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Mi, 10. Juli 2013, 12:46

Software::Desktop::KDE

Diskussion: KDE alle drei Monate?

Das Team rund um die freie Desktop-Umgebung KDE diskutiert eine Änderung der Veröffentlichungszeiträume neuer Versionen des Projektes. Ein Vorschlag sieht nun vor, dass KDE künftig in einem Dreimonatsrhythmus veröffentlicht und in Zweigen entwickelt wird. Die Zustimmung der Entwickler fällt allerdings verhalten aus.

KWin in KDE SC 4.10

KDE

KWin in KDE SC 4.10

Die sechsmonatige Freigabe von KDE SC mag nicht immer funktionieren, haben die Entwickler doch in der Vergangenheit manchmal das angesetzte Ziel verpasst, doch stellt sie eine gewisse Kontinuität dar. Alle sechs Monate veröffentlichen die Entwickler neue Versionen der Umgebung. In der Zwischenzeit werden lediglich in einem monatlichen Rhythmus Korrekturen von gefundenen Fehlern veröffentlicht, wie auch Aktualisierungen von Übersetzungen.

Geht es nach einem Vorschlag von Àlex Fiestas, könnte der bereits seit etlichen Jahren etablierte Zyklus nun einer Änderung unterliegen. Wie der Idee entnommen werden kann, könnte KDE künftig alle drei Monate in neuen Versionen veröffentlicht werden. Die monatlichen Updates würden beibehalten werden, wobei auch hier der Zeitraum bis zur nächsten Hauptversion bedient würde.

Resultierend aus der Änderung der Veröffentlichungszeiträume würde das Projekt auch die Strategie der Entwicklung und die Perioden für verschiedene Entwicklungsschritte anpassen. So sollten beispielsweise in den Master-Zweig nur noch Funktionen übernommen werden, die als stabil gelten. Dazu hätten die Entwickler zwei Monate Zeit. Einen Monat lang würden schlussendlich die Neuerungen von der Allgemeinheit getestet und eine neue Freigabe vorbereitet werden.

Fiestas verspricht sich von der Änderung eine Verminderung der Arbeit. Dadurch, dass der Master-Branch immer stabil ist, würde laut Fiestas auch die eigentliche Freigabe weniger Arbeit bedeuten. Unter anderem müsste weniger Zeit für Tests aufgewendet werden.

Fotostrecke: 15 Bilder

Marble zeigt die Umlaufbahnen von Weltraumsonden in KDE 4.10
Marble visualisiert Satellitenbahnen in KDE 4.10
KSudoku in KDE 4.10
Das neue Denkspiel Picmi in KDE 4.10
Der Groupware-Client Kontact in KDE 4.10
Der Vorschlag stieß bei den Entwicklern auf eine überwiegend negative Resonanz. Auch wenn Fiestas laut eigener Aussage die Rückversicherung anderer Entwickler eingeholt hat, fanden sich nur wenige Unterstützer der Idee. So bemängelte beispielsweise Nuno Pinheiro, Mitglied des Marketing-Teams, dass Fiestas den Aufwand einer Freigabe unterschätze. Alleinig das Marketing-Team habe so viel Arbeit, dass es verschiedene Schritte nicht mehr bei jeder Veröffentlichung durchführen kann, sondern nur bei jeder zweiten. Ähnlich abweisend äußerte sich auch ein Entwickler von KDE Pim, Laurent Montel. Auch er sehe die Verkürzung der Freigaben als ein Problem an, das mit den spärlichen Ressourcen des Teams kaum in Einklang gebracht werden kann.

Der Groupware-Client Kontact in KDE 4.10

KDE

Der Groupware-Client Kontact in KDE 4.10

Einen Unterstützer fand Fiestas dagegen in Frank Reininghaus, der die Entwicklung des Dateimanagers Dolphin leitet. Laut Reininghaus ist die Anwendung in Master stetig in einem stabilen Zustand und die Änderung der Freigaben würde für seine Arbeit keinerlei Relevanz haben. Aurélien Gâteau stimmte dieser Aussage zu und merkte an, dass unabhängig von den Veröffentlichungszyklen eine Entwicklung in eigenen Zweigen und eine abschließende Überführung in den Master durchaus wünschenswert wäre. Dem widersprach allerdings Montel, der auf die Probleme bei Akonadi verwies. Auch hier wurde die komplette Funktionalität in einem separaten Branch entwickelt und erst später mit dem Hauptpfad vermengt. Genützt hat das laut Montel nichts, denn die Freigabe entwickelte sich zu einem Desaster, weil kaum jemand die Änderungen des separaten Zweiges prüfte.

Doch nicht nur KDE-Entwickler hegen Zweifel an der neuen Idee, auch Distributoren scheinen wenig Begeisterung für eine Änderung der Veröffentlichungszeiträume zu haben. So hat sich beispielsweise das Team von OpenSuse gegen den Vorschlag gewendet. Wie Luca Beltrame schreibt, würde eine Verkürzung der Zeiträume automatisch zu weniger Zeit für die Paketierung führen, was unter anderem in einer schlechteren Qualität der Pakete resultieren würde. Auch vom organisatorischen Standpunkt aus gesehen würde die Änderung das Team vor massive Probleme stellen. Unter anderem müsste es die Infrastruktur ändern und mehr Ressourcen in Updates und Pflege stecken.

Ganz vom Tisch ist der Vorschlag allerdings noch nicht. In einer Diskussion auf der diesjährigen Akademy soll die Idee in knapp einer Woche noch einmal angesprochen werden. Ob sich allerdings mehr Entwickler für sie erwärmen, ist Anbetracht der momentanen Resonanz eher fraglich.

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