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Mi, 15. August 2012, 16:38

Software::Desktop::Gnome

15 Jahre Gnome

Genau 15 Jahre ist es heute her, dass die Entwickler Miguel de Icaza und Federico Mena das Gnome-Projekt ins Leben riefen.

Gnome 1 und GNUstep unter Red Hat 6.2

RvB

Gnome 1 und GNUstep unter Red Hat 6.2

Die Initiatoren von Gnome wollten einen Gegenpol zu KDE mit einer komplett freien Umgebung schaffen. Denn nachdem KDE aus der Idee geboren wurde, ein besseres CDE zu werden, hatte es mit einem Problem zu kämpfen. Die als Grundlage ausgewählte Bibliothek Qt war zwar quelloffen, aber keine freie Software, und wurde daher von vielen Entwicklern, aber auch Distributoren abgelehnt. Wie der Gründer des Projektes, Miguel de Icaza, in seiner am 15. August 1997 versandten E-Mail schrieb, war das primäre Ziel des Projekts, auf ein Toolkit zu setzen, das komplett frei war und lizenztechnisch unbedenklich verteilt werden konnte. Er entschied sich deshalb für das bei Gimp entwickelte GTK+, das bis dahin von keinem anderen Projekt als Gimp verwendet worden war.

Es sollten fast zwei Jahre vergehen, bis Gnome 1.0 erreicht war. Doch diese Version sowie auch die Nachfolger Gnome 1.2 und Gnome 1.4 waren im Rückblick mit zahlreichen Problemen behaftet. Nach der ersten Euphorie liefen Gnome die Benutzer weg, und das Projekt stand kurz davor, aus vielen Distributionen entfernt zu werden. KDE erschien übermächtig, zumal die Qt-Bibliothek für Linux seit dem Jahr 2000 unter einer freien Lizenz stand. Die letzte Version von Gnome 1.x enthielt bereits den Dateimanager Nautilus, der damals auch als Webbrowser fungierte, und den Window-Manager Sawfish, der allerdings überaus komplex war und für zahlreiche Fehlerberichte sorgte.

Gnome 2 im Bluecurve Look

Julius Stiebert

Gnome 2 im Bluecurve Look

In dieser Situation zog das Projekt die Notbremse. Die am 27. Juni 2002 veröffentlichte Version 2.0 nutzte die zweite Version der GTK-Bibliothek (GTK+ 2) und integrierte ein neues Konfigurationssystem. Zu den weiteren Neuerungen gehörten ein vollständiges Anitaliasing, massive Verbesserungen der GUI sowie eine durchgängige Internationalisierung. Besonderes Augenmerk legten die Entwickler nach damaligen Angaben auf verbessserte APIs, die eine Einbindung von eigenen Anwendungen noch leichter ermöglichen sollen. Zugleich wurden viele Teile des Desktops signifikant vereinfacht, was vor allem der besseren Wartung dienen sollte. Es erhoben sich laute Proteststürme der Anwender, die Konfigurationsoptionen und Funktionen vermissten, doch nachdem das Projekt zu halbjährlichen Veröffentlichungen überging, die jedes Mal neben Modernisierungen auch den Funktionsumfang und die Konfigurierbarkeit erweiterten, mauserte sich Gnome 2 letztlich zu einer beliebten und erfolgreichen Desktopumgebung, die von vielen Distributionen als Standard vorgegeben wurde.

Doch der Zahn der Zeit nagte an GTK+, es musste eine neue Version her, wie schon 2008 erkannt wurde. Bis dahin sollte allerdings noch viel Zeit vergehen, so dass im September 2010 Gnome 2.32 als letzte Version von Gnome 2 erschien und im April 2011 endlich Gnome 3.0. Schon im Vorfeld hatte es zahlreiche Diskussionen gegeben, und als Gnome 3.0 schließlich erschien, erhoben sich laute Proteststürme der Anwender, die feststellen mussten, dass wieder zahlreiche Konfigurationsoptionen und Funktionen gestrichen worden waren. Die Geschichte wiederholt sich offenbar, zumindest für die, die nicht aus ihr lernen wollen.

Aktuelle Version der Gnome-Shell mit Starter und Suche

Hans-Joachim Baader

Aktuelle Version der Gnome-Shell mit Starter und Suche

Auch Gnome 3 erhält im Laufe der Zeit Optionen und Funktionen hinzu, doch die Geschichte könnte dieses Mal anders weitergehen als bei Gnome 2. Ein kleines Team pflegt eine Abspaltung von Gnome 2 unter dem Namen Mate weiter, und die Entwickler von Linux Mint starteten einen Fork der Gnome-shell unter dem Namen Cinnamon. Beide wollen den Benutzern den vertrauten Desktop erhalten. Ubuntu dagegen versucht mit Unity, die Innovation des Desktops noch weiter zu treiben als Gnome.

Angesichts der Vielzahl von konkurrierenden Projekten und der Abkehr vieler Benutzer ist es nicht verwunderlich, dass auch einzelne Entwickler Gnome vor schweren Zeiten sehen. So sind sich die Entwickler beispielsweise nicht darüber einig, ob sie Gnome für Mobilgeräte geeignet machen wollen. Sowohl KDE mit Plasma Active als auch Ubuntu mit Unity sind in diesem Punkt schon deutlich weiter und können mit ersten Produkten aufwarten. Zudem müsste Gnome hier auch mit Android, Meego, Tizen und anderen Produkten konkurrieren. So liegen auch Vorschläge vor, den Mobilgerätemarkt hintenan zu stellen und sich eher auf Kreative zu spezialisieren, womit das Projekt hauptsächlich Mac OS X als Konkurrenz hätte.

Auch wenn die künftige Ausrichtung von Gnome momentan unklar ist, ist klar, dass ein Projekt, das 15 Jahre besteht, als erfolgreich gelten muss. Die Meinungen gehen lediglich darüber auseinander, wie erfolgreich, und was aus Gnome noch werden könnte.

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