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Mo, 2. September 2013, 12:26

Software::Distributionen

Parted Magic richtet eine Paywall ein

Die Mitte August veröffentlichte Version 2013_08_10 der bekannten Partitionierungsdistribution »Parted Magic« kann dem Anschein nach nicht mehr kostenlos heruntergeladen werden. Anwender, die eine binäre Variante der Distribution nutzen wollen, müssen für den Download 5 US-Dollar bezahlen.

Parted Magic

partedmagic.com

Parted Magic

Das Linux-System Parted Magic dient zum Partitionieren, Formatieren, Sichern und Prüfen von Festplatten aller Art. Zusätzlich können auch Benchmarks vorgenommen und Partitionen sicher gelöscht werden. Auch zur Systemrettung kann es benutzt werden, wenn das System nicht mehr bootet. Es beruht auf GParted und Parted und enthält weitere nützliche Programme wie Clonezilla, partimage, Truecrypt, Grub, fdisk, sfdisk, cfdisk, ddrescue und Dokumentation sowie Tools für alle wichtigeren Dateisysteme. Es wird vollständig in den Hauptspeicher geladen und benötigt mindestens 512 MB RAM. Parted Magic sowie die darin enthaltene Software sind freie Software. Die Distribution selbst wird unter den Bedingungen der GNU General Public License (GNU GPL) vertrieben.

Nachdem bereits seit geraumer Zeit die Finanzierung der Entwicklung über Spenden und über Werbung erfolgte, hat der Autor der Distribution, Patrick Verner, den binären Vertrieb offenbar geschlossen und bietet das Produkt nur noch zum käuflichen Download an. So ist die noch bei der ursprünglichen Freigabe kostenlos angebotene Version 2013_08_10 des Produktes mittlerweile weder auf dem Server des Projektes noch auf den Servern von Sourceforge.net zu finden. Lediglich die als »instabil« gekennzeichnete Version 2013_08_09 kann noch kostenlos bezogen werden.

Das Vorgehen als solches kann durchaus mit gemischten Gefühlen aufgenommen werden, bewegt sich aber im Rahmen des von der Lizenz Erlaubten. Die GPL selbst schreibt lediglich vor, dass die Käufer die Quellen der Anwendungen erhalten sollen und über ihre Rechte aufgeklärt werden sollen. Wie der Vertrieb selbst stattfindet, regelt die Lizenz nicht.

Einen faden Nachgeschmack hinterlässt die Änderung dennoch, wurde sie dem Anschein nach weder im Forum des Projektes noch als Nachricht der Gemeinschaft kommuniziert. Einen möglichen Hintergrund liefert die Seite Phoronix. So zitiert der Nachrichtenticker einen angeblichen Bekannten des Autors, der mit den Vorgängen hinter »Parted Magic« vertraut sein will. Demnach habe der Autor seit Jahren die Entwicklung der Distribution in seiner Freizeit vorangetrieben. Als er vor über einem Jahr seine Arbeit verlor, beschloss er, die Distribution als ein Vollzeitprojekt zu entwickeln. Dazu rief er die Anwender auf, bei einer Nutzung zu spenden. In Anbetracht angeblicher »tausender Anwender« eine durchaus berechtigte Hoffnung, dass durch Spenden die Entwicklung refinanziert werden kann.

Die Realität schien die Hoffnung allerdings nur bedingt zu bestätigen. Knapp die Hälfte der Zeit ist es Verner nicht gelungen, die gewünschte Summe von 1200 US-Dollar zu erreichen. Als im Juli nun auch seine Frau ihre Arbeit verlor, stand laut dem Autor die Entscheidung an, entweder die Entwicklung von »Parted Magic« einzustellen, oder die Anwender durch eine Zahlschranke an der Entwicklung zu beteiligen. Der Autor entschied sich für die zweite Lösung und verlangt nun für jeden Download einen Obolus von 5 US-Dollar.

Das Vorgehen als solches birgt allerdings nicht nur Vorteile. Die teils recht sensibel auf eine Kommerzialisierung reagierende Gemeinschaft könnte sich von dem Projekt abwenden, sodass die erhofften Geldmittel recht schnell versiegen können. Möglich ist auch ein Fork der Distribution oder ein Dienst, der das Produkt aus den Quellen baut und es weiterhin binär vertreibt. Denn gänzlich einschränken lässt sich die freie Verfügbarkeit nicht, will der Autor nicht mit den Bestimmungen der GPL kollidieren.

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