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Do, 27. April 2000, 00:00

Linux PPC 2000 Test

Linux PPC ist eine Distribution für PPC-Systeme wie z.B. Macintosh-Rechner. Hier wird sie auf einem iBook blueberry getestet.

Allgemeines

Linux PPC ist eine Distribution für PPC-Systeme wie z.B. Macintosh-Rechner. Diese Distribution ist Red Hat-basiert. Die eine CD kostet 59,90 DM (!). Darüber hinaus gibt es noch die Variante mit Buch und T-Shirt und einer weiteren CD für 100,00 DM (bei Lehmanns). Hier wurde die Ein-CD-Version gestestet.

Das 70 Seiten dicke Handbuch liegt im PDF-Format auf der CD und beschreibt die Installation sehr ausführlich. Alles, was über die Installation hinausgeht, wird entweder sehr kurz beschrieben oder ist nicht vorhanden. Das Handbuch ist vollständig in Englisch geschrieben, eine deutsche Version existiert nicht.

Dieser Test wurde auf einem iBook blueberry mit 64 MB RAM durchgeführt.

Installation

Neben der textbasierten Red Hat-Installation gibt es eine grafische Installation, bei der Blackbox als Windowmanager zusammen mit einem in Perl geschriebenen Gtk-Programm zum Einsatz kommt. Dieses Programm ist nicht schlecht, doch sein Autor braucht nicht zu befürchten, dass es bald nichts mehr daran zu verbessern gibt. Vor allem fehlen noch viele Funktionen. Zum Partitionieren steht ein ebensolches Programm zur Verfügung.

Das Partitionierungstool PerlDisk

LinuxPPC.com

Das Partitionierungstool PerlDisk

Die Tastaturbelegung kann man während der Installation nicht einstellen. Sehr erfreulich ist, dass man über einen Menüpunkt ein xterm öffnen kann. Das wird vor allem fortgeschrittene Anwender freuen. Sogar der Editor VIM steht hier zur Verfügung.

Laut Handbuch muss die /boot-Partition eine HFS-Partition sein (das Dateisystem von MacOS), also legte ich eine entsprechende Partition an. Nach der Installation soll man MacOS booten (was von CD erledigt werden kann, falls man sich entschlossen hat, MacOS vollständig zu verbannen), um die Konfigurationsdatei des Bootmanagers yaboot zu editieren.

Dabei gibt es zwei Probleme: Erstens kann man das mit den Standardprogrammen von MacOS nicht, sodass man letztendlich von der Linux PPC-CD bootet und von dort die Datei editiert. Weshalb man nicht mit dem Installationsprogramm selbst den Bootmanager konfigurieren kann, bleibt ein Rätsel. Das zweite Problem ist, dass das Handbuch an dieser Stelle definitiv falsch ist, sogar das Beispiel nach der Beschreibung stimmt nicht. Statt:

image = hd8:,vmlinux.2.2.15pre3

muss man in der yaboot.conf eine Zeile der Form

image = hd:8,vmlinux.2.2.15pre3

eintragen. Dass bei Old World-Maschinen normalerweise nicht yaboot, sonder der komfortablere, grafische Bootmanager BootX zum Einsatz kommt, ist da nur ein schwacher Trost. Trotz grafischem Installationstool ist die Installation dieses Systems also ein Hürdenlauf. Das Positivste, was man darüber sagen kann ist, dass man eine Menge dabei lernt ;)

Vorkonfiguration

Und wenn ich mich noch so sehr bemühen würde, hier könnte ich nun wirklich nichts mehr schönreden. Dass das Handbuch englisch war, ist noch zu verschmerzen, doch wenn man nach dem ersten Start mit einer amerikanischen Tastaturkonfiguration konfrontiert wird, hört der Spaß auf. Mit dem einfachen Umstellen auf die deutsche Tastatur ist es zudem nicht getan, denn man bekommt erstmal eine Fehlermeldung. Wie man auf der Konsole die deutsche Belegung bekommt, habe ich für Sie in einem Kurztipp beschrieben.

Das ist der einfache Teil. Das Einrichten der deutschen Tastaturbelegung für XFree86 ist noch etwas aufwendiger. Eine Beschreibung für Linux PPC 1999, die aber auch unter 2000 problemlos klappt, finden Sie hier.

Da die neue HelixCode-Version von GNOME zum Einsatz kommt, ist GNOME sehr hübsch vorkonfiguriert. GPM wird standardmäßig geladen. Dadurch ist die Maus auch im Textmodus verfügbar. Insgesamt ist das System nicht schlecht, doch die Sache mit nichtexistenten Anpassung an deutsche Bedürfnisse wirft einen großen, dunklen Schatten auf das Gesamtbild.

Erfreulich ist übrigens, dass nicht nur das KDE-Menü im GNOME-Menü seinen Platz hat, wie es schon lange üblich ist, auch das GNOME-Menü fand seinen Weg in das KDE-Menü. Um zwischen den beiden Umgebungen zu wechseln gibt es das bekannte Red Hat-Tool switchdesk. Die systemweite Standardeinstellung kann wie üblich auch über die Datei /etc/sysconfig/desktop geregelt werden.

Lieferumfang und Aktualität

Linux PPC 2000 ist ziemlich aktuell. Der Standardkernel ist 2.2.15pre3. Wie erwähnt wurde die HelixCode-Variante von GNOME verwendet (also GNOME 1.1.3pre2-0_helix_2). XFree86 liegt in der Version 3.3.6 vor. Wie zu erwarten wird auch KDE 1.1.2 ausgeliefert. Insgesamt umfasst die Distribution 761 RPM-Pakete. Weitere Pakete kann man sich vom FTP-Server herunterladen.

Das Fehlen von kommerziellen Programmen kann man Linux PPC kaum ankreiden, da diese meist nicht in einer PPC-Version verfügbar sind. Immerhin wird der Netscape Navigator mitgeliefert.

Das LinuxPPC-Logo

LinuxPPC.com

Das LinuxPPC-Logo

Bedienung

EIn paar Kleinigkeiten gibt es zu kritisieren, die man aber schnell korrigiert hat. Einige Aliase, z.B. .. = "cd ..", die das Arbeiten etwas komfortabler machen, sind hier noch nicht definiert. Nach derartigen kleinen Anpassungen, die man bei wohl jeder Distribution erstmal erledigen muss, hat man ein sehr gutes System.

Das Hauptkonfigurationstool ist, wie bei Red Hat-basierten Systemen üblich, linuxconf. Hat man die große Hürde der Tastaturkonfiguration erstmal überwunden, wird man mit einem sehr stark an Red hat erinnernden, und daher nicht schlechten, System belohnt.

Fazit

Leider kann Linux PPC in einigen Dingen nicht mit seinen Konkurrenten aus der x86-Welt mithalten, was wohl an der sehr kleinen Entwickler- und Nutzergemeinde liegt. Wer Linux auf einem PPC einsetzen will, kann sich ruhig für Linux PPC 2000 entscheiden.

Linux-Neulinge dürften aber große Probleme mit dieser Distribution haben.

Gegenüber x86-Distributionen fiel mir die hohe Geschwindigkeit auf, vor allem das Starten von X11 beeindruckte mich.

Bewertungsskala

Rubrik Beschreibung
Aktualität - Kernel 2.2.15pre3 (!)
- XFree86 3.3.6
- KDE 1.1.2
- GNOME 1.1.3pre2 (!)
Auch sonst durchweg aktuelle Pakete
Installation Einige Aspekte der Installation sind durchaus sehr gut - andere dagegen eine Kathastrophe. Insgesamt daher ein Hürdenlauf.
Lieferumfang Wenn man nicht irgendwelche besonderen Programme benötigt, sollte mit dem mitgelieferten Umfang an Software durchaus auskommen.
Dokumentation Die Standarddokumentation ist dabei, auf der CD ist zusätzlich ein Handbuch, das insgesamt doch sehr hilfreich bei der Installation ist.
Preis/Leistung Knapp 60 DM ist leider ziemlich viel für das, was es leistet. Wenn man bei LinuxPPC.com direkt bestellt, kostet die CD nur 20 US-Dollar...
Support Es gibt mehrere englische Mailinglisten, deren Archiv durchaus sehr nützlich ist. Wer nicht sehr gut englisch sprechen kann, sollte deutsche Linux-(Mac-)Mailinglisten verwenden. Linux PPC Inc. bietet auch kommerziellen Support. Die Sammlung der RPM-Pakete auf dem FTP-Server wird kontinuierlich erweitert.
Benutzerfreundlichkeit Die Sache mit der Tastatur kann ich nicht verzeihen, da das Beheben dieses Problems Zeit und Nerven kostet. Dafür sind die einzelnen Pakete durchweg gut konfiguriert.
Gesamt

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