vergangenheit hatte Canonical wenig Erfolg damit, eigene Ideen abseits des Linux-Mainstreams durchzusetzen (Upstart, Ubuntu One, Web-Apps, ein eigenes Ubuntu-Software-Center etc.).

Ungemein erfolgreich war Ubuntu zuletzt im Server- und speziell im Cloud-Segment. Hier lautet die Devise offensichtlich: Weiter wie bisher, nur mit noch mehr Energie. Hier lockt nicht nur der vergangene Erfolg, hier lässt sich auch Geld verdienen.

Die große Frage ist: Was passiert mit dem Desktop? Bei aller Kritik an den oft eigenbrötlerischen Ideen von Canonical/Ubuntu muss klar sein, dass der Ubuntu-Desktop eine wesentliche Bereicherung des Linux-Universums war und noch immer ist.

Wird Canonical also Geld, Zeit und andere Ressourcen investieren, um für Ubuntu 18.04 eine ansprechende Desktop-Umgebung auf Gnome-Basis, aber im klassischen Ubuntu-Look zu entwickeln? (Technisch wäre das sicher kein Problem.) Wird es für die Desktop-Version von Ubuntu weiterhin einen fünfjährigen Long Time Support geben? Wird man sich womöglich auf die Devise »It just works« zurückbesinnen, die Ubuntu vor Jahren auf dem Desktop so erfolgreich gemacht hat?

Wird sich die Rückkehr in den Linux-Mainstream als Erfolgsrezept erweisen, oder wird der Ubuntu-Desktop (und damit wohl leider auch der Linux-Desktop in seiner Gesamtheit) endgültig in die Bedeutungslosigkeit verschwinden, in eine kleine Nische für Freaks, Admins und Entwickler?

Autoreninformation

Dieser Artikel wurde auch auf der Seite des Autors unter kofler.info veröffentlicht. Darüber hinaus führt Michael Kofler ein Blog zum Thema.

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